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(00120) 24.04.2003 11:32

Das Gesicht des Gegners: Autorenband "Feindschaft" erschienen


Bochum, 24.04.2003
Nr. 120


Das Gesicht des Gegners
Idiot, Amokläufer, Parasit - Feinde in Geschichte und
Gegenwart
„Feindschaft“ - Fachübergreifende Neuerscheinung der RUB


„Seit dem 11. September 2001 ist die Welt wieder in
Ordnung.“ Die Aufteilung des Globus in Freund und Feind, gut
und böse funktioniert wieder. Oder doch nicht? Gibt es einen
neuen Feindcharakter? Oder wiederholen sich nur Szenen der
Vergangenheit? Mit Feindbildern in Gegenwart und Geschichte
beschäftigt sich „Feindschaft“, neu erschienen im Wilhelm
Fink Verlag München. Medardus Brehl und Kristin Platt vom
Institut für Diaspora- und Genozidforschung der
Ruhr-Universität Bochum sind Herausgeber des Autorenbandes.

Von „Idioten“ und „Amokläufern“

Das Buch „Feindschaft“ führt die Diskussion aus der
philosophischen, anthropologischen Debatte um Sinn, Natur
und Wesen der Feindschaft hinaus in den Bereich der neueren
Gewalt- und Vorurteilsforschung,  Sozialpsychologie,
Geschichte und Medientheorie. Die Artikel analysieren Muster
und Strukturen von Feindschaft, Traditionen, Überlieferungen
und deren Symbole, Sprache, Medien und Organisation. Eine
besondere Aufmerksamkeit gilt dabei verschiedenen
Ausprägungen der Feindgestalt: der „Masse“, dem
„Amokläufer“, dem „Idioten“, dem „Parasiten“. Am Ende stehen
keineswegs Beruhigung oder Zähmung des Feindes. Im
Gegenteil. Die Artikel wollen sich der Beunruhigung stellen,
die aus der Beobachtung entsteht, dass Feindbilder
zweifellos auch zu den Erscheinungsformen der Moderne
gehören und dass Gewalt, Krieg und Vernichtung mit
aktualisierten Mustern und Figuren des Feindes
gerechtfertigt werden.

Gemeinschaftsgefühl durch äußere Gegner

13 Autorinnen und Autoren setzen sich mit der Problematik
der Feindschaft in verschiedenen historischen Epochen
auseinander. Der Bogen der Beiträge spannt sich von
altorientalischen Feindschaftszuweisungen über antike
Feindkonstruktionen, mittelalterliche Stigmatisierungen bis
in die Gegenwart. Sie versuchen, die Frage zu beantworten,
ob, wie und von wem eine fundamentale Differenz zwischen
Freund und Feind geschaffen wird, um damit ein
Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Gesellschaft aufzubauen.
Sich nach außen abgrenzen, damit innen eine Einheit
entsteht? Wird also eine Bedrohung von außen erzeugt, um die
Unterschiede innerhalb der Gesellschaft auszugleichen? Hat
jede Epoche ihren spezifischen, eigenen Feind oder ist er
eine feste Größe, die sich im Laufe der Geschichte nicht
verändert? Werden Feindbilder aktualisiert? Dies sind
Fragen, denen sich die Autorinnen und Autoren kritisch
annähern und sie diskutieren.

Herausgeber und Autoren

Die Sozialwissenschaftlerin Kristin Platt ist Mitarbeiterin
und Forschungskoordinatorin am Institut für Diaspora- und
Genozidforschung der RUB. Sie veröffentlichte zahlreiche
Aufsätze zur Biographie- und  Traumaforschung, zu Gewalt und
Überleben, zu Fragen der Globalisierung und Weltordnung.
Zuletzt veröffentlichte sie den Band „Reden von Gewalt“.
Medardus Brehl ist Literaturwissenschaftler und ebenfalls
Mitarbeiter des Instituts für Diaspora- und
Genozidforschung. Er untersucht unter anderem die Literatur
während des Ersten Weltkrieges und der Kolonialzeit. Das
Buch „Feindschaft“ ist interdisziplinär angelegt. Die
Autoren der Beträge sind Wissenschaftler aus den Bereichen
Geschichts-, Sozial-, Kultur-, Literaturwissenschaft,
Psychologie, Orientalistik und Theologie von Hochschulen in
Köln, München, Leipzig, Weimar, Paderborn, Bochum, Innsbruck
und der Pennsylvania State University. Das Institut für
Diaspora- und Genozidforschung der Ruhr-Universität Bochum
setzt sich mit den Ursachen und Folgen von Völkermord in der
neueren Geschichte auseinander. Weitere Themen sind die
Situation vertriebener Gruppen im fremden kulturellen und
gesellschaftlichen Umfeld sowie Erfahrungen und Konsequenzen
resultierend aus Gewalt.

Titelaufnahme

Medardus Brehl / Kristin Platt (Hrsg.): Feindschaft.
Schriftenreihe Genozid und Gedächtnis. Wilhelm Fink Verlag,
München 2003, 280 Seiten, kartoniert, 29,90 Euro, ISBN:
3-7705-3690-8.
Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Jan Henning Böttger,
Medardus Brehl, Gudrun Brockhaus, Achim Brosziewski, Lucian
Hölscher, Uwe-K. Ketelsen, Wolfgang Palaver, Kristin Platt,
Manfred Schneider, Joseph Vogl, Claus Wilcke, Raimar Zons.

Weitere Informationen

Medardus Brehl und Kristin Platt, Institut für Diaspora- und
Genozidforschung, Ruhr-Universität Bochum,  44780 Bochum,
Tel. 0234/32-29702, Fax: 0234/32-14770, E-Mail:
kristin.platt@ruhr-uni-bochum.de, Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/idg/

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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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