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RUBENS 101

1. November 2005


„Schwarz" studiert „Rot“

Auszüge eines Interviews mit Ex-Sowi-Student Dr. Norbert Lammert



Unter der Rubrik „Was aus ihnen geworden ist“ stellt Alumni – das Netzwerk für Ehemalige der Ruhr-Uni – Absolventinnen und Absolventen vor, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen: in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Sport und Kultur. Einige von ihnen hat das Alumni-Team zu ihren Erlebnissen und Erfahrungen während des Studiums interviewt. Als Appetithappen drucken wir Auszüge des Interviews mit dem neuen Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert ab, das Dr. Britta Freis führte; den kompletten Text sowie weitere Gespräche gibt es unter www.rub.de/careerservice/alumni/erinnerungen.html.


Freis: 1969 haben Sie bei uns angefangen zu studieren, als einer der ersten an der Ruhr-Uni.
Lammert: Ein paar andere waren schon da, als ich anfing.

Freis: Gab es damals Überlegungen, nicht in Bochum zu studieren?
Lammert: Nein. Ich bin Bochumer und hatte die typischen Probleme wie die Suche nach einer Bude etc. nicht. Zweitens gab es damals, wenn man Sozialwissenschaften studieren wollte, nur zwei Möglichkeiten: Bochum oder Konstanz. Damals waren diese beiden Neugründungen die einzigen Universitäten, die ein integriertes sozialwissenschaftliches Studium anboten. Darauf kam es mir an.

Freis: Gibt es eine nette Anekdote, die Ihnen einfällt, wenn Sie an Ihr Studium zurückdenken?
Lammert: Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre war Sozialwissenschaft das Theologiestudium der 68er-Bewegung. Dass ich als „Schwarzer“ freiwillig etwas „Rotes“ studierte, galt als objektives Kuriosum und subjektive Verirrung. Später, vor der Wahl in den Bundestag, wurde oft spekuliert, wo ich politisch einzuordnen sei. Ich hatte einen Vollbart, der das Klischee des Sozialwissenschaftlers hinreichend bediente …

Freis: Auch lange Haare?
Lammert: Meine sind früh ausgefallen, da war nicht viel zu machen.

Freis: Gibt es noch etwas, das sie aus Ihrer Studienzeit besitzen?
Lammert: Ich habe noch den Plastikausweis der ersten Generation von Studenten der Ruhr-Uni…

Freis: Plastikausweis?
Lammert: Den kennen Sie wahrscheinlich gar nicht mehr! Angeblich waren das damals die ersten computerlesbaren Ausweise. Diese Lochkarten-Ausweise hatten ein Format, für das man fast eine eigene Aktentasche brauchte, und dann wurde auf dieses Gerät in jedem Semester eine neue Marke geklebt.

Freis: Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Ihrem Studium und Ihrem Beruf?
Lammert: Jedenfalls hat die Beschäftigung mit Geschichte, Staatsrecht, Sozialökonomie und (der damals wie heute unbeliebten) Statistik der praktischen politischen Arbeit nicht geschadet. Sozialwissenschaftler haben, was ich ausdrücklich nicht exklusiv meine, eine mindestens ebenso geeignete Ausbildung wie Juristen für die damit verbundenen Aufgabenfelder.

Freis: Würden Sie heute noch mal Sowi studieren?
Lammert: Ja! Es gibt wenige Studiengänge, in denen eine solche Bandbreite von Themen und Orientierungen ermöglicht wird.

Freis: Apropos Orientierung: Haben Sie lange gebraucht, um sich hier zurecht zu finden, beispielsweise beim Geschosssystem?
Lammert: Haben Sie schon jemanden gefunden, der das Geschosssystem durchschaut hat?

Freis: Ich verlaufe mich immer noch! Das heißt, Sie haben sich, wie alle, auch verlaufen?
Lammert: In meiner Studienzeit hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass es eine ganze Reihe von Räumen gibt, die bis heute nicht gefunden worden sind.

Biografie Lammert
Norbert Lammert studierte von 1969 bis 1972 an der Ruhr-Uni und in Oxford Politikwissenschaft, Soziologie, Neuere Geschichte und Sozialökonomie. 1975 wurde er in Bochum promoviert. Seit 1980 gehört er dem Deutschen Bundestag an. Von 1989 bis 1998 war Norbert Lammert Parlamentarischer Staatssekretär in verschiedenen Bundesministerien. Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages, seit Oktober 2005 ist er Bundestagspräsident. Lammert ist zudem Mitglied des Kuratoriums der RUB.





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Letzte Änderung: 31.10.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik