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RUBENS 102

1. Dezember 2005

Editorial

Ehrenamt


Am 22. November hat das NRW-Kabinett den Entwurf des Studienbeitragsgesetzes beschlossen. Eine wesentlicher Wunsch der Studierenden wird darin umgesetzt: Von Studiengebühren ausgenommen sind auch diejenigen Studierenden, die sich in Fachschaften engagieren; bislang war die Ausnahme auf Tätigkeiten bei Organen der Hochschule, beim Asta und bei den Studentenwerken beschränkt.
Das ist positives Signal, doch dem Bochumer Campusradio wird es genauso wenig helfen wie dem Studienkreis Film oder dem Hochschulsport. Zur Erinnerung: Mit seinem Campusradio schmückt sich die Ruhr-Universität gerne – und das mit gutem Recht. Immerhin ging CT das Radio (damals noch als Radio c.t.) im Herbst 1997 als erstes Campusradio in Deutschland mit einer eigenen Frequenz auf Sendung. Es diente danach als Modell für viele andere Campusradios in Deutschland.
Doch CT kann nur funktionieren, wenn sich Studierende finden, die ehrenamtlich für das Radio arbeiten, denn ein Honorar wird nicht gezahlt. Doch es locken nicht nur Moderatorenposten, sondern auch Jobs hinter den Kulissen. Ein Sender muss organisiert werden, bei CT erledigt das der Trägerverein. Die Arbeit hier kann bisweilen sehr zeitaufwändig sein, und genau hier beginnt das Problem: Je mehr man sich als Student auf ein Ehrenamt einlässt, desto weniger Zeit bleibt fürs Studium oder fürs Geldverdienen.
Insbesondere das Bachelorstudium kostet viel Zeit. Wer auf BA studiert, muss im Seminar sitzen, sonst gibt’s keine Kreditpunkte. Außerdem wimmelt es nur so von Pflichtveranstaltungen, fast wie in der Schule. In der Tat lässt das ehrenamtliche Engagement bei CT seit Einführung der gestuften Studiengänge spürbar nach. Noch schlimmer könnte es kommen, wenn demnächst die Studierenden Gebühren zahlen müssen und erst recht auf Nebenjobs angewiesen sind. Fürs Ehrenamt bliebe womöglich gar keine Zeit mehr.
Auch beim Studienkreis Film werden die Ehrenamtlichen ständig weniger, „dank“ DVD auch die Zuschauer. Beinahe hätten die Filmfreunde im letzten Jahr den Laden dicht gemacht. Jetzt soll das Angebot halbiert werden: nur noch ein Filmabend an der Uni statt zwei. Auch damit verlöre die Ruhr-Universität ein gutes Stück ihrer Kultur und Tradition, im nächsten Jahr wird auch der SKF seinen 40. Geburtstag feiern.
Erfreulich ist, dass sich das Rektorat schon mit dem Thema befasst hat (s. S. 2), auch wenn es bislang ausschließlich „punktuelle“ und noch keine „flächendeckenden“ Lösungen angedacht hat. Aber vielleicht reichen ja auch viele kleine Punkte aus, um die soziokulturelle Vielfalt auf dem Campus zu erhalten. Ansonsten bliebe noch die Hoffnung, dass viele Studierende die nicht in Geld zu messenden Vorteile des Ehrenamts erkennen: Man kann sich und etwas ausprobieren, frei von fast allen Zwängen, man übernimmt Verantwortung, lernt Leute und die Uni kennen – und man hat viel Spaß.



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Letzte Änderung: 30.11.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik