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RUBENS 100

1. Oktober 2005

Mut zur Lücke

Beobachtet


Mit den Zahlen ist es so eine Sache, dazu hat jeder seine eigene Theorie. Zum Beispiel Mathematiker: Unlängst hat der Bochumer Professor Lothar Gerritzen vorgeschlagen, die deutsche Zahlensprechweise dem internationalen System anzugleichen. Fast überall in der Welt ist es üblich, „Zwanzigeins“ zu sagen und nicht „Einundzwanzig“. Schließlich schreiben wir zuerst die „2“ und dann die „1“ – und sprechen folglich falsch herum. Gerritzen führt gar die schlechten Rechenergebnisse deutscher Schüler bei den Pisa-Studien auf dieses Falschherumsprechen zurück. Er gründete den Verein „Zwanzigeins e.V.“, der die unverdrehte Zahlensprechweise durchsetzen soll. Neu ist das allerdings nicht, vergleichbare Initiativen existierten in Deutschland nachweislich bereits anno 1900 und 1953.
Auch Fußballer haben ein ganz eigenes Verhältnis zu Zahlen. Legendär ist die Aussage von Fritz Walter (dem Jüngeren), zusammen mit Jürgen Klinsmann „ein tolles Trio“ zu bilden. Noch aktueller ist der durch die „deutsche Torwartfrage“ ausgelöste Zahlensalat, in dem Jens Lehmann so lange herumstocherte, bis er die Nummer „9“ für sein Trikot herausfischte. Eine Zahl, die eigentlich dem Mittelstürmer und nicht dem Torhüter gebührt. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch weite Teile des Landes. Doch sind ungewöhnliche Rückennummern für Torleute keine Weltneuheit. Bei der Fußball-WM 1978 trug der argentinische Torwart Fillol die „5“, weil die Nummern anhand der Nachnamen vergeben wurden. Ardiles dribbelte und grätschte deshalb mit der „1“ durchs Mittelfeld – erfolgreich, denn Argentinien wurde Weltmeister.
In der vielfach nachgewiesenen Schnittmenge aus Fußball, Aberglaube und Hotelgewerbe steht und fällt die Zahl „13“. Kicker wie Gerd Müller oder Michael Ballack trugen bzw. tragen sie aus Aberglauben auf dem Rücken, um das Glück magisch anzuziehen. Hotelbesitzer und andere Abergläubische möchten – aus Angst vor Unglücken – am liebsten auf die „13“ verzichten. In zahlreichen Hotels (und anderen Hochhäusern) fehlt deshalb der 13. Stock.
Der Verwaltung der Ruhr-Uni möchte man keinen Aberglauben unterstellen und auch keine Zählkünste à la Fritz Walter (dem Jüngeren). Auffällig am zurzeit gültigen Organisationsplan der Ruhr-Uni ist jedoch, dass bei den sorgfältig aneinander gereihten Dezernaten das „Dezernat 2“ fehlt, stattdessen folgt aufs „Dezernat 1“ direkt das „Dezernat 3“. Natürlich wurde das „Dezernat 2“ nicht etwa vergessen, sondern aufgelöst. Man könnte sich allerdings fragen, warum die Lücke nicht einfach geschlossen wird, indem man aus dem „Dezernat 3“ das „Dezernat 2“ macht und aus „4“ die „3“ usw. – natürlich unter Beibehaltung der bisherigen Aufgaben.
Vielleicht lohnt hier ein weiterer Rückgriff auf den Fußball: Womöglich hält es die Verwaltung der Ruhr-Uni wie der argentinische Fußballverband. Nach dem Abtritt von Diego Maradona wollte er die Rückennummer „10“ in der eigenen Nationalelf nicht mehr vergeben (was der Weltfußballverband nicht erlaubte), weil nie wieder ein „Zehner“ so gut spielen würde wie Maradona.
Möglicherweise ist die Erklärung fürs Nichtschließen der Lücke aber auch ganz simpel. Auch früher war der Organisationsplan der Verwaltung nicht vollkommen: So hatte er eine Zeitlang kein „Dezernat 6“ ausgewiesen. Das administrative Leben lief damals dennoch weiter, und die Verwaltung hatte nebenbei – ganz unmathematisch – ihren Mut zur Lücke bewiesen.

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Letzte Änderung: 30.09.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik