Knopfdruck genügt
Sicher,
schnell und gerecht: VSPL wird das Studium verändern
Verwaltung von Studien- und Prüfungs-Leistungen
– das klingt zunächst wenig spektakulär.
Gleiches gilt für die dazugehörige Abkürzung
VSPL. Und doch wird das dahinter steckende Online-System
sehr bald das Studium erheblich verändern. Die
aktuell am Germanistischen Institut gestartete Pilotphase
zeigt, dass für Studierende und Lehrende vieles
einfacher, schneller, gerechter und transparenter wird.
Unter 25 Übungen können die 329 Erstsemester
in Germanistik (Zwei-Fach-Bachelor) in diesem Wintersemester
wählen. Zehn Übungen gehören zum Grundkursmodul
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, sieben bzw. acht
Übungen zu den Grundkursmodulen Germanistische
Linguistik bzw. Mediävistik. Jeder der 329 Studierenden
muss pro Modul – zusätzlich zur Vorlesung
– eine Übung belegen. Leider gibt es pro
Übung nur maximal 45 Plätze, und im schlimmsten
Fall kollidiert die Wunsch-Übung in Linguistik
mit der Vorlesung in Literatur. Deshalb sollen alle
Studierenden vorsichtshalber pro Übung drei Alternativen
nennen.
So weit die Ausgangslage. Doch wie lässt sich das
alles unter einen Hut bringen, wie kann dieser vielfach
erweiterte Dreisatz gelöst werden, wenn es gilt,
die Plätze in den Übungen ordnungsgemäß
zu verteilen? Die Antwort ist überraschend: „Per
Knopfdruck, drei Minuten später hatten wir das
Ergebnis“, erklärt Privatdozent Dr. Benedikt
Jeßing. Noch Wochen später ist ihm die Begeisterung
darüber anzumerken.
Der Germanist Jeßing gehört zu den Pionieren,
die zurzeit VSPL testen, das Online-System zur Verwaltung
von Studien- und Prüfungsleistungen. Erprobt wird
es im Wintersemester 2005/06 für die oben genannten
drei Grundkursmodule in der Germanistik. Mit Hilfe von
Software und Datenbank wurden alle 329 Erstsemester
gerecht, gleichmäßig und (bis auf wenige
Ausnahmen) anhand ihrer Wünsche auf die 25 Übungen
verteilt.
Vorab konnten sich die Studierenden zwei Tage lang an
verschiedenen PC-Inseln der Uni (GB, Verwaltungsgebäude,
Rechenzentrum) für die Kurse anmelden. „Dank
der vielen Rechner und der langen Anmeldezeit kam es
praktisch zu keinerlei Wartezeiten“, sagt Dr.
Jeßing. „Früher gab es regelrechte
Schlachten um die besten Plätze in den beliebtesten
Veranstaltungen“, fährt der Beauftragte fürs
Grundkursmodul Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
fort. „Morgens um fünf Uhr warteten die ersten
im Gang, um sich ab zehn Uhr in Listen eintragen zu
können, da galt: Wer zu erst kommt oder am besten
drängeln kann, bekommt seinen Platz.“
Mehrfach verschlüsselt
Die Kämpfe um die besten Seminarplätze, die
fast alle gestuften Studiengänge inkl. Optionalbereich
betreffen, könnten dank VSPL demnächst der
Vergangenheit angehören. Doch was steckt hinter
diesem System? Studierende, Lehrende und Prüfungsämter
treffen sich online auf einer gemeinsamen Plattform.
Sie finden Infos zu allen Lehrveranstaltungen mit ihrer
Zuordnung zu Modulen. Sie erfahren, wie groß der
dazugehörige Veranstaltungsraum ist. Die Studierenden
können sich online zu Lehrveranstaltungen anmelden,
sie erhalten automatisch einen Stundenplan und können
sich jederzeit über ihren aktuellen Stand im Studium
(Kontoauszug) informieren. Lehrende erhalten über
das System Teilnehmerlisten zu ihren Veranstaltungen
und können Kreditpunkte und Noten eingeben und
Bescheinigungen ausdrucken – für einzelne
Seminare oder – als Modulbeauftragte – für
komplette Module, übrigens auch für an fremden
Orten erbrachte Studienleistungen. Sie können darüber
hinaus Serienmails an die Kursteilnehmer versenden und
die Daten aus VSPL in andere Programme exportieren.
Die Prüfungsämter können das sog. Transcript
of Records ausdrucken, das den individuellen Studienverlauf
dokumentiert. Darüber hinaus können die beteiligten
Prüfungsämter fachübergreifend arbeiten.
Um den größtmöglichen Schutz der zum
Teil sensiblen Daten von Studierenden (Matrikelnummer,
Studiengänge und Semesterzahl, Vor- und Nachname)
zu gewährleisten, gelangt man in dieses System
nur mit Chipkarte (Bediensteten- oder Studierendenkarte)
und individueller PIN (digitale Signatur). Datenaustausch
und Datenspeicherung erfolgen mehrfach verschlüsselt.
Das Programm ist mit dem Datenschutzbeauftragten der
Ruhr-Uni abgestimmt, es gab mehrtätige Workshops
und Schwachstellenanalysen.
Alle Zweifel beseitigt
Noch allerdings befindet sich VSPL in der Erprobungsphase.
