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RUBENS 100

1. Oktober 2005

Doppelte Qualifizierung

Im Oktober startet in Bochum der Master-Studiengang „Gender Studies“


Ab diesem Wintersemester gibt es an der Ruhr-Uni den neuen Studiengang „Gender Studies – Kultur, Kommunikation, Gesellschaft“. Er ist als Teil eines Zweifach-Masterstudiums konzipiert. Zum ersten Jahrgang gehören 25 Studierende. Meike Jotzo sprach mit der Geschäftsführenden Direktorin des Studiengangs Dr. Cilja Harders (Juniorprofessorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung).

RUBENS: Der erste Jahrgang steht in den Startlöchern. Freuen Sie sich auf den Anfang?
Dr. Harders: Ja, na klar! Das ist für uns ein großer, ein ganz besonderer Moment, wenn wir die ersten 25 Studierenden hier begrüßen dürfen.

RUBENS: Was ist das Lernziel der Studierenden?
Dr. Harders: Sie sollen theoriegeleitet – aber auch mit Bezug auf die Praxis – die Funktion und Bedeutung der Geschlechterverhältnisse verstehen, und zwar auf ganz unterschiedlichen Ebenen: für das Individuum, die Gesellschaft, das politische System, das Mediensystem, die Geschichte oder die Kunstgeschichte. Ziel ist, zu lernen, wie man die Geschlechterverhältnisse beschreiben, verstehen und analysieren kann. Die Studierenden sollen lernen, inwiefern Gender das alltägliche Leben beeinflusst und welche Folgen das hat.

Basismodul

RUBENS: Welche beruflichen Möglichkeiten haben die Absolventen?
Dr. Harders: Wir glauben, dass der Studiengang breite berufliche Möglichkeiten bietet. Durch den Zwei-Fach-Master erlangen die Studierenden einerseits eine Querschnittskompetenz durch die Gender Studies, andererseits vertiefen sie ein weiteres Fach – wie Geschichte, Politikwissenschaften oder Medienwissenschaften. Wir hoffen, dass sich dadurch ein vielfältiges Spektrum erschließt. Ein klassisches Beispiel ist natürlich Gleichstellungspolitik in der Verwaltung oder auch politische Bildung. Die Absolventen können aber auch in Museen oder im künstlerischen Bereich arbeiten. Wir haben mit den Personalabteilungen von einigen großen Unternehmen gesprochen: Die könnten sich unsere Studenten und Studentinnen zum Beispiel gut auf Ebene der Personalabteilungen vorstellen, diese Kompetenzen interessieren sie. In der Entwicklungspolitik zu arbeiten ohne Gender-Aspekte mit einzubeziehen ist heute fast nicht mehr möglich. Die Idee des Studiengangs ist die doppelte Qualifizierung: dass man einerseits mit der Gender-Kompetenz noch etwas einbringt, was andere nicht haben, verbunden etwa mit einem starken medienwissenschaftlichen Profil.

RUBENS: Was war Ihnen bei der Planung des Studienganges besonders wichtig?
Dr. Harders: Wichtig ist, grundlegende Fragen, Begriffe, Theorien und Konzepte der Gender Studies zu vermitteln. Das schaffen wir über ein Basismodul, danach gibt es drei interdisziplinär verknüpfte Module zu den Bereichen „Kultur – Kommunikation – Gesellschaft“. Das Attraktive an unserem Angebot ist, dass es so viele Fächer verbindet. In Hamburg gibt es einen Masterstudiengang namens „Gender und Arbeit“. Der ist sehr viel zugeschnittener. Da gibt es ein klares soziologisches, ökonomisches Profil, Arbeit steht im Mittelpunkt. Uns dagegen war wichtig, dass wir verschiedene Aspekte einbringen. Zudem soll das Studium mit aktuellen Diskussionen verknüpft sein. Es soll auf dem Stand der aktuellen und internationalen Forschung sein. Da ist das Lehrangebot der Marie-Jahoda-Gastprofessorinnen, das in den Studiengang integriert ist, natürlich besonders wichtig.

RUBENS: Welche Theorien werden im Basismodul vermittelt?
Dr. Harders: Zentral sind Theorien zum Geschlechterverhältnis: Was ist das Geschlechterverhältnis? Was bedeutet Gender? Wie wird das in geistes- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen diskutiert? Das kann man nämlich biologisch, sozial oder kulturell untersuchen und sich auf ganz verschiedenen Ebenen vorstellen. Diese ganzen grundlegenden Ansätze werden im Basismodul diskutiert. Dazu gehören auch die Geschichte der Geschlechterforschung, Wissenschaftstheorien und die unterschiedlichen Methoden, die in den Gender Studies angewendet werden.

Beitrag zum Profil

RUBENS: Gibt es Extra-Seminare für die Studierenden der Gender Studies?
Dr. Harders: Ja, aber momentan ist das nur unser Kolloquium. Das Basismodul richtet sich besonders an den neuen Studiengang, ist aber auch in begrenztem Umfang geöffnet für Studierende aus den Fakultäten der jeweiligen Lehrenden. Wir integrieren die Angebote der Kernprofessuren, die immer auch für Studierende der jeweiligen Fakultäten offen sind. Und wir integrieren die Angebote vieler anderer Kollegen und Kolleginnen aus anderen Fächern. Es gibt also keine Extra-Seminare.

RUBENS: Inwiefern leistet der neue Studiengang einen Beitrag zum Profil der Ruhr-Uni?
Dr. Harders: Wir sind der einzige Zwei-Fach-Master, den es zu Gender Studies gibt. Es gibt Gender Studies als Aufbaustudiengang, es gibt den Ein-Fach-Master in Hamburg und es gibt das Magisterstudium. Wir bieten ein modularisiertes Studium in der MA-Phase. Die Ruhr-Uni gehört zu den wenigen Unis in der Bundesrepublik, die ziemlich viele Professuren mit einer Gender-Denomination haben. Jetzt haben wir endlich auch ein Studienangebot, das diese Kompetenzen bündelt.



Meike Jotzo
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Letzte Änderung: 30.09.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik