Editorial
Hoffen
und Bangen
2006 wird wegweisend für die Ruhr-Uni sein.
Zu den Dauerbrennern Globalhaushalt, Campussanierung,
Exzellenzinitiative und Studiengebühren werden
im Laufe des Jahres folgenreiche Entscheidungen getroffen.
Die Ruhr-Uni wird mit weniger Geld auskommen müssen.
Zwar wird der Landeshaushalt erst im Frühjahr verabschiedet,
aber wir wissen von der NRW-Landesregierung, dass die
Mittel fürs Personal nur zu 96,8 Prozent ausfinanziert
werden und dass wir bei der landesweiten Verteilung
der Mittel für Lehre und Forschung wieder 1,9 Mio.
Euro verlieren. Rektorat und Verwaltung haben frühzeitig
den Globalhaushalt geplant, so dass die Ruhr-Uni gut
vorbereitet ist.
Entscheidungsreif ist die Campussanierung. Die Ruhr-Uni
hat 2005 ihre Hausaufgaben gemacht: Ein konkreter, von
Gutachten abgesegneter Plan liegt vor und ist mit dem
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) abgestimmt.
Jetzt kommt es darauf an, dass die Politik ihn gutheißt
und die erforderlichen Mittel freigibt. Bedenkt man,
dass die Ruhr-Uni aus Mitteln für die Instandhaltung
jährlich rund 53 Mio. Euro Miete an den BLB zahlt,
so ist man nicht weit entfernt von den erforderlichen
70 bis 80 Mio. Euro pro Jahr, die man für die auf
rund zehn bis zwölf Jahre angesetzte Campussanierung
benötigt.
Eine Weichenstellung wird das Abschneiden der Ruhr-Uni
im Exzellenz-Wettbewerb sein. Wird sie demnächst
offiziell zur Elite zählen oder nicht? Die Ruhr-Uni
hat sich selbstbewusst für alle drei Förderlinien
des Wettbewerbs beworben. Sie hat Vorlagen für
eine universitätsweite Graduiertenschule und zwei
Exzellenzcluster (Sensory life sciences und Plasmaforschung)
eingereicht sowie sich als „Research Campus RUB“
um Mittel für die Spitzenforschung beworben. Ende
Januar 2006 werden wir wissen, ob wir in die nächste
Runde kommen oder nicht: Werden wir aufgefordert, die
vollständigen Bewerbungsunterlagen einzureichen
und können wir uns im Oktober 2006 auf einen Geldsegen
freuen?
Studiengebühren sind das Reizthema, das die Hochschulen
in Deutschland 2006 begleiten und in internen Auseinandersetzungen
beschäftigen wird. Die Studierenden der Ruhr-Uni
haben sich in der Umfrage des Rektorats zwar mehrheitlich
gegen Studiengebühren ausgesprochen. Diese Umfrage
war aber erst der Auftakt einer differenzierten Diskussion.
Der Senat wird im Laufe des Jahres eine schwierige Entscheidung
treffen müssen. Dabei geht es letztlich auch um
die Frage: Wie können wir die Studienbedingungen
für unsere Studierenden so verbessern, dass sie
hier hervorragend ausgebildet werden, ohne ihre Zeit
in überfüllten Räumen, mit mangelnder
Ausstattung und fehlenden Arbeitsmitteln verplempern
zu müssen?
Trotz dieser vielfältigen Probleme wird sich im
Sommer all unser Bangen und Hoffen auf die eine lebenswichtige
Frage beschränken: Wer wird Fußball-Weltmeister
– Deutschland oder Brasilien, oder gar einer der
30 anderen Teilnehmer?
jk
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