Doppelte Qualifizierung
Im Oktober
startet in Bochum der Master-Studiengang „Gender
Studies“
Ab diesem Wintersemester gibt es an der Ruhr-Uni
den neuen Studiengang „Gender Studies – Kultur,
Kommunikation, Gesellschaft“. Er ist als Teil eines
Zweifach-Masterstudiums konzipiert. Zum ersten Jahrgang
gehören 25 Studierende. Meike Jotzo sprach mit der
Geschäftsführenden Direktorin des Studiengangs
Dr. Cilja Harders (Juniorprofessorin für Politikwissenschaft
und Geschlechterforschung).
RUBENS: Der erste Jahrgang steht in den Startlöchern.
Freuen Sie sich auf den Anfang?
Dr. Harders: Ja, na klar! Das ist für uns ein großer,
ein ganz besonderer Moment, wenn wir die ersten 25 Studierenden
hier begrüßen dürfen.
RUBENS: Was ist das Lernziel der Studierenden?
Dr. Harders: Sie sollen theoriegeleitet – aber auch
mit Bezug auf die Praxis – die Funktion und Bedeutung
der Geschlechterverhältnisse verstehen, und zwar
auf ganz unterschiedlichen Ebenen: für das Individuum,
die Gesellschaft, das politische System, das Mediensystem,
die Geschichte oder die Kunstgeschichte. Ziel ist, zu
lernen, wie man die Geschlechterverhältnisse beschreiben,
verstehen und analysieren kann. Die Studierenden sollen
lernen, inwiefern Gender das alltägliche Leben beeinflusst
und welche Folgen das hat.
Basismodul
RUBENS: Welche beruflichen Möglichkeiten haben
die Absolventen?
Dr. Harders: Wir glauben, dass der Studiengang breite
berufliche Möglichkeiten bietet. Durch den Zwei-Fach-Master
erlangen die Studierenden einerseits eine Querschnittskompetenz
durch die Gender Studies, andererseits vertiefen sie
ein weiteres Fach – wie Geschichte, Politikwissenschaften
oder Medienwissenschaften. Wir hoffen, dass sich dadurch
ein vielfältiges Spektrum erschließt. Ein
klassisches Beispiel ist natürlich Gleichstellungspolitik
in der Verwaltung oder auch politische Bildung. Die
Absolventen können aber auch in Museen oder im
künstlerischen Bereich arbeiten. Wir haben mit
den Personalabteilungen von einigen großen Unternehmen
gesprochen: Die könnten sich unsere Studenten und
Studentinnen zum Beispiel gut auf Ebene der Personalabteilungen
vorstellen, diese Kompetenzen interessieren sie. In
der Entwicklungspolitik zu arbeiten ohne Gender-Aspekte
mit einzubeziehen ist heute fast nicht mehr möglich.
Die Idee des Studiengangs ist die doppelte Qualifizierung:
dass man einerseits mit der Gender-Kompetenz noch etwas
einbringt, was andere nicht haben, verbunden etwa mit
einem starken medienwissenschaftlichen Profil.
RUBENS: Was war Ihnen bei der Planung des Studienganges
besonders wichtig?
Dr. Harders: Wichtig ist, grundlegende Fragen, Begriffe,
Theorien und Konzepte der Gender Studies zu vermitteln.
Das schaffen wir über ein Basismodul, danach gibt
es drei interdisziplinär verknüpfte Module
zu den Bereichen „Kultur – Kommunikation
– Gesellschaft“. Das Attraktive an unserem
Angebot ist, dass es so viele Fächer verbindet.
In Hamburg gibt es einen Masterstudiengang namens „Gender
und Arbeit“. Der ist sehr viel zugeschnittener.
Da gibt es ein klares soziologisches, ökonomisches
Profil, Arbeit steht im Mittelpunkt. Uns dagegen war
wichtig, dass wir verschiedene Aspekte einbringen. Zudem
soll das Studium mit aktuellen Diskussionen verknüpft
sein. Es soll auf dem Stand der aktuellen und internationalen
Forschung sein. Da ist das Lehrangebot der Marie-Jahoda-Gastprofessorinnen,
das in den Studiengang integriert ist, natürlich
besonders wichtig.
RUBENS: Welche Theorien werden im Basismodul vermittelt?
Dr. Harders: Zentral sind Theorien zum Geschlechterverhältnis:
Was ist das Geschlechterverhältnis? Was bedeutet
Gender? Wie wird das in geistes- und sozialwissenschaftlichen
Ansätzen diskutiert? Das kann man nämlich
biologisch, sozial oder kulturell untersuchen und sich
auf ganz verschiedenen Ebenen vorstellen. Diese ganzen
grundlegenden Ansätze werden im Basismodul diskutiert.
Dazu gehören auch die Geschichte der Geschlechterforschung,
Wissenschaftstheorien und die unterschiedlichen Methoden,
die in den Gender Studies angewendet werden.
Beitrag zum Profil
RUBENS: Gibt es Extra-Seminare für die Studierenden
der Gender Studies?
Dr. Harders: Ja, aber momentan ist das nur unser Kolloquium.
Das Basismodul richtet sich besonders an den neuen Studiengang,
ist aber auch in begrenztem Umfang geöffnet für
Studierende aus den Fakultäten der jeweiligen Lehrenden.
Wir integrieren die Angebote der Kernprofessuren, die
immer auch für Studierende der jeweiligen Fakultäten
offen sind. Und wir integrieren die Angebote vieler
anderer Kollegen und Kolleginnen aus anderen Fächern.
Es gibt also keine Extra-Seminare.
RUBENS: Inwiefern leistet der neue Studiengang einen
Beitrag zum Profil der Ruhr-Uni?
Dr. Harders: Wir sind der einzige Zwei-Fach-Master,
den es zu Gender Studies gibt. Es gibt Gender Studies
als Aufbaustudiengang, es gibt den Ein-Fach-Master in
Hamburg und es gibt das Magisterstudium. Wir bieten
ein modularisiertes Studium in der MA-Phase. Die Ruhr-Uni
gehört zu den wenigen Unis in der Bundesrepublik,
die ziemlich viele Professuren mit einer Gender-Denomination
haben. Jetzt haben wir endlich auch ein Studienangebot,
das diese Kompetenzen bündelt.
Meike
Jotzo
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