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(00040) 12.02.2003 13:06

Bilanz:10 Jahre Hochschulkooperation NRW und GUS-Staaten


Bochum, 12.02.2003
Nr. 40

Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Zwischen echter Kooperation und Mitnahmeeffekten
Bilanz:10 Jahre Hochschulkooperation NRW und GUS-Staaten

Das Hochschulwesen in Russland hat sich in den letzten zehn Jahren
erfolgreich modernisieren und dabei westlichen Standards annähern
können. Dies ist das Fazit der 9. Arbeitsