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RUBENS 100

1. Oktober 2005

Beginn einer Ära

40 Jahre Pressearbeit und Marketing – ein Rück- und Ausblick


In diesem Monat wird die Pressestelle 40 Jahre alt – nichts Besonderes könnten manche meinen, schließlich ist auch die RUB gerade 40 geworden. Doch als im Oktober 1965, einen Monat vor dem ersten Vorlesungsbetrieb, der dpa-Journalist Heinz-Arthur Lensky seinen Job als erster Pressesprecher der RUB aufnahm, begann eine neue Ära: Lensky war der erste Pressesprecher einer deutschen Universität, der ausschließlich für diese Aufgabe eingestellt worden war. In den alten Unis waren es bis die 70er-Jahre hinein die persönlichen Referenten der Rektoren, die nebenbei, ohne fachliche Kenntnisse und meist mit geringem Interesse Auskünfte an die Presse mehr verweigerten als gaben. Daher gilt die Pressestelle der RUB seither als die älteste in der deutschen Hochschullandschaft.
Vieles hat sich seitdem getan. Als Anfang bzw. Mitte der 70er-Jahre altehrwürdige Hochschulen Pressestellen einrichteten, taten sie es unter anderen Vorzeichen als Bochum. Sie gründeten sie, um aus der Legitimationskrise nach den Studentenunruhen herauszukommen. Die RUB betrieb aber von Anfang an professionell Presse- und bereits auch Öffentlichkeitsarbeit. Das war auch nötig, musste sie sich doch erst im Konzert der etablierten Universitäten einen Namen machen. Lensky hat nicht nur mit hoher Kompetenz die Pressestelle aufgebaut und fachkundig Pressearbeit geleistet, er hat auch früh die Notwendigkeit erkannt, die RUB den Menschen in der noch bildungsfernen Region Ruhrgebiet nahe zu bringen. Er hat wöchentlich Journalistenrunden veranstaltet und Monat für Monat Tausende Besucher durch die Labyrinthe der damals größten Baustelle Europas geführt.

Unerfüllte Ausstattungsempfehlungen

Im Laufe der 70er machten sich Forschungsskepsis einerseits, Vermassung der Unis andererseits breit – verbunden mit der allgemeinen Klage eines Niveauverlustes. In den 80er-Jahren wurde die Ansehenskrise der Hochschulen durch erste Anzeichen von Hochschulwettbewerb infolge knapper Finanzen verstärkt. Damit wurden an die Arbeit der Pressestellen höhere Anforderungen herangetragen. Anforderungen, für die sie nicht ausgestattet waren – die Ausstattungsempfehlungen der Westdeutschen Rektorenkonferenz von 1971 sind mancherorts noch bis heute nicht erfüllt.
Die Pressestellen reagierten auf den zunehmenden Druck zunächst mit der Gründung von Interessenvertretungen – es entstand die Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressestellen und ihr europäisches Pendant, die EUPRIO, sowie der Verein Pro Wissenschaft e.V. In den 90er-Jahren verstärkten sich der Modernisierungsdruck und die Finanznot an den Hochschulen; die Pressestellen reagierten mit Professionalisierung der Hochschul-PR. Workshops, Weiterbildung und Netzwerkbildung kennzeichnen die Treffen der Arbeitsgemeinschaft seitdem – zugleich stellten die Hochschulen zunehmend PR-Fachleute anstatt Journalisten ein, parallel entstanden entsprechende Studiengänge in Deutschland.
Die Pressestelle der RUB hat meist an der vordersten Front mitgewirkt und den Prozess mitgestaltet. Als Meilensteine zu nennen sind der 1995 von ihr zusammen mit der Uni Bayreuth und der TU Clausthal gegründete Informationsdienst Wissenschaft sowie der 1998 zusammen mit der Uni Kassel gegründete Arbeitskreis Evaluation von Hochschul-PR – zwei erfolgreich arbeitende Institutionen.
Natürlich blickte das Team der Bochumer Pressestelle vornehmlich nach innen: Es hat sich stets als Dienstleister für die Wissenschaftler und andere Zielgruppen der RUB verstanden. Ziel der Arbeit war immer, durch Information die Identifikation mit der RUB zu begründen. Die Pressestelle sorgt dafür, dass die Mitglieder der Hochschule erfahren, was hier vor sich geht; sie stellt zudem verschiedenen Öffentlichkeiten die Ergebnisse der Arbeit aus Forschung und Lehre an der RUB bereit. Mit der Verstärkung des Teams in den 90er-Jahren entstanden neue Medien: das Wissenschaftsmagazin RUBIN (1991) oder RUBENS (1994). Seit 2002 informieren wir intensiv über die Homepage der RUB. Journalisten sprechen der Bochumer Pressestelle eine hohe Kompetenz zu, wie zuletzt eine Umfrage des prmagazins (8/2005) bestätigt hat.
Einen Meilenstein setzte die Pressestelle Anfang der 90er-Jahre: Zusammen mit dem Lehrstuhl für Dienstleistungsmarketing führte sie ein vom damaligen Bundeswissenschaftsministerium (und später vom Rektorat der Ruhr-Uni) finanziertes Projekt durch, das erstmals in Deutschland die Begriffe „Wissenschafts- und Hochschulmarketing“ in die Debatte einbrachte. Noch heute gilt in der Fachwelt die daraus hervorgegangene Dissertation von Thomas Nietiedt als Vorbild.

Marketing an der Ruhr-Uni

Das Projekt konnte damals Marketing nur auf die Kommunikationsbeziehungen der Hochschule mit ihren Zielgruppen beschränken und zugleich zeigen, dass Marketing nicht mit Werbung verwechselt werden durfte. Damals war „echtes“ Marketing für Unis kein Thema. Hochschulen waren noch nicht so autonom, dass sie ihre Produkte selbst bestimmen durften (Genehmigungsvorbehalte von Ministerien); Distributionspolitik (keine selbständige Auswahl von Studierenden) oder gar Preispolitik (Studiengebühren) waren kein Thema – all das sind zentrale Aspekte von Marketing.
Heute bricht mit voller Wucht die Ökonomisierung in die Hochschul- und Wissenschaftslandschaft ein – und mit ihr der Begriff „Marketing“. Damit aber tun sich neue Konflikte auf, verstärkt sich möglicherweise die Differenz von Pressearbeit, Hochschul-PR einerseits und Marketing – was immer noch darunter verstanden wird – andererseits. Während Pressearbeit und Public Relations die Legitimation und Imagebildung der Hochschule gemäß ihrer Tradition zum Ziel haben, folgt der Begriff Marketing stärker dem Motto „ohne Moos nichts los“.
Marketing ist zurzeit erneut ein zentrales Thema an der RUB. Die Verwaltung hat ein Projekt gestartet, an dem die Pressestelle beteiligt ist. Es geht u. a. um Corporate Identity, Imagepflege, Selbstdarstellung, aber auch um Werbung, Sponsoring, Merchandising und Fundraising; vordringlich wäre zudem die Markenbildung. Den Hochschulen in den USA mit ihren riesigen Marketingteams von 50 oder mehr Mitarbeitern hinken wir jedoch weiterhin um mehr als 20 Jahre hinterher. Der Modernisierungsdruck nimmt aber in auch Deutschland deutlich an Fahrt zu – Studiengebühren, Studierendenauswahl, Profilbildung – und so könnte uns die Entwicklung früher als uns lieb ist einholen. Dafür müssen wir gewappnet sein.



jk
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Letzte Änderung: 30.09.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik