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RUBENS 102

1. Dezember 2005

Knopfdruck genügt

Sicher, schnell und gerecht: VSPL wird das Studium verändern


Verwaltung von Studien- und Prüfungs-Leistungen – das klingt zunächst wenig spektakulär. Gleiches gilt für die dazugehörige Abkürzung VSPL. Und doch wird das dahinter steckende Online-System sehr bald das Studium erheblich verändern. Die aktuell am Germanistischen Institut gestartete Pilotphase zeigt, dass für Studierende und Lehrende vieles einfacher, schneller, gerechter und transparenter wird.

Unter 25 Übungen können die 329 Erstsemester in Germanistik (Zwei-Fach-Bachelor) in diesem Wintersemester wählen. Zehn Übungen gehören zum Grundkursmodul Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, sieben bzw. acht Übungen zu den Grundkursmodulen Germanistische Linguistik bzw. Mediävistik. Jeder der 329 Studierenden muss pro Modul – zusätzlich zur Vorlesung – eine Übung belegen. Leider gibt es pro Übung nur maximal 45 Plätze, und im schlimmsten Fall kollidiert die Wunsch-Übung in Linguistik mit der Vorlesung in Literatur. Deshalb sollen alle Studierenden vorsichtshalber pro Übung drei Alternativen nennen.
So weit die Ausgangslage. Doch wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen, wie kann dieser vielfach erweiterte Dreisatz gelöst werden, wenn es gilt, die Plätze in den Übungen ordnungsgemäß zu verteilen? Die Antwort ist überraschend: „Per Knopfdruck, drei Minuten später hatten wir das Ergebnis“, erklärt Privatdozent Dr. Benedikt Jeßing. Noch Wochen später ist ihm die Begeisterung darüber anzumerken.
Der Germanist Jeßing gehört zu den Pionieren, die zurzeit VSPL testen, das Online-System zur Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen. Erprobt wird es im Wintersemester 2005/06 für die oben genannten drei Grundkursmodule in der Germanistik. Mit Hilfe von Software und Datenbank wurden alle 329 Erstsemester gerecht, gleichmäßig und (bis auf wenige Ausnahmen) anhand ihrer Wünsche auf die 25 Übungen verteilt.
Vorab konnten sich die Studierenden zwei Tage lang an verschiedenen PC-Inseln der Uni (GB, Verwaltungsgebäude, Rechenzentrum) für die Kurse anmelden. „Dank der vielen Rechner und der langen Anmeldezeit kam es praktisch zu keinerlei Wartezeiten“, sagt Dr. Jeßing. „Früher gab es regelrechte Schlachten um die besten Plätze in den beliebtesten Veranstaltungen“, fährt der Beauftragte fürs Grundkursmodul Neuere Deutsche Literaturwissenschaft fort. „Morgens um fünf Uhr warteten die ersten im Gang, um sich ab zehn Uhr in Listen eintragen zu können, da galt: Wer zu erst kommt oder am besten drängeln kann, bekommt seinen Platz.“

Mehrfach verschlüsselt

Die Kämpfe um die besten Seminarplätze, die fast alle gestuften Studiengänge inkl. Optionalbereich betreffen, könnten dank VSPL demnächst der Vergangenheit angehören. Doch was steckt hinter diesem System? Studierende, Lehrende und Prüfungsämter treffen sich online auf einer gemeinsamen Plattform. Sie finden Infos zu allen Lehrveranstaltungen mit ihrer Zuordnung zu Modulen. Sie erfahren, wie groß der dazugehörige Veranstaltungsraum ist. Die Studierenden können sich online zu Lehrveranstaltungen anmelden, sie erhalten automatisch einen Stundenplan und können sich jederzeit über ihren aktuellen Stand im Studium (Kontoauszug) informieren. Lehrende erhalten über das System Teilnehmerlisten zu ihren Veranstaltungen und können Kreditpunkte und Noten eingeben und Bescheinigungen ausdrucken – für einzelne Seminare oder – als Modulbeauftragte – für komplette Module, übrigens auch für an fremden Orten erbrachte Studienleistungen. Sie können darüber hinaus Serienmails an die Kursteilnehmer versenden und die Daten aus VSPL in andere Programme exportieren. Die Prüfungsämter können das sog. Transcript of Records ausdrucken, das den individuellen Studienverlauf dokumentiert. Darüber hinaus können die beteiligten Prüfungsämter fachübergreifend arbeiten.
Um den größtmöglichen Schutz der zum Teil sensiblen Daten von Studierenden (Matrikelnummer, Studiengänge und Semesterzahl, Vor- und Nachname) zu gewährleisten, gelangt man in dieses System nur mit Chipkarte (Bediensteten- oder Studierendenkarte) und individueller PIN (digitale Signatur). Datenaustausch und Datenspeicherung erfolgen mehrfach verschlüsselt. Das Programm ist mit dem Datenschutzbeauftragten der Ruhr-Uni abgestimmt, es gab mehrtätige Workshops und Schwachstellenanalysen.

