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RUBENS 100

1. Oktober 2005

Exzellenzen gesucht


Ruhr-Uni bewirbt sich um die Fördermittel von Bund und Ländern


Die Ruhr-Uni geht in die Vollen: Sie bewirbt sich für alle drei Förderlinien der Ausschreibung „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen“. Ziel der Initiative ist, deutsche Unis für den internationalen Wettbewerb zu stärken. Dafür geben Bund und Länder in den nächsten Jahren bis zu 1,9 Mrd. Euro aus. Momentan müssen alle interessierten Unis Anträge stellen, im Oktober 2006 fällt die Entscheidung über die Vergabe der Mittel.

Die erste der drei Förderlinien betrifft die Graduiertenschulen. Hochschulen müssen ein Konzept vorweisen, das eine optimale Doktorandenausbildung für garantiert. Die Ruhr-Uni hofft, mit ihrem Konzept zur „Ruhr University Research School“ die dafür vorgesehene Förderung von 1 Mio. Euro pro Jahr zu bekommen. Promotionen sollen in Zukunft wesentlich stärker international ausgerichtet sein, mit Auslandsaufenthalten und ausländischen Gastdozenten. Die Ruhr-Uni will zudem ein International Postgraduate Center errichten. Es soll sich um nichtfachliche Belange von Promovierenden kümmern und fachübergreifende Methoden und Kompetenzen vermitteln. Zusammen mit den Research Schools of Science, of Engineering bzw. of Humanities bildet das Center die vier Säulen der künftigen Ruhr University Research School.
Sog. Exzellenzcluster bestimmen die zweite Förderlinie, diese Cluster werden mit 6,5 Mio. Euro im Jahr unterstützt. Die Ruhr-Uni hat zwei Konzepte aus den Naturwissenschaften entwickelt. Beim Cluster „Ionized Matter at extreme Scales: from Cells to Accelerators“ geht es um Plasmen, also Gase, die große Anteile freier, positiv oder negativ geladener Teilchen enthalten. Diesen „vierten Aggregatzustand“ untersuchen Bochumer Forscher bereits seit vielen Jahrzehnten in verschiedenen Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs. Nun möchten sie neue Anwendungen entwickeln, vor allem in der Biomedizintechnik. Zusammen mit der Uni Düsseldorf und dem Forschungszentrum Jülich wollen sie beispielsweise herausfinden, wie man Haut auch nach schwersten Verbrennungen wieder heilen kann oder wie man Schichten auftragen kann, die Mikroorganismen abtöten.

Zukunftskonzept „Research Campus“

Im zweiten Exzellenzcluster der Ruhr-Uni dreht sich alles um biologische Signalverarbeitung. Das „Department of Sensory Life Science Ruhr” soll als offene, themenorientierte Forschungsabteilung organisiert sein. Proteinforschung, Hirnforschung, Molekularbiologie, Chemische Biologie und Medizin arbeiten dabei schon jetzt in Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs zusammen. Erforscht wird, wie der Körper Sinnesreize empfängt bzw. verarbeitet, wie Zellen auf innere Signalstoffe reagieren und wie diese komplizierten Vorgänge im Einzelnen ablaufen: von der atomaren bis zur körperlichen Ebene. Auch hier hat die Ruhr-Uni Partner: an der Uni Dortmund und am Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie.
Die dritte und letzte Förderlinie zielt auf die Hochschule als Ganzes ab. Das „Zukunftskonzept“ wird mit 21 Mio. Euro pro Jahr gefördert. Dafür muss die Hochschule ihre international herausragenden Bereiche weiterentwickeln, ergänzen und somit zur Spitzenuniversität werden. Um diese Förderung bewirbt sich die Ruhr-Uni mit dem Konzept „Research Campus RUB“. Die interdisziplinär vernetzte Forschung soll zukünftig in Forschungsabteilungen (Research Departments) organisiert sein. Sie werden fachübergreifend strukturiert, beinhalten zeitlich befristete Forschungsprofessuren, binden Juniorprofessoren und Gastwissenschaftler ein und arbeiten eng mit den Research Schools zusammen, um den Nachwuchs zu fördern. Besondere Forschungsschwerpunkte sind in den Naturwissenschaften die o. g. Exzellenzcluster und in den Geisteswissenschaften ein Forschungsschwerpunkt, der die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen auf menschliche Gesellschaften erforscht. Auch die Ingenieurwissenschaften sind mit innovativen Konzepten vertreten.

"Sehr gute Chancen"
Über die Chancen der Bewerbung sprach RUBENS mit dem Prorektor für Forschung und Wissenstransfer Prof. Jörg Winter.


RUBENS: Wie schätzen Sie die Chancen auf eine Förderung ein?
Prof. Winter: Sehr gut, weil die Ruhr-Uni in allen drei Förderlinien sehr innovative Dinge anpackt und wir ein Alleinstellungsmerkmal haben, das von keiner anderen Universität in dieser Art reklamiert wird. Wir wissen allerdings, dass bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Förderlinien Exzellenzcluster und Graduiertenschulen je 190 Interessensbekundungen eingegangen sind. Davon werden in der ersten Bewilligungsrunde 40 Graduiertenschulen und 30 Exzellenzcluster bewilligt. Man kann an fünf Fingern abzählen, dass die Chancen zwar nicht schlecht, aber auch nicht garantiert sind.

RUBENS: Warum hat man sich gerade für diese Schwerpunkte entschieden?
Prof. Winter: Die Ruhr-Uni unternimmt seit einigen Jahren sehr intensive Bemühungen, ihr Forschungsprofil zu schärfen. Das, was heute zu der Exzellenzclusterbewerbung führt, das sind zwei Bereiche, die sich über die letzten Jahre als besonders stark herausgestellt haben. Sie waren in der Lage, über die Bildung so genannter Centers of Excellence besondere Mittel des Landes einzuwerben und sind von daher als Schwerpunkte der Ruhr-Uni seit längerer Zeit ausgewiesen. Es ist eigentlich nur konsequent, dass wir diese identifizierten Stärken im Rahmen der Exzellenzinitiative weiter stärken wollen.
Bei der Ruhr University Research School handelt es sich um eine Initiative der Fakultäten, wo es darum geht, ein übergeordnetes Dach über die bereits vorhandenen Graduiertenkollegs und International Graduate Schools der Ruhr-Uni anzubieten. Wir wissen, dass wir uns mit unserem Antrag, der ja ein hochschulübergreifendes Konzept vorsieht, von vielen anderen Hochschulen abgrenzen, die eher mit Anträgen zu fachspezifischen Graduiertenschulen kommen, von denen wir ja schon eine ganze Menge haben.
Und zu guter Letzt veranlasst uns die stolze Bilanz der Ruhr-Universität – im Bereich zum Beispiel der Studienreformen oder der Erneuerung von Strukturen und auch im Vertrauen auf die Exzellenz der Anträge in den beiden anderen Förderlinien – anzutreten als Hochschule mit einem Gesamtkonzept zur Förderung hervorragender Forschungsbedingungen.



Meike Jotzo
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Letzte Änderung: 30.09.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik