Editorial
Ehrenamt
Am 22. November hat das NRW-Kabinett den Entwurf des
Studienbeitragsgesetzes beschlossen. Eine wesentlicher
Wunsch der Studierenden wird darin umgesetzt: Von Studiengebühren
ausgenommen sind auch diejenigen Studierenden, die sich
in Fachschaften engagieren; bislang war die Ausnahme
auf Tätigkeiten bei Organen der Hochschule, beim
Asta und bei den Studentenwerken beschränkt.
Das ist positives Signal, doch dem Bochumer Campusradio
wird es genauso wenig helfen wie dem Studienkreis Film
oder dem Hochschulsport. Zur Erinnerung: Mit seinem
Campusradio schmückt sich die Ruhr-Universität
gerne – und das mit gutem Recht. Immerhin ging
CT das Radio (damals noch als Radio c.t.) im Herbst
1997 als erstes Campusradio in Deutschland mit einer
eigenen Frequenz auf Sendung. Es diente danach als Modell
für viele andere Campusradios in Deutschland.
Doch CT kann nur funktionieren, wenn sich Studierende
finden, die ehrenamtlich für das Radio arbeiten,
denn ein Honorar wird nicht gezahlt. Doch es locken
nicht nur Moderatorenposten, sondern auch Jobs hinter
den Kulissen. Ein Sender muss organisiert werden, bei
CT erledigt das der Trägerverein. Die Arbeit hier
kann bisweilen sehr zeitaufwändig sein, und genau
hier beginnt das Problem: Je mehr man sich als Student
auf ein Ehrenamt einlässt, desto weniger Zeit bleibt
fürs Studium oder fürs Geldverdienen.
Insbesondere das Bachelorstudium kostet viel Zeit. Wer
auf BA studiert, muss im Seminar sitzen, sonst gibt’s
keine Kreditpunkte. Außerdem wimmelt es nur so
von Pflichtveranstaltungen, fast wie in der Schule.
In der Tat lässt das ehrenamtliche Engagement bei
CT seit Einführung der gestuften Studiengänge
spürbar nach. Noch schlimmer könnte es kommen,
wenn demnächst die Studierenden Gebühren zahlen
müssen und erst recht auf Nebenjobs angewiesen
sind. Fürs Ehrenamt bliebe womöglich gar keine
Zeit mehr.
Auch beim Studienkreis Film werden die Ehrenamtlichen
ständig weniger, „dank“ DVD auch die
Zuschauer. Beinahe hätten die Filmfreunde im letzten
Jahr den Laden dicht gemacht. Jetzt soll das Angebot
halbiert werden: nur noch ein Filmabend an der Uni statt
zwei. Auch damit verlöre die Ruhr-Universität
ein gutes Stück ihrer Kultur und Tradition, im
nächsten Jahr wird auch der SKF seinen 40. Geburtstag
feiern.
Erfreulich ist, dass sich das Rektorat schon mit dem
Thema befasst hat (s. S. 2), auch wenn es bislang ausschließlich
„punktuelle“ und noch keine „flächendeckenden“
Lösungen angedacht hat. Aber vielleicht reichen
ja auch viele kleine Punkte aus, um die soziokulturelle
Vielfalt auf dem Campus zu erhalten. Ansonsten bliebe
noch die Hoffnung, dass viele Studierende die nicht
in Geld zu messenden Vorteile des Ehrenamts erkennen:
Man kann sich und etwas ausprobieren, frei von fast
allen Zwängen, man übernimmt Verantwortung,
lernt Leute und die Uni kennen – und man hat viel
Spaß.
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