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(00122) 25.04.2003 11:04

Soziale Kompetenz im Notfall: ... und immer Mensch bleiben


Bochum, 25.04.2003
Nr. 122

... und immer Mensch bleiben
Buchveröffentlichung: Soziale Kompetenz im Notfall
Praxisanleitung für den Rettungsdienst

Mit medizinischem Wissen allein ist es nicht getan. Mitarbeiter im
Rettungsdienst müssen nicht nur Leben retten, sondern auch Patienten
beruhigen, Angehörige informieren, mit Schaulustigen umgehen,
schlimmstenfalls Todesnachrichten überbringen und letztlich auch mit
ihrer eigenen körperlichen und seelischen Belastung fertig werden. Kurz:
Soziale Kompetenz ist unabdingbar. Um dieses bisher vernachlässigte
Kapitel der Ausbildung im Rettungsdienst geht es im neuen Band „Soziale
Kompetenz im Notfall“ von Dr. Arnd T. May (Zentrum für Medizinische
Ethik der RUB) und Reinhold Mann (Lehrrettungsassistent, DRK
Kreisverband Gütersloh), der jetzt in der Reihe „Ethik in der Praxis“
erschienen ist.

Vertrauen gewinnen, informieren

Neben theoretischen Grundkenntnissen über die Kommunikation vermittelt
das Buch vor allem praktische Handreichungen für das Verhalten in
Extremsituationen. So ist es z. B. wichtig, dem Patienten in die Augen
zu schauen, leichten Körperkontakt zu ihm zu suchen, um sein Vertrauen
zu gewinnen, ihn nicht in seinem Schamgefühl zu verletzen, ihn vor
neugierigen Blicken abzuschirmen. Angehörige gilt es nicht unnötig
auszugrenzen: Sie können wichtige Helfer sein und notwendige
Informationen geben, z. B. zu Vorerkrankungen. Ihre Sorgen sollten
berücksichtigt werden, d. h. sie sollten wenigstens alle Viertelstunde
über den Zustand des Patienten informiert werden, wenn sie nicht bei der
Behandlung dabei sein können.

Fallstricke meiden

Die Autoren gehen auch auf die Fallstricke im Rettungsdienst ein, indem
sie häufige Fehler thematisieren: So müssen Anweisungen z. B. – gerade
gegenüber Menschen in Krisensituationen – deutlich formuliert sein.
Dabei sollten Rettungskräfte darauf achten, den Patienten auch
sprachlich nicht zum „Fall“ zu degradieren, sondern seine Würde als
Person zu wahren. Sehr wichtig, wenn auch nicht immer einfach zu wahren,
sei eine gewisse Neutralität, so die Autoren: Wertungen gehören nicht an
den Unfallort, auch wenn z. B. der Patient ungewöhnlichen Körperschmuck
trägt oder sich bei einer strafbaren Handlung verletzt hat.

Schwierige Patienten

Auch im Umgang mit Opfern von Straftaten oder Gewaltakten müssen
Sanitäter sensibel umgehen können. So empfehlen die Autoren z. B. nach
Sexualdelikten an Frauen stets weibliches Personal nachzufordern, für
Kinder einfache Worte zu wählen und Verletzungen abzudecken. Bei älteren
Personen muss das Rettungspersonal an Hilfsmittel wie z. B. Gebiss,
Rollstuhl oder Hörgerät denken, damit die Patienten nicht noch hilfloser
sein müssen.

Auf sich selbst achtgeben

Zu guter Letzt geht es im Buch auch um den Umgang mit dem eigenen
Stress. Gesprächsgruppen, autogenes Training oder progressive
Muskelentspannung können helfen, mit der Belastung fertig zu werden. Und
nicht zuletzt empfehlen die Autoren auch, auf eine sorgfältige
Körperpflege, Sauberkeit in den Diensträumen und Fahrzeugen, ein gutes
Betriebsklima und ein sicheres, ruhiges Auftreten zu achten. Nur so
können Rettungskräfte Vertrauen schaffen und den Erwartungen, die die
Menschen im Notfall an sie haben, gerecht werden. „Pauschalanleitungen
kann es für den Umgang mit Extremsituationen nicht geben. Wichtig ist
es, immer Mensch zu bleiben und stets den Patienten in den Mittelpunkt
des Handelns stellen“, so Arnd May, der selbst Rettungssanitäter ist.

Große Zielgruppe

Das Buch richtet sich nicht nur an angehende Rettungshelfer, sondern an
alle im Rettungsdienst Beschäftigten, auch Leitungs- und Führungskräfte,
Entscheidungsträger bei Hilfsorganisationen, Feuerwehr, Krankenkassen
und in der Politik sowie an Ausbilder.

Weitere Informationen

Arnd T. May, Reinhold Mann: Soziale Kompetenz im Notfall.
Praxisanleitung nicht nur für den Rettungsdienst – ein
Unterrichtskonzept (= Ethik in der Praxis, Bd. 5, Hg. von Hans-Martin
Sass). LitVerlag, Münster, Hamburg, London 2003, ISBN 3-8258-6043-5, 184
Seiten, 15,90 Euro

Weitere Informationen

Dr. Arnd T. May, Zentrum für Medizinische Ethik der Ruhr-Universität,
44780 Bochum, Tel. 0234/32-22749, Fax: 0234/32-14598, E-Mail:
may@medizinethik.de, Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/zme,
http://www.soziale-kompetenz-im-notfall.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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