Alle Zweifel beseitigt

Noch allerdings befindet sich VSPL in der Erprobungsphase. Erst ab 2006 soll es richtig losgehen und in allen Zwei-Fach-Bachelor- sowie in allen Master-Studiengängen an der Ruhr-Uni (insgesamt 69 Fächer) eingesetzt werden; für bislang 16 Fächer standen die Starttermine bereits im November fest.
Deshalb ist das Pilotprojekt in der Germanistik besonders wichtig – für alle Beteiligten. Neben den Lehrenden und Studierenden können auch Rechenzentrum und Dezernat 6 (Informations- und Kommunikationsdienste, Studierendenservice) den Ernstfall proben. Dafür eignet sich das Germanistische Institut mit seinen vielen Studierenden hervorragend. Hinzu kommt, dass die Germanisten ihre Datenstrukturen bereits weitgehend an die Erfordernisse von VSPL angepasst haben. Die Feinabstimmung erledigten sie zusammen mit den Softwarespezialisten des Dezernats 6 und des Rechenzentrums, die Benedikt Jeßing gerne namentlich erwähnt haben möchte: „Ohne Rahime Apaydin, Detlef Pollkläsner und Rainer Staake hätten wir das nicht geschafft.“
Ebenso groß ist das Verdienst der Studierenden, die das neue System mit Neugier und Interesse getestet haben. Eine gewisse, durchaus gesunde Skepsis gab es vorab allenfalls gegenüber der neuen Technik. „Schließlich sollte unser Jahrgang dieses System einweihen“, erklärt Mareike*, „und ich selbst vertraue der Technik nicht immer.“ Auch Kommilitonin Nadine befürchtete nach der Einführungsveranstaltung in VSPL, „das Anmeldeverfahren könnte in der Praxis zu sehr von der Theorie abweichen.“ Doch die Zweifel verflüchtigten sich rasch: „Ich war überrascht, wie schnell und einfach die Anmeldung über VSPL war“, meint Anke. „VSPL erspart den Studenten lange Wartezeiten in hundert Meter langen Schlangen und die Enttäuschung, trotz dreistündiger Wartezeit keinen Platz im gewünschten Kurs zu bekommen“, ergänzt Mareike. Nadine schließlich wünscht sich, „dass auch andere Fachbereiche der Ruhr-Uni VSPL einführen.“

VSPL komplett

Genau das geschieht, wie gesagt, ab 2006. Parallel dazu schreitet auch der Umstellungsprozess im Germanistischen Institut weiter voran; bislang profitieren ausschließlich die aktuellen Erstsemester von VSPL. Momentan jedoch können alle anderen Bachelorstudierenden ihre gegenwärtigen Lehrveranstaltungen in das System eintragen (die Nacherfassung der Daten von der Einführung des Bachelor in Germanistik im Jahre 2000 bis zum Sommersemester 2005 wird derzeit diskutiert und vorbereitet). Die entsprechenden Kurse sind bereits eingespeist, sie müssen nur angeklickt und durch die eigenen Angaben ergänzt werden. Ab dem Sommersemester 2006 wird das gesamte Bachelor-/Master-Lehrangebot der Germanistik über VSPL abgewickelt: vom Grundkursmodul bis zum Forschungsmodul in der Masterphase.

Zugang & Technik

Für den Zugang zum VSPL-System sind Chipkarte (für Studierende bzw. Beschäftigte), Chipkarten-Leser und entsprechende Software nötig. Ist man eingeloggt, bedient sich das VSPL-System wie ein normaler Browser. Damit der Zugang gelingt, müssen im Hintergrund zahlreiche Serverdienste zusammenspielen: An erster Stelle steht die Public Key Infrastructure (PKI). Hier sind alle öffentlichen Daten, die zur Chipkarte gehören, hinterlegt. Die Kommunikation zwischen allen beteiligten Serverkomponenten ist hoch verschlüsselt, sodass von jedem internetfähigen Rechner (mit Chipkartenlesegerät) ein sicherer Zugang zum VSPL-System möglich ist.
Die Nutzer des VSPL-Systems können sich auf verschiedene Weise mit dem System vertraut machen: Für Lehrende und Modulbeauftragte werden Einführungsveranstaltungen angeboten. Für Studierende finden eigene Infoveranstaltungen statt. Hinzu kommt eine persönliche Beratung. Die Systembetreuer der einzelnen Fakultäten können den Support vor Ort übernehmen. Das Rechenzentrum übernimmt den „First Level Support“, sodass alle Probleme an eine zentrale Stelle gemeldet werden können.
Technisch gesehen basiert VSPL auf der Software „Campus-System“. Eingeschlossen sind zudem diverse weitere Software- und Datenbanksysteme, die zum Teil bereits an der Ruhr-Uni eingesetzt werden: z. B. das Programm i3v, das u. a. bei der Hörsaalvergabe eingesetzt wird, die Zugangssoftware RUBICON oder das Prüfungsverwaltungsprogramm HISPOS. Ab 2006 soll außerdem die Online-Plattform „Blackboard“ in VSPL integriert werden. Das virtuelle schwarze Brett wird zurzeit an der Ruhr-Uni vielfach in der Lehre eingesetzt.

*Alle zitierten Studierenden besuchen einen der Grundkurse Neuere Deutsche Literaturwissenschaft bei PD Dr. Benedikt Jeßing.



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Letzte Änderung: 30.11.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik