Starker Nachwuchs
Leute
an der RUB
Rufe
Privatdozent Dr. Michael Bernsen (Romanisches
Seminar) hat einen Ruf auf eine Professur für „Vergleichende
Romanische Literaturwissenschaft/Mediävistik“
an der Uni Bonn erhalten.
+++
Prof. Christoph Strohm (Ev.-Theol.
Fakultät) hat gleich zwei Rufe erhalten: einen
an die Uni Bonn („Kirchengeschichte“) und
einen an die Uni Heidelberg („Historische Theologie/Neuzeit“).
+++
Prof. Gereon Wolters (Juristische
Fakultät) hat einen Ruf auf eine Professur für
„Strafrecht und Strafprozessrecht“ an der
Uni Augsburg erhalten.
Ehre
Für seine Pionierarbeit in der nuklearen Astrophysik
wurde Prof. Claus Rolfs (Physik und
Astronomie) von der Uni Catania (Sizilien) zum Ehrendoktor
ernannt.
Nachrufe
Die Ruhr-Uni trauert um Prof. em. Peter Hammann.
Er starb am 25. Juni nach langer Krankheit. Hammann
war Experte für Marketing, blickte jedoch stets
über den Tellerrand hinaus und bezog weitere wirtschaftswissenschaftliche
und wissenschaftstheoretische Perspektiven ein.
Hammann war von 1974-2003 als ordentlicher Professor
und seitdem als Emeritus Mitglied der Fakultät
für Wirtschaftswissenschaft. Sie konnte 30 Jahre
lang auf Hammann zählen, wenn es um Selbstverwaltung
ging. Sein Engagement verdeutlicht die Tatsache, dass
nach seiner Emeritierung zehn Ämter der akademischen
Selbstverwaltung wiederzubesetzen waren: Er war u. a.
Vertreter der Fakultät auf dem „Wirtschafts-
und Sozialwissenschaftlichen Fakultätstag“
und Vorstandsmitglied des Zentrums für interdisziplinäre
Ruhrgebietsforschung. Zudem war er 1980 Dekan der Wirtschaftsfakultät.
Peter Hammann wurde am 2. April 1938 in München
geboren. Bevor er 1974 den Ruf an die Ruhr-Uni annahm,
hatte er eine Professur für Betriebswirtschaftslehre
an der TU Berlin inne. Zuvor hatte er in München
BWL studiert (1959-64) und wurde im Dezember 1965 promoviert.
+++
Am 26. Juli starb Prof. em. Paul Klemmer.
Der Wirtschaftswissenschaftler hatte von 1970-2001 den
Lehrstuhl für Wirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik
an der Ruhr-Uni inne; zudem leitete er von 1989-2002
das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) in Essen.
Nach seiner Berufung an die RUB baute Klemmer den Schwerpunkt
Regionalforschung auf – als angewandte Wirtschaftsforschung.
Überregional bekannt wurde er, indem er flächendeckend
sog. regionale Arbeitsmärkte abgrenzte und damit
neue Diagnose- und Aktionseinheiten der regionalen Strukturpolitik
etablierte. Er konzipierte ein Methodenraster zur Analyse
dieser Einheiten, die Methoden reichen von der einfachen
bis zur multivariaten Statistik (z. B. Faktorenanalyse).
Klemmer beschäftigte sich intensiv mit dem Ruhrgebiet,
insbesondere mit sog. Flexibilitätsbarrieren. Ihn
bewegte die Frage, warum sich dieser Ballungsraum mit
seiner Strukturänderung so schwer tat. Mithilfe
konkreter Forschungsergebnisse war es u. a. sein Verdienst,
dass es zu einer Förderung alter Industriegebiete
im Revier kam. Die Ruhr-Uni machte sich dank Klemmer
im Bereich der Regionalforschung einen Namen. Sein Know-how
auf diesem Gebiet machte ihn zu einem gefragten Experten,
die Zeitschrift Capital bezeichnete ihn als „Papst
der Regionalforschung“.
Paul Klemmer wurde am 30. Dezember 1935 in Freiburg
geboren. 1960 legte er in Freiburg die Diplomprüfung
für Volkswirte ab, 1966 folgte die Promotion, 1970
die Habilitation. Im gleichen Jahr wurde Klemmer an
die Ruhr-Uni berufen.
+++
Am 14. Juni starb Prof. em. Paul Henrich Heckmann.
