Tokio
"Leni Riefenstahl - Life", Bunkamura, 2.12.1991-30.1.1992
- Hintergrund / Zielsetzung
In Tokio gab es bereits 1980 im Sheibu-Museum eine kleine Ausstellung von
Nuba-Bildern (die somit wohl früheste Riefenstahl-Ausstellung überhaupt). Kuratorin war
schon damals die japanische Künstlerin Eiko Ishioka, die gelegentlich in Hollywood als
Production Designerin arbeitet. 1991 initiierte sie eine große Werkschau. Bezüglich der
Zielsetzung äußerte sie sich unmissverständlich: Die Ausstellung wolle "nicht
informieren oder illustrieren oder kritisieren, sondern ein Fest sein, das seinen
Gegenstand, seinen eigenen Anlass feiert." (zit. nach Ralf Schnell: Triumph des
Überlebenswillens. In: Frankfurter Rundschau 7.1.1992)

Abb.: Plakat zur Ausstellung der Nuba-Fotos in Tokio 1980
Ishiokas einleitender Text im Katalog geht noch weiter - hier feiert sie "Körper und
Wille" der Riefenstahl selbst als ein "von der Natur geschaffenes
Meisterwerk", schildert sie zugleich als leidende Verfolgte und untermalt dies u.a.
mit antisemitischen Seitenhieben. Der Text wurde für diese Website auszugsweise aus dem
Japanischen übersetzt und kann hier eingesehen werden.
- Gestaltung
Die Diskussion von Riefenstahls Rolle im Dritten Reich und Fragen nach einer
faschistischen Ästhetik wurden also "weitgehend ausgespart" (Ray Müller),
respektive unter gänzlich anderen Vorzeichen bewertet (als dies bis dato in Deutschland
bei allem Revisionismus der Fall sein könnte).
Entsprechend dem nicht aufklärerisch-informativen, sondern fast schon sakralen Anspruch
der Ausstellung wurde Wert auf ein atmosphärisches Design gelegt; relativ dunkel
gehaltene Räumlichkeiten und kaum längere Texte, im Zentrum ein "Wald" aus
Bilderrahmen mit Fotos und Standbildfolgen sowie Porträts von Riefenstahl. Eine wichtige
Rolle spielten wiederum die Nuba-Bilder, die auf gigantische Plakatgröße aufgezogen
worden waren. (Diese Vergrößerungen wurden später nach Potsdam übernommen.)
Hamburg
"Leni Riefenstahl", Galerie Andreas Schlüter, 8.8.-14.9.1997
- Hintergrund / Zielsetzung
Die Hamburger Ausstellung gilt als erste (nachkriegs-)deutsche Riefenstahl-Ausstellung.
Ganz stimmt das zwar nicht: Die offizielle Internet-Seite www.leni-riefenstahl.de erwähnt
eine Ausstellung in München bereits Dezember 1991, also etwa zeitgleich mit Tokio; diese
fand in einem Studio der Roucka Grossfoto GmbH statt und war vermutlich sehr klein, in
jedem Fall fand sie keine öffentliche Beachtung.
Anders in Hamburg 1997, wo Riefenstahls 95. Geburtstag den unmittelbaren Anlass bot.
Wiederum eine kleine Ausstellung in begrenzten Räumlichkeiten, einer privaten Galerie.
Sie diente dem Verkauf der ausgestellten Bilder (3500,- DM pro Abzug), allerdings mit
Ausnahme der Olympia-Stills.
- Gestaltung
In den drei Ausstellungsräumen wurde versucht, einen Minimal-Querschnitt durch
Riefenstahls Bildschaffen zu geben - unter Auslassung von "Triumph des Willens".
Der erste Raum enthielt Stills aus "Olympia", der zweite Nuba-Fotos, der dritte
Unterwasser-Fotos.
Begleittexte gab es keine; die Präsentation der Bilder selbst war karg und wirkte
dilettantisch. Der Galerist Andreas Schlüter begründete dies euphemistisch mit dem
Hinweis, er habe eine "neutrale Präsentation" statt einen
"Wallfahrtsort" gewollt... Als einziges Infomaterial wurden zwei
zusammengeheftete DIN-A-4-Seiten mit einer Filmographie und einer (auf Riefenstahls eigene
Veröffentlichungen beschränkten) Literaturliste ausgeteilt.
- Kontexte / Reaktionen
Während die Ausstellung also möglichst "kontextfrei" sein wollte,
funktionierte sie ironischerweise letztlich doch nur durch ihren Kontext, d.h. die
Sensation einer Riefenstahl-Ausstellung an sich: maximale Beachtung bei minimalem Aufwand.
Sie zog die Rezensenten aller Tageszeitungen, sowie zahlreiche neugierige Besucher an, die
sich dann mit wenigen Ausnahmen negativ bis empört im Besucherbuch äußerten - nicht
immer über den politischen Hintergrund, meist über die Gestaltung. Ähnlich die
Kritiken: "Diese Ausstellung lebt aus dem Kontext, den sie negiert. Zudem ist die
Präsentation der Bilder stümperhaft. Das reicht von große Blasen werfenden aufgeklebten
Abzügen bis hin zu einer schlampigen Hängung und beliebigen Bildauswahl. Der Galerist
setzt auf den symbolischen Effekt des Namens, und der ist größer als der ästhetische
der Bilder." (Karin Wieland: Das letzte Medium zur Erinnerung an den Führer. Stumme
Schönheit, bloßer Glanz: Eine Ausstellung mit Fotografien von Leni Riefenstahl in einer
Hamburger Galerie. In: FR 20.8.1997.)
Zur Eröffnung gab es Proteste u.a. des Auschwitz-Komitees; Riefenstahl sagte ihre
ursprünglich angekündigte Teilnahme ab. Eine im selben Haus ansässige Anwaltskanzlei
hisste am Gebäude ein Transparent mit der Aufschrift "Gestern Propaganda, heute
Profit". Richtete sich die Empörung also interessanterweise weniger gegen die
Ausstellung an sich, sondern vor allem gegen die kommerzielle Verwertung der Bilder?
Potsdam
"Leni Riefenstahl", Filmmuseum im Marstall, 3.12.1998-15.3.1999
- Hintergrund / Zielsetzung
Etwas über ein Jahr nach Hamburg eröffnete die erste große "Werkausstellung"
in Deutschland - im Filmmuseum Potsdam, das Riefenstahl somit jenseits der Galerien in den
Kontext Filmgeschichte zurücknahm. Bärbel Dalichow, die Leiterin des Filmmuseums, sah
aufgrund der langen "Tabuisierung" Aufklärungsbedarf und wünschte sich eine
"sachliche Auseinandersetzung" mit Riefenstahl (ironischerweise begründete sie
dies auch damit, man habe wegen der Nähe zu Babelsberg und dessen totalitärer
Vergangenheit "endlich auch mal was über die Nazizeit machen" wollen).
Aus einem Interview mit Dalichow: "Niemand hatte bisher offenbar Lust, sich den
Angriffen und Verdächtigungen auszusetzen. Noch immer mangelt es an Souveränität im
Umgang mit den schmerzhaftesten Punkten unserer Geschichte. Die teils hysterischen
Reaktionen auf die Ausstellung ,Verbrechen der Wehrmacht' und auf die Rede Walsers zeigen,
dass öffentliche Beschäftigung mit der NS-Zeit bislang nur auf gut eingeübten Wegen
erlaubt ist. Wir wollten aber der Auseinandersetzung nicht ausweichen." (In: Berliner
Morgenpost, 30.11.1998)
- Gestaltung

Wie der Plan zeigt, führte ein gerader Gang durch das Werk, d.h. Monitore mit den vier
(Lang-)filmen sowie die Nuba- und Unterwasser-Fotos, zu dessen Rezeption (Lesesaal und
Projektion "Die Macht der Bilder"); eingerahmt von einem Rundgang durch die
chronologische Biographie Riefenstahls. Auf der linken Seite Kindheit, Tanzkarriere und
Bergfilme; am Kopfende "Triumph des Willens" und "Olympia" quasi als
Wendepunkte; auf der rechten Seite ihr letzter Film "Tiefland" und die von
Prozessen geprägte Nachkriegszeit. Dieser biographische Teil bestand im wesentlichen aus
Bildern und Dokumenten, nur wenig dreidimensionale Objekte bzw. "Devotionalien"
(außer mal ein Paar Bergstiefel o.ä.).
Die zentrale Rolle des auch von den Seiten her zugänglichen Lesesaals, in dem in acht
Ordnern hunderte von Artikeln und Aufsätzen zu Riefenstahl nachgelesen werden konnten,
zeigt den Stellenwert, der der Rezeption beigemessen wurde, d.h. die
"Meta-Tendenz" der gegenwärtigen Riefenstahl-Diskussion. - Bei aller
"Ausgewogenheit" fanden sich in den Wandtexten im Lesesaal doch auch deutliche
Seitenhiebe auf die tendenziell linke d.h. denunzierende Riefenstahl-Kritik. Äußerungen
zur Kontinuität faschistoider Ästhetik wurden im übrigen stets indirekt wiedergegeben
("Kritiker meinten zu entdecken, dass...")
- Kontexte / Reaktionen
Die von Dalichow im Vorfeld vielbeschworene "schärfste Beobachtung der deutschen
Meinungsmacher" bzw. die "Angriffe und Verdächtigungen", denen die
Ausstellung sich aussetze, fielen letztlich gemessen an solchen Befürchtungen milde bis
wohlwollend aus. (Vielleicht gar, weil man sie nicht bestätigen wollte?) Klare Fronten
entsprechend den jeweiligen Publikationsorganen schien es dabei nicht zu geben. Selbst die
TAZ bescheinigte der Ausstellung "mehr De- als Remystifikation" und bezeichnete
sie abschließend als "mutig" (Brigitte Werneburg: Kraft durch Pose. Die erste
deutsche monographische Werkschau zu Leni Riefenstahl in Potsdam. In: taz 4.12.1998).
Während der FAZ immerhin eine süffisante Bemerkung bezüglich Dalichows
"aufklärerischer Koketterie" überlassen blieb: Dass diese nämlich "von
drohenden Anrufern und immer wieder umgeschriebenen Katalogtexten berichtete wie von einem
Fronterlebnis" (Uwe Schmitt: Dienst an höheren Beweggründen. Das Potsdamer
Filmmuseum wagt sich an Leben und Werk von Leni Riefenstahl. In: FAZ 5.12. 1998).
Das Besucherinteresse war groß und führte zur Verlängerung der Ausstellung. Am Eingang
ergaben sich aufgrund des Andrangs entsprechende Wartezeiten (die den Wartenden durch
einen Großbildfernseher mit gefällig dahinplätschernden Unterwasseraufnahmen
Riefenstahls verkürzt wurde). Die Meinungen im Gästebuch waren gemischt, jedoch
mehrheitlich positiv. "Eine mutige Ausstellung in Zeiten der Political
Correctness", stand da u.a. zu lesen. Neben einer angeschlossenen Retrospektive im
Kino des Filmmuseums gab es auch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Riefenstahl und
Pop" (über deren Verlauf hin zu einer allgemeinen NS-Debatte siehe: Cornelia
Siebeck: Neue deutsche Popdissidenz. In: taz 4.2.1999, S.17).

Abb.: Katalog zur Potsdamer Ausstellung
- Weiterführende Quellen
Filmmuseum Potsdam
Katalog: Filmmuseum Potsdam (Hg.): Leni Riefenstahl. Potsdam 1997.
Köln
"Leni Riefenstahl und der deutsche Bergfilm",
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität, Schloß Wahn, 6.12.1998-10.2.1999
- Hintergrund / Zielsetzung
Die Ausstellung widmete sich Riefenstahls Rolle im deutschen Bergfilm, d.h. mit Ausnahme
von "Das Blaue Licht" nur ihrer Karriere als Darstellerin. Laut Katalogvorwort
verstand sie sich "als Bindeglied zwischen der kürzlich gezeigten Münchener
Ausstellung, die dem Regisseur der Bergfilme, Arnold Fanck, gewidmet war und der nun
parallel laufenden Potsdamer Präsentation zu Leni Riefenstahl". (In München fand
1997 im Fotomuseum die Ausstellung "Arnold Fanck und der deutsche Bergfilm"
statt. Begleitend wurde damals eine restaurierte Fassung von "Die weiße Hölle vom
Piz Palü" im Gärtnerplatztheater neuaufgeführt; die anwesende Leni Riefenstahl
erhielt standing ovations.)
Trotz der thematischen Beschränkung wurden grundsätzlichere Fragen verhandelt - zumal
gerade im Zusammenhang mit dem Bergfilmgenre oft über (prä-)faschistische Ästhetik
diskutiert worden ist. Auch die Rolle Riefenstahls jenseits der Bergfilme wurde dabei
angesprochen - hier bildete "Neubewertung" ein wichtiges Stichwort.
- Gestaltung
Die Ausstellung bestand aus in der theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn
vorhandenen Stand- und Werkfotos zu "Das Blaue Licht", "Der weiße
Rausch" und "Stürme über dem Montblanc" mit Begleittext; sie ist in
dieser Form im Netz noch virtuell zu besichtigen. Vermutlich ist sie eine der wenigen
Ausstellungen, die ohne jede Beteiligung Riefenstahls entstanden (was sich jedoch nicht
gerade in einer kritischen Haltung ihr gegenüber äußert).
Aus der Einleitung: "Angesichts der erstarrten Diskussion scheint eine gründliche
neue Auseinandersetzung mit dem Bergfilmgenre, wie sie sich in jüngster Vergangenheit
abzeichnet, sowie eine Neubewertung des Bergfilms Fanckscher Prägung vonnöten zu sein.
Auch eine neue Diskussion über Leben und Gesamtwerk Leni Riefenstahls wird unumgänglich
sein, will man auch hier zu einem angemessenen Urteil gelangen, anstatt sich damit zu
begnügen, an den einmal getroffenen Urteilen unverrückbar festzuhalten."

Abb.: Still aus "Das Blaue Licht", Teil der Kölner Ausstellung "Leni
Riefenstahl
und der deutsche Bergfilm"
- Weiterführende Quellen
Ausstellung im Web
Katalog: Jürgen Trimborn (Hg.): Leni Riefenstahl und der deutsche Bergfilm. Köln:
Kleikamp Druck, 1998.
Berlin
Galerie Camera Work, 6.5.-24.6.2000
- Hintergrund / Zielsetzung
Nach der Ausstellung in Potsdam und der somit vollzogenen "Aufarbeitung" wieder
eine rein kommerzielle Fotoschau: in der Galerie Camera Work in Berlin. (Erneut als
Premiere begangen: "Leni Riefenstahl zeigt erstmals seit 1945 Bilder in ihrer
Geburtsstadt." Christine Dankbar: Besuch der alten Dame. In: BZ 6.5.2000)
In der ebenfalls schlicht "Leni Riefenstahl" betitelten Ausstellung beschränkte
man sich diesmal ganz auf das strittige Kapitel "Olympia" - statt wie in Hamburg
noch die unverfänglicheren (aber eben auch weniger interessanten?) Nuba- und
Unterwasserbilder mit einzubeziehen. Auch von den bisher unverkäuflichen Stills standen
nun - handsignierte - Abzüge zum Verkauf.
- Gestaltung
Die Bilder entstammen Riefenstahls 1937 erschienenem Band "Schönheit im olympischen
Kampf"; aus rund 100 Vintage-Prints wählte die Galerie mit Riefenstahl 40 Motive
aus. Sie wurden nun wieder völlig (kon)textfrei ausgestellt.
Immerhin: "So kommentarlos die Galerie ihre Riefenstahl-Ausstellung präsentiert,
einen Kommentar hat sie sich doch erlaubt, in Form eines Treppenwitzes. Auf dem
Treppenabsatz zwischen den Stockwerken zeigt ein Bild des Fotokünstlers Burkhard von
Harder nahezu lebensgroß einen bleichen Fettsack auf abschüssigem Sprungbrett, der sich
in tölpelhafter Haltung anschickt, in einen schwarzen Abgrund zu springen. Verstehe das
jeder, wie er will: als Ironisierung der einstigen olympischen Schönheitsseligkeit oder
als Trauer um ihren Verlust." (Jan Stottmeister: Attrappe im Sand. In: BZ 9.5. 2000)
- Kontexte / Reaktionen
Riefenstahl war hier erstmals tatsächlich zur Ausstellungseröffnung anwesend. Proteste
gab es keine; das Interesse der Presse war - fast resignativ - weit geringer als in
Potsdam. In Hamburg noch war kritisiert worden: "Die [...] kommentarlose
Präsentation ihrer der Photos aus den Dreißiger Jahren ist unlauter, weil an die
Naivität der Nichtwissenden appelliert wird und der vermeintlich ,liberale' Betrachter
suggestiv auf zeitenthobene, ,klassische' künstlerische Qualität eingeschworen
wird." (Beatrix Nobis: Imponieren und Posieren. Die umstrittene Photo-Ausstellung der
Leni Riefenstahl in Hamburg. In: SZ 18.8.1997) Die Ausstellung wurde 2001 übernommen in
die Gallery Fahey/Klein in Los Angeles. Noch kurze Zeit vorher wäre sie in dieser Form
sicher nicht denkbar gewesen.
Rainer Rother weist auf den kuriosen Umstand hin, dass es sich gerade bei den
"Olympia"-Bildern (im Gegensatz zu den Nuba- und Unterwasser-Bildern)
schließlich gar nicht um genuin fotografische Arbeiten von Riefenstahl selbst handele,
sondern um die ihrer Kameramänner. "Dem Publikum der Vernissage im Mai 2000 war das
egal, es bewunderte Riefenstahl als Fotografin noch solcher Bilder, die sie in einem
technischen Sinne sicher nicht gemacht hatte und kaufte gelegentlich auch als
,Riefenstahl', was 1937 noch als ,Willy Zielke' geschätzt worden wäre. Die ,neue Figur'
hatte sich durchgesetzt."

Abb.: Leni Riefenstahl bei der Eröffnung der Ausstellung in der Berliner Galerie
"Camera Work"
- Weiterführende Quellen
Website der Galerie
Berlin
"Das XX. Jahrhundert - Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland", Altes
Museum u.a., 4.9.1999 bis 9.1.2000
Diese Ausstellung sei kurz erwähnt, da hier v.a. über Riefenstahl-Bilder
nationalsozialistische Kunst repräsentiert wurde. Sie zielte darauf, "das
Kunstgeschehen in Deutschland in all seinen Höhen und Tiefen" thematisieren, und
fand im Rahmen der Berliner Festspiele an verschiedenen Orten der Stadt statt
(schwerpunktmäßig im Alten Museum, der Neuen Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof).
"Schon einmal 1906 zeigte die Nationalgalerie eine Jahrhundertschau, in der [...] mit
einem Panorama der deutschen Kunst von 1775 bis 1875 der bis heute gültige Kanon der
Kunst des 19. Jahrhunderts festgeschrieben wurde. [...] Was immer im 20.Jahrhundert an
Kunst wahrgenommen wurde und Wirkung hatte, ist Gegenstand dieser Ausstellung. [...]
Kunst, so lautet eine Grundüberzeugung der neuen Jahrhundertausstellung, war nirgendwo im
20. Jahrhundert so mit Ansprüchen und Hoffnungen ausgezeichnet und zugleich belastet wie
in Deutschland. Der Glaube an die ,Gewalt der Kunst', als Erhöhung und Verhängnis
zugleich bildet daher eine zentrale Blickachse dieser Ausstellung, die im Obergeschoss von
Schinkels Altem Museum zu sehen ist. Der deutsche Hang zum Gesamtkunstwerk vom Jugendstil
bis zum Bauhaus wird darin ebenso thematisiert wie die politische Inszenierung durch Kunst
vom Faschismus bis zum Kommunismus." ( Web-Info
zur Ausstellung)
Im Alten Museum wurden in einem der nationalsozialistischen Kunst gewidmeten Raum (Rainer
Rother beschreibt ihn in der Einleitung seiner Riefenstahl-Monographie) neben wenigen
Werken der bildenden Kunst Szenen aus dem Olympia-Film über Videobeam gezeigt. Der
Projektion gegenüber hingen Drucke von Andy Warhol, welche das Motiv des Lichtdoms
aufgreifen. Einerseits zeigt sich hier also Riefenstahls Stellvertreterfunktion für die
Ästhetik des Nationalsozialismus; zum anderen auch die Wirkungsgeschichte von
Riefenstahl-Bildern in der Popkultur.
Berlin
Teil der Dauerausstellung "Berlin-Hollywood", Filmmuseum am Potsdamer
Platz, seit September 2000
Vom Potsdamer Filmmuseum fand Riefenstahl ihren Weg zum Potsdamer Platz: September 2000
wurde hier im Sony-Center das neue "Filmmuseum Berlin" eröffnet. Es enthält
eine Dauerausstellung in zwei Teilen, von denen der eine einen Schnelldurchlauf durch die
deutsche Filmgeschichte bieten soll. Ein Raum in diesem Bereich ist indirekt Riefenstahl
gewidmet und weist ihr so einen fest institutionalisierten Platz in einer kanonischen
deutschen Filmgeschichte zu; im Anschluss an Räume etwa über "Caligari" und
"Metropolis" oder ihre vielbeschworene Antipodin Marlene Dietrich.
Einen unfreiwilligen Hommage-Effekt versuchte man insofern zu vermeiden, als der
betreffende Raum nicht "Leni Riefenstahl" heißt, sondern "Olympia" -
er widmet sich zentral dem Olympia-Film (dominierend in der Mitte ein großes Modell des
Olympia-Stadions mit eingebauten Schienen und Kameras) und verweist zwar auf die
Regisseurin und ihre Vorgeschichte, versucht sie als Person jedoch im Hintergrund zu
halten.
Trotzdem: "Ein Raum über Leni Riefenstahl, jene Starregisseurin im
Nationalsozialismus, die sich bis heute im Spannungsfeld zwischen Ruhm und Verachtung
befindet." ( Web-Info zur
Ausstellung) Im Katalog ist ihr ein Text von Elisabeth Bronfen unter dem Titel
"Zwei deutsche Stars" gewidmet - wiederum gemeinsam mit Marlene Dietrich, die
hier jedoch lediglich einleitende Funktion hat, während die Erläuterung des
Riefenstahlschen Starphänomens den Hauptteil des Textes einnimmt. |
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