Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 101
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 101 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 101

1. November 2005


Im Flüchtlingslager


Bochumer Arzt half vier Wochen lang in der Bürgerkriegsregion Darfur



Dr. Alfred Klassen, Assistenzarzt zur Weiterbildung Unfallchirurgie im Bergmannsheil, hat vier Wochen für die Hilfsorganisation humedica im Sudan verbracht. Seine Erfahrungen hat der aus Paraguay stammende Mediziner für RUBENS festgehalten.


Es ist nicht Abu el Mot, der „Vater des Todes“, der mit seiner Sklavenkarawane auf Karl Mays Pfaden durch die Sahelzone zieht, es sind Janjaweed, die arabischen Reitermilizen, die uns begegnen. Die Ähnlichkeiten sind wohl nicht beabsichtigt, aber erkennbar: Kamele, Reiter mit teilweise vermummten Gesichtern, gute Waffen. Es fehlen nur die Sklaven. Vielleicht leben sie auch nicht mehr oder sind rechtzeitig geflohen, mitten in ihrem eigenen Land: Internal Displaced People (IDP).
Es gibt eine lange Vorgeschichte zu dieser Krise in Darfur. Seit März 2003 nimmt die Gewalt allerdings deutlich zu. Arabische Nomadenstämme greifen immer wieder die lokalen Furdörfer an, plündern die Vorräte und jagen die Leute weg. Mittlerweile hat sich fast jede noch bestehende Dorfgemeinschaft eigene Waffen besorgt und man kann die Stadt Nyala nur auf dem Luftweg sicher erreichen. Es sind etwa 1,7 Mio. Leute auf der Flucht, jeweils zu einem Drittel im Nachbarland Tschad, in von der UNO organisierten Flüchtlingslagern oder bei entfernten Verwandten in den Städten untergekommen.

Ohne Heimat und Zukunft

Mit der kleinen christlich geprägten Organisation humedica (Kauffbeuren) versorgen wir im Flüchtlingslager Al Sereif etwa 10.000 Flüchtlinge. Seit August 2004 wechseln sich die Teams im Vier-Wochen-Rhythmus ab, u. a. auch mit meinem Kollegen Dr. Rolf Sobottke aus dem Bergmannsheil. Nur der Koordinator vor Ort bleibt länger.
Al Sereif gehört zu den besseren Lagern. Es wurden ein paar Hundert Latrinen gebaut, die Wasserversorgung sichergestellt, jeden Sonntag Grundnahrungsmittel verteilt. Jede Großfamilie hat ein Zelt. Im Lager gibt es eine von humedica gebaute Schule (Holzgerüst, Strohmatten für Wände und Dach, fertig) mit 1.300 Schülern, einen Kindergarten für 200 Kinder und eine Klinik für die medizinische Grundversorgung, wo wir je nach Wochentag zwischen 150 und 300 Patienten sehen.
Die Medikamente werden uns durch die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verfügung gestellt. Die Klinik selbst hat drei – leider nicht ganz sanddichte – Behandlungsräume. Zwei Krankenschwestern versorgen die Wunden und die Hautkrankheiten und wir zwei Ärzte sehen die übrigen Patienten. Es gibt natürlich die üblichen Parasitosen, Anaemien und triefenden Nasen, Augenentzündungen oder Verletzungen. Am häufigsten sind jedoch Kopf- und Kreuzschmerzen, brennende Füße, unbestimmte Schwindelgefühle. Diese hohe Quote an Bagatellbeschwerden und psychosomatischen Leiden entspricht den weltweit allgemeinen Statistiken für Internal Displaced People: verlorene Heimat, miserable Gegenwart, keine Zukunft.

Ein paar Flugstunden von Bochum

Es ist ein Pilotprojekt, diese Reise in den Sudan. Kann ich mir vorstellen, das wieder zu machen? – Ja und Nein: Ganz sicher rückt es meine Welt wieder irgendwie ins richtige Lot. Das Bewusstsein von Leid, Not und Armut nur ein paar Flugstunden von Bochum entfernt ist greifbarer, fühlbarer geworden. Auf der anderen Seite ist natürlich Nachhaltigkeit gefragt, obwohl ich es immer wieder erstaunlich finde, dass das so wichtig sein soll. Schon in Mosambik, wo ich von 2000 bis 2003 als Missionsarzt tätig war, musste ich mir solche Fragen gefallen lassen, selbst wenn ich eine Notoperation machte, um z.B. eine während der Wehen zerrissene Gebärmutter zu entfernen. Immerhin blieben die meisten Frauen dabei am Leben.
Als Christ denke ich manchmal an den unpopulären Vers aus dem Jakobusbrief: „Wer da weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde“. Ich habe Gott dort wieder neu kennen gelernt, u. a. auch deshalb, weil ich mehr auf ihn angewiesen war. Wir haben es sehr wohl in der Hand, die Welt um uns herum zu verändern, nicht nur in Afrika.

Dr. (Py) Alfred Klassen
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 31.10.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik