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RUBENS 102

1. Dezember 2005

Wie wird man Millionär?

Serie Archivsplitter

Neulich bei Günther Jauch, eine Frage auf dem Weg zur Million: Im Jahre 1962 wurde die Ruhr-Universität ... gegründet (?). Natürlich war auch „Bochum“ eine der möglichen Antworten, aber die Bochumer und erst recht die Angehörigen der Ruhr-Uni musste allein die Fragestellung in Erstaunen versetzen, konnten sie doch das ganze Jahr 2005 über Veranstaltungen zur 40-Jahr-Feier ihrer Universität mitverfolgen.
Nun ist von Redakteuren einer Unterhaltungssendung natürlich nicht zu erwarten, dass sie auf dem Laufenden sind, was, sagen wir es bescheiden, auf lokaler Ebene passiert. Allerdings stellt sich die Frage, woher die Fragenaustüftler von „Wer wird Millionär“ ihr Wissen beziehen. Ein Blick ins Internet führt rasch zur erstaunlich einfachen Antwort: aus dem Brockhaus und aus Wikipedia!

61, 62, 63, 64, 65, 66 …

Der „Schuldige“ in diesem Fall ward noch rascher gefunden: Ein anonymer Autor von Wikipedia weiß von der „Gründung der RUB im Jahr 1962“ zu berichten. Nicht verwunderlich, dass sich die Fragenredaktion besagter Sendung freudig darauf stürzte, um schnell eine weitere von den vielen zu ersinnenden Fragen abhaken zu können.
Um es klar auszudrücken: Die RUB feiert in diesem Jahr die 40 Jahre ihres Bestehens; sie bezog sich dabei wohlweislich auf die Eröffnung am 30. Juni 1965. Aber was geschah 1962? Das markanteste Ereignis war die Grundsteinlegung zum Bau „des ersten Gebäudes“ der Universität Bochum in der Overbergstraße. Ministerpräsident Meyers mauerte gar eine Urkunde ein, wohlgemerkt eine Urkunde zur Grundsteinlegung eines Gebäudes außerhalb des Campus, das später als Wohnheim dienen sollte, zunächst aber als Sammelunterkunft der ersten Lehrstühle vorgesehen war (1964 fertig gestellt). Der eigentliche Baubeginn der Uni fiel in den Januar 1964, wie die Akten des damaligen Hochbauamts eindeutig bezeugen.
Ferner erarbeiteten 1962 namhafte Professoren aus der gesamten Bundesrepublik ein Konzept für die geplante Universität. Im Dezember 1962 legte dieser Gründungsausschuss (der von 1961 bis 1966 arbeitete) seine „Denkschrift“ vor. Hier standen Vorstellungen zur Struktur und zur baulichen Gestaltung, die die Landesregierung zur Kenntnis nahm und in die Ausschüsse zur Beratung weiterleitete. Von 1962 als dem Gründungsjahr der Universität zu sprechen, die noch ein Jahr auf den ersten Professor und drei Jahre auf den ersten Studenten warten musste, erscheint gewagt, ganz abgesehen davon, dass gar kein Gründungsakt auszumachen ist.
Hätten doch die TV-Macher wenigstens auch in ihren Brockhaus gesehen! Sie hätten dort das Gründungsjahr 1961 gefunden und wären mit ihrer Frageformulierung vorsichtiger gewesen. Die traditionsreiche Enzyklopädie kann sich sogar, mit einigem Wohlwollen, auf die oben genannte Urkunde stützen, in der es heißt: „Der Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf hatte die Gründung der Universität Bochum am 18. Juli 1961 beschlossen.“
Man lese genau: Das Parlament hat nicht gegründet resp. ein Gesetz zur Errichtung verabschiedet, sondern seinen Willen bekundet, dass die Uni Bochum gegründet werden soll. Quellenkritisch muss gar hinzugefügt werden: ein kühner Satz, der die realen Begebenheiten übertüncht.

Glatteis

Worin bestand die viel zitierte Landtagsentscheidung? Die CDU-Regierung hatte sich bereits für Bochum als Standort der lange geplanten Hochschule ausgesprochen, wogegen sich Widerstand regte, der nicht allein aus den Reihen von SPD und FDP kam. Nur widerwillig beugte sich die Regierung dem Druck, sich der Abstimmung im Parlament zu stellen. Hier ging es in der Tat nur um die Abwehr eines Gegenantrages und damit verbunden die Bestätigung der eigenen Entscheidung. An besagtem 18. Juli stimmten die Abgeordneten lediglich dem Bericht des Hauptausschusses und des Kulturausschusses zu, der in dem Antrag mündete, den „Antrag der Fraktion der SPD betr. Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung einer Hochschule in Dortmund“ abzulehnen, gleichzeitig der „Empfehlung der Landesregierung“ zuzustimmen und sie zu bitten, „die dazu erforderlichen Maßnahmen unverzüglich einzuleiten.“
Nun könnte man natürlich Fünfe gerade sein lassen und nicht so sehr auf die Umstände und die Formulierungen achten. Aus der Entscheidung für den Standort Bochum eine „Gründung“ zu machen, bleibt problematisch, geschieht aber in Ermangelung eines Errichtungsgesetzes, das die Landesverwaltung (danach!) zwar vorbereitete, das aber nie verabschiedet wurde.
Was bleibt? 1. Wer ein Gründungsjahr oder gar -datum nennt, begibt sich auf Glatteis. 2. Gescheiterte Quiz-Kandidaten mögen die Möglichkeit eines Widerspruchs prüfen. 3. Wikipedia-Nutzer sollten wissen, dass ein Artikel explizit nur „ein bisschen Qualität aufweisen“ sollte.

Jörg Lorenz, Universitätsarchiv
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Letzte Änderung: 30.11.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik