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RUBENS 103

2. Januar 2006



Luxemburg-Komplott



Rezension



Nachdem Christian von Ditfurth in seinem letzten historischen Roman „Der Consul“ (RUBENS 88) Adolf Hitler im Herbst 1932 ermorden ließ, lässt er diesmal Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht das Attentat vom Januar 1919 überleben. Die führenden deutschen Kommunisten werden zwar – wie es uns die Geschichtsbücher lehren – von Freikorps verhaftet und brutal geschlagen, doch bevor es zur Exekution kommt, werden die beiden – auf etwas wundersame Weise – von revolutionären Arbeitern gerettet.
Aus dieser Rettung entspinnt sich naturgemäß ein anderer Fortgang der Ereignisse – als der historische – im kalten deutschen Winter 1918/1919. Es wirken gleichwohl viele geschichtliche Figuren mit wie Luxemburg und Liebknecht, wie der spätere DDR-Präsident Wilhelm Pieck und wie Ernst Reuter, der einmal Regierender Bürgermeister von Westberlin werden soll. Während sie direkt in die Handlung einbezogen sind, werden andere Zeitgenossen wie die damaligen SPD-Granden Ebert, Scheidemann und Noske nur erwähnt.
Ergänzt wird das historische Personal vor allem um die Hauptfigur Sebastian Zacharias. Er kämpfte im Weltkrieg auf deutscher Seite an der Ostfront, wurde gefangen genommen und ließ sich von der Oktoberrevolution so weit mitreißen, dass er beim russischen Geheimdienst, der Tscheka, anheuerte.
Die Tscheka wiederum beauftragt Zacharias Ende Januar 1919, in seine Heimatstadt Berlin zurückzukehren, um dort als Leibwächter für Rosa Luxemburg zu arbeiten, diese dabei aber auch zu beobachten und zu beeinflussen. Schließlich will Luxemburg zwar in Deutschland eine Revolution machen, aber nicht eins zu eins das zum Großteil auf Terror und Gewalt basierende russische Vorbild übernehmen. Genau das jedoch wünscht sich der russische Revolutionsführer Lenin für Deutschland.
Über den Sinn und Zweck der Grundidee – Luxemburg und Liebknecht überleben zu lassen – kann man sich gewiss streiten. Die Geschichte, die daraus entspringt, ist allerdings gut und spannend erzählt. Besonders erfreulich ist die Figur des Sebastian Zacharias, der so gar nichts von den üblichen glatten guten Helden an sich hat, der vielmehr von den zweifelhaften Idealen der jungen Sowjetrepublik und der Tscheka geprägt ist: Lieber hundert Unschuldige erschießen, als einen Verräter entkommen zu lassen.

Info: Christian von Ditfurth: „Das Luxemburg-Komplott“, Droemer Knaur, München 2005, 384 S., 19,90 Euro

 


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