Erst ab 2006 soll es richtig losgehen und in allen Zwei-Fach-Bachelor-
sowie in allen Master-Studiengängen an der Ruhr-Uni
(insgesamt 69 Fächer) eingesetzt werden; für
bislang 16 Fächer standen die Starttermine bereits
im November fest.
Deshalb ist das Pilotprojekt in der Germanistik besonders
wichtig – für alle Beteiligten. Neben den
Lehrenden und Studierenden können auch Rechenzentrum
und Dezernat 6 (Informations- und Kommunikationsdienste,
Studierendenservice) den Ernstfall proben. Dafür
eignet sich das Germanistische Institut mit seinen vielen
Studierenden hervorragend. Hinzu kommt, dass die Germanisten
ihre Datenstrukturen bereits weitgehend an die Erfordernisse
von VSPL angepasst haben. Die Feinabstimmung erledigten
sie zusammen mit den Softwarespezialisten des Dezernats
6 und des Rechenzentrums, die Benedikt Jeßing
gerne namentlich erwähnt haben möchte: „Ohne
Rahime Apaydin, Detlef Pollkläsner und Rainer Staake
hätten wir das nicht geschafft.“
Ebenso groß ist das Verdienst der Studierenden,
die das neue System mit Neugier und Interesse getestet
haben. Eine gewisse, durchaus gesunde Skepsis gab es
vorab allenfalls gegenüber der neuen Technik. „Schließlich
sollte unser Jahrgang dieses System einweihen“,
erklärt Mareike*, „und ich selbst vertraue
der Technik nicht immer.“ Auch Kommilitonin Nadine
befürchtete nach der Einführungsveranstaltung
in VSPL, „das Anmeldeverfahren könnte in
der Praxis zu sehr von der Theorie abweichen.“
Doch die Zweifel verflüchtigten sich rasch: „Ich
war überrascht, wie schnell und einfach die Anmeldung
über VSPL war“, meint Anke. „VSPL erspart
den Studenten lange Wartezeiten in hundert Meter langen
Schlangen und die Enttäuschung, trotz dreistündiger
Wartezeit keinen Platz im gewünschten Kurs zu bekommen“,
ergänzt Mareike. Nadine schließlich wünscht
sich, „dass auch andere Fachbereiche der Ruhr-Uni
VSPL einführen.“
VSPL komplett
Genau das geschieht, wie gesagt, ab 2006. Parallel
dazu schreitet auch der Umstellungsprozess im Germanistischen
Institut weiter voran; bislang profitieren ausschließlich
die aktuellen Erstsemester von VSPL. Momentan jedoch
können alle anderen Bachelorstudierenden ihre gegenwärtigen
Lehrveranstaltungen in das System eintragen (die Nacherfassung
der Daten von der Einführung des Bachelor in Germanistik
im Jahre 2000 bis zum Sommersemester 2005 wird derzeit
diskutiert und vorbereitet). Die entsprechenden Kurse
sind bereits eingespeist, sie müssen nur angeklickt
und durch die eigenen Angaben ergänzt werden. Ab
dem Sommersemester 2006 wird das gesamte Bachelor-/Master-Lehrangebot
der Germanistik über VSPL abgewickelt: vom Grundkursmodul
bis zum Forschungsmodul in der Masterphase.
Zugang & Technik
Für den Zugang zum VSPL-System sind Chipkarte (für
Studierende bzw. Beschäftigte), Chipkarten-Leser
und entsprechende Software nötig. Ist man eingeloggt,
bedient sich das VSPL-System wie ein normaler Browser.
Damit der Zugang gelingt, müssen im Hintergrund
zahlreiche Serverdienste zusammenspielen: An erster
Stelle steht die Public Key Infrastructure (PKI). Hier
sind alle öffentlichen Daten, die zur Chipkarte
gehören, hinterlegt. Die Kommunikation zwischen
allen beteiligten Serverkomponenten ist hoch verschlüsselt,
sodass von jedem internetfähigen Rechner (mit Chipkartenlesegerät)
ein sicherer Zugang zum VSPL-System möglich ist.
Die Nutzer des VSPL-Systems können sich auf verschiedene
Weise mit dem System vertraut machen: Für Lehrende
und Modulbeauftragte werden Einführungsveranstaltungen
angeboten. Für Studierende finden eigene Infoveranstaltungen
statt. Hinzu kommt eine persönliche Beratung. Die
Systembetreuer der einzelnen Fakultäten können
den Support vor Ort übernehmen. Das Rechenzentrum
übernimmt den „First Level Support“,
sodass alle Probleme an eine zentrale Stelle gemeldet
werden können.
Technisch gesehen basiert VSPL auf der Software „Campus-System“.
Eingeschlossen sind zudem diverse weitere Software-
und Datenbanksysteme, die zum Teil bereits an der Ruhr-Uni
eingesetzt werden: z. B. das Programm i3v, das u. a.
bei der Hörsaalvergabe eingesetzt wird, die Zugangssoftware
RUBICON oder das Prüfungsverwaltungsprogramm HISPOS.
Ab 2006 soll außerdem die Online-Plattform „Blackboard“
in VSPL integriert werden. Das virtuelle schwarze Brett
wird zurzeit an der Ruhr-Uni vielfach in der Lehre eingesetzt.
*Alle zitierten Studierenden besuchen einen der Grundkurse
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft bei PD Dr. Benedikt
Jeßing.
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