Exzellenzen
gesucht
Ruhr-Uni bewirbt sich um die Fördermittel von Bund
und Ländern
Die Ruhr-Uni geht in die Vollen: Sie bewirbt
sich für alle drei Förderlinien der Ausschreibung
„Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder
zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an
deutschen Hochschulen“. Ziel der Initiative ist,
deutsche Unis für den internationalen Wettbewerb
zu stärken. Dafür geben Bund und Länder
in den nächsten Jahren bis zu 1,9 Mrd. Euro aus.
Momentan müssen alle interessierten Unis Anträge
stellen, im Oktober 2006 fällt die Entscheidung
über die Vergabe der Mittel.
Die erste der drei Förderlinien betrifft die Graduiertenschulen.
Hochschulen müssen ein Konzept vorweisen, das eine
optimale Doktorandenausbildung für garantiert.
Die Ruhr-Uni hofft, mit ihrem Konzept zur „Ruhr
University Research School“ die dafür vorgesehene
Förderung von 1 Mio. Euro pro Jahr zu bekommen.
Promotionen sollen in Zukunft wesentlich stärker
international ausgerichtet sein, mit Auslandsaufenthalten
und ausländischen Gastdozenten. Die Ruhr-Uni will
zudem ein International Postgraduate Center errichten.
Es soll sich um nichtfachliche Belange von Promovierenden
kümmern und fachübergreifende Methoden und
Kompetenzen vermitteln. Zusammen mit den Research Schools
of Science, of Engineering bzw. of Humanities bildet
das Center die vier Säulen der künftigen Ruhr
University Research School.
Sog. Exzellenzcluster bestimmen die zweite Förderlinie,
diese Cluster werden mit 6,5 Mio. Euro im Jahr unterstützt.
Die Ruhr-Uni hat zwei Konzepte aus den Naturwissenschaften
entwickelt. Beim Cluster „Ionized Matter at extreme
Scales: from Cells to Accelerators“ geht es um
Plasmen, also Gase, die große Anteile freier,
positiv oder negativ geladener Teilchen enthalten. Diesen
„vierten Aggregatzustand“ untersuchen Bochumer
Forscher bereits seit vielen Jahrzehnten in verschiedenen
Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs. Nun
möchten sie neue Anwendungen entwickeln, vor allem
in der Biomedizintechnik. Zusammen mit der Uni Düsseldorf
und dem Forschungszentrum Jülich wollen sie beispielsweise
herausfinden, wie man Haut auch nach schwersten Verbrennungen
wieder heilen kann oder wie man Schichten auftragen
kann, die Mikroorganismen abtöten.
Zukunftskonzept „Research Campus“
Im zweiten Exzellenzcluster der Ruhr-Uni dreht sich
alles um biologische Signalverarbeitung. Das „Department
of Sensory Life Science Ruhr” soll als offene,
themenorientierte Forschungsabteilung organisiert sein.
Proteinforschung, Hirnforschung, Molekularbiologie,
Chemische Biologie und Medizin arbeiten dabei schon
jetzt in Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs
zusammen. Erforscht wird, wie der Körper Sinnesreize
empfängt bzw. verarbeitet, wie Zellen auf innere
Signalstoffe reagieren und wie diese komplizierten Vorgänge
im Einzelnen ablaufen: von der atomaren bis zur körperlichen
Ebene. Auch hier hat die Ruhr-Uni Partner: an der Uni
Dortmund und am Max-Planck-Institut für Molekulare
Physiologie.
Die dritte und letzte Förderlinie zielt auf die
Hochschule als Ganzes ab. Das „Zukunftskonzept“
wird mit 21 Mio. Euro pro Jahr gefördert. Dafür
muss die Hochschule ihre international herausragenden
Bereiche weiterentwickeln, ergänzen und somit zur
Spitzenuniversität werden. Um diese Förderung
bewirbt sich die Ruhr-Uni mit dem Konzept „Research
Campus RUB“. Die interdisziplinär vernetzte
Forschung soll zukünftig in Forschungsabteilungen
(Research Departments) organisiert sein. Sie werden
fachübergreifend strukturiert, beinhalten zeitlich
befristete Forschungsprofessuren, binden Juniorprofessoren
und Gastwissenschaftler ein und arbeiten eng mit den
Research Schools zusammen, um den Nachwuchs zu fördern.
Besondere Forschungsschwerpunkte sind in den Naturwissenschaften
die o. g. Exzellenzcluster und in den Geisteswissenschaften
ein Forschungsschwerpunkt, der die Auswirkungen von
Globalisierungsprozessen auf menschliche Gesellschaften
erforscht. Auch die Ingenieurwissenschaften sind mit
innovativen Konzepten vertreten.
"Sehr gute Chancen"
Über die Chancen der Bewerbung sprach RUBENS mit
dem Prorektor für Forschung und Wissenstransfer
Prof. Jörg Winter.
RUBENS: Wie schätzen Sie die Chancen auf eine
Förderung ein?
Prof. Winter: Sehr gut, weil die Ruhr-Uni in allen drei
Förderlinien sehr innovative Dinge anpackt und
wir ein Alleinstellungsmerkmal haben, das von keiner
anderen Universität in dieser Art reklamiert wird.
Wir wissen allerdings, dass bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft
für die Förderlinien Exzellenzcluster und
Graduiertenschulen je 190 Interessensbekundungen eingegangen
sind. Davon werden in der ersten Bewilligungsrunde 40
Graduiertenschulen und 30 Exzellenzcluster bewilligt.
Man kann an fünf Fingern abzählen, dass die
Chancen zwar nicht schlecht, aber auch nicht garantiert
sind.
RUBENS: Warum hat man sich gerade für diese
Schwerpunkte entschieden?
Prof. Winter: Die Ruhr-Uni unternimmt seit einigen Jahren
sehr intensive Bemühungen, ihr Forschungsprofil
zu schärfen. Das, was heute zu der Exzellenzclusterbewerbung
führt, das sind zwei Bereiche, die sich über
die letzten Jahre als besonders stark herausgestellt
haben. Sie waren in der Lage, über die Bildung
so genannter Centers of Excellence besondere Mittel
des Landes einzuwerben und sind von daher als Schwerpunkte
der Ruhr-Uni seit längerer Zeit ausgewiesen. Es
ist eigentlich nur konsequent, dass wir diese identifizierten
Stärken im Rahmen der Exzellenzinitiative weiter
stärken wollen.
Bei der Ruhr University Research School handelt es sich
um eine Initiative der Fakultäten, wo es darum
geht, ein übergeordnetes Dach über die bereits
vorhandenen Graduiertenkollegs und International Graduate
Schools der Ruhr-Uni anzubieten. Wir wissen, dass wir
uns mit unserem Antrag, der ja ein hochschulübergreifendes
Konzept vorsieht, von vielen anderen Hochschulen abgrenzen,
die eher mit Anträgen zu fachspezifischen Graduiertenschulen
kommen, von denen wir ja schon eine ganze Menge haben.
Und zu guter Letzt veranlasst uns die stolze Bilanz
der Ruhr-Universität – im Bereich zum Beispiel
der Studienreformen oder der Erneuerung von Strukturen
und auch im Vertrauen auf die Exzellenz der Anträge
in den beiden anderen Förderlinien – anzutreten
als Hochschule mit einem Gesamtkonzept zur Förderung
hervorragender Forschungsbedingungen.
Meike
Jotzo
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