Er kam 1967 als Kernphysiker nach Bochum und forcierte
das noch junge Gebiet der Beschleuniger-gestützten
Atomphysik. 1973 beschaffte die Ruhr-Uni – auch
auf Heckmanns Initiative und gemeinsam mit den Unis
Münster und Dortmund – einen Dynamitron-Tandem-Beschleuniger
für die Niederenergie-Kernphysik.
Neben Lehre, Diplomanden- und Doktorandenausbildung
im Spezialgebiet unterrichtete Heckmann vor allem Studenten
im Nebenfach Physik. Er vertrat die Fakultät in
vielen Gremien und betreute den Studentenaustausch mit
der Uni Sussex.
Paul H. Heckmann wurde am 15. September 1930 in Duisburg
geboren. Er studierte in München und Göttingen
Physik und wurde 1959 promoviert. 1964 ging er ans Institut
für Reaktorentwicklung der Kernforschungsanlage
Jülich, 1967 an die Ruhr-Uni.
+++
Die Ruhr-Uni trauert um einen Mann, der die erste Hochschule
des Ruhrgebiets mit aus der Taufe gehoben hat: Prof.
em. Hans Faillard starb am 5. August. Der Experte
für Physiologische Chemie war von 1969-72 Rektor
der Ruhr-Uni und von 1973-79 Präsident der Uni
des Saarlandes. Als Mitglied des Gründungsauschusses
der Ruhr-Uni (1964/65) und als Vorsitzender der Baukommission
(1965-70) hat er maßgeblich zum Aufbau der Uni
beigetragen. Zudem hat Faillard das „Bochumer
Modell“ der Medizinerausbildung mit auf den Weg
gebracht.
Wissenschaftlich arbeitete Faillard an der Schnittstelle
von Naturwissenschaft und Medizin: Er gehörte bereits
in der Gründungsphase der Uni zu den „Visionären“,
die in Bochum eine ganzheitliche Medizinische Fakultät
errichten wollten – ihre heutige Ausrichtung mit
zahlreichen Kooperationen in natur- und ingenieurwissenschaftlichen
Bereichen verdankt die Fakultät auch ihm.
Hans Faillard wurde am 2. April 1924 in Köln geboren.
1946-52 studierte er dort Chemie und Medizin und wurde
1952 promoviert. 1957 habilitierte er sich. 1964 gehörte
er zu der ersten Professorengeneration an der Ruhr-Uni.
Faillard war u. a. 1967/68 Dekan der Abteilung für
Naturwissenschaftliche Medizin. 1969-72 war er Rektor
der Ruhr-Uni. 1971-73 war er Vorsitzender des Beirats
des NRW-Wissenschaftsministeriums für die Bau-
und Strukturplanung des Klinikums der Ruhr-Uni. 1973
nahm er einen Ruf an die Uni des Saarlandes an. Faillard
bekleidete zahlreiche Ämter, u. a. als Mitglied
der deutsch-französischen Expertenkommission für
das Hochschulwesen in Bonn (1973-79) und als Mitglied
der Ständigen Kommission für die Studienreform
bei der Kultusministerkonferenz, Bonn (1974-92).
+++
Mit großer Bestürzung hat die Ruhr-Uni vom
tragischen Tod von Dr.-Ing. Berthold F. Weber
am 23. August erfahren. Der Archäologe und Architekt
starb bei einem Unfall am Ausgrabungsort Milet (Türkei).
Berthold Weber wurde am 11. Mai 1954 geboren. 1977-84
studierte er Architektur, Archäologie, Baugeschichte
und Denkmalpflege in Mainz und Darmstadt. Schon als
Student arbeitete er mit an wissenschaftlichen Projekten
des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI),
zunächst in Priene (1979-81), ab 1980 in Milet,
das seine zweite Heimat wurde. Neben seiner freiberuflichen
Tätigkeit (1995-2001) leitete er seit 1997 die
Restaurierungsarbeiten am römischen Theater von
Milet. 2001 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter
ans Institut für Archäologische Wissenschaften
der Ruhr-Uni. Gemeinsam mit Studierenden erstellte er
in der Lehrwerkstatt des Instituts ein eindrucksvolles
Modell vom römischen Theater von Milet, das auch
zukünftigen Generationen dessen ursprüngliche
Gestalt veranschaulicht. Weber war ein hoch angesehener
Wissenschaftler und ein hervorragender Lehrer, der seine
Studierenden für Fragen der antiken Architektur
und der Bauforschung immer wieder zu begeistern wusste.
jw/ad
|