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RUBENS 100

1. Oktober 2005

Kriminologie im Kirchenjahrl

Überraschender nächtlicher Besuch im Büro

Es ist wieder mal spät geworden. Das Licht auf den Toiletten wurde gerade abgeschaltet, die Geschäftigkeit des Tages ist einer akademischen Stille gewichen. Die laue Sommernacht strömt zum weit geöffneten Fenster herein und verwöhnt das sonst hitzige Büro mit Frische. Allenfalls mit dem Wachdienst ist um diese Zeit noch zu rechnen. Wer jetzt arbeitet, ist entweder besonders fleißig oder liebt es, den Tag später beginnen zu lassen.
Von Ferne nähert sich, eher unterbewusst wahrgenommen, ein Geräusch. Anscheinend werden Türen geklinkt. Dann wieder Ruhe. Plötzlich steht ein Mann in meinem Büro, die Klinke noch in der Hand. Kurzes gemeinsames Erschrecken, ehe mein „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“ die Situation leicht entspannt. Er antwortet stammelnd, nach Worten suchend, und ich erfasse, dass er etwas abzugeben habe bei einer Frau K., ein Plakat, wegen eines Seminars, vom Rechenzentrum, weil die es wollte, er es bisher vergessen habe und überhaupt.
Den von ihm genannten Namen kenne ich nicht, er ähnelt aber dem einer Mitarbeiterin unserer Fakultät. Als ich ihn erwähne, bejaht der nächtliche Bote eifrig und will ihr die Rolle vor die Tür legen. Das wiederum halte ich für riskant und biete an, das Plakat am nächsten Morgen persönlich zu übergeben. Er zeigt sich einverstanden und ist im nächsten Moment auch schon verschwunden.
Frau K., am nächsten Morgen konfrontiert mit dem Plakat „Kirchenjahr und gesellschaftliches Bewusstsein“, beteuert mit einem „Gott bewahre“ auf den Lippen, schon vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten zu sein. Auch bei einem zweiten Lehrstuhl, der immerhin mal das Kirchenrecht im Namen trug, werde ich das Ding nicht los. Ratlosigkeit. Mülleimer? Aber was, wenn irgendwo jemand dringend das Kirchenjahr erwartet?

Heimlicher Schläfer

Ein Name fällt ins Auge, ganz unten auf dem Plakat. Und tatsächlich, er lässt sich im Telefonbuch der Uni finden. Und wo arbeitet er? Na klar: Bei den Theologen. Ein Anruf, doch weder Sekretärin noch der auf dem Plakat genannte Mitarbeiter erwarten eine solche Lieferung. Ja, vor mehreren Monaten sei das Plakat vom Rechenzentrum hergestellt und übergeben worden, aber aktuell habe man nichts in Auftrag gegeben. Ich schildere die seltsame Begegnung vom Vorabend, der Mann mittleren Alters, Augenkontakt meidend, unsicher, kaum in der Lage, „einen Satz geradeaus“ zu sprechen.
Dann eine plötzliche Eingebung meines Gesprächspartners: Es wohne gelegentlich jemand im GA. „Im GA kann man wohnen?“, frage ich irritiert. Nicht direkt, erwidert der Mitarbeiter, aber es gebe da jemanden, der regelmäßig in den nicht abgeschlossenen Räumen des GA nächtige, sich in den Toilettenräumen wasche und das alles auf eine geheimnisvolle, Spuren verwischende Art. Sogar der Name sei bekannt, zumindest der von ihm einmal spontan preisgegebene. Herr S. also. Auf ihn trifft die Beschreibung haargenau zu.
Dann kommt ein Mosaikstein zum andern: Im Seminarraum hänge nämlich das Plakat vom Kirchenjahr, oder wohl zutreffender: habe gehangen. In der Tat, dessen angestammter Platz ist leer. Nun endlich schließt sich der Kreis: Herr S. bewegt sich des Nachts durch die Gebäude auf der Suche nach offenen Büros. Warum auch immer. Falls doch einmal jemand unerwartet hinter der nicht abgeschlossenen Tür auftaucht, retten das im GA „entliehene“ Plakat und ein beiläufig gemerkter Name von einem Türschild vor peinlicher Erklärungsnot und mindert das Misstrauen gegenüber dem nächtlichen Besucher.
Und die Moral von der Geschicht: Türen lässt man offen nicht. Immerhin, ganz schön clever der Herr S. Nun muss er sich allerdings etwas Neues einfallen lassen. Und das nur, weil er sich zum einen bei der Theologie bediente, die über den Rand akademischen Lebens hinaus ihr Umfeld beobachtet und er zum andern mit dem Kirchenjahr ausgerechnet bei der Kriminologie landen musste, die sozialen Erscheinungen gern mal gründlicher nachgeht. Und nicht zuletzt, weil er ausgerechnet eine offene Tür erwischte, wohinter noch jemand saß, der den Tag später hatte beginnen lassen.



Dr. Holm Putzke
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Letzte Änderung: 30.09.2005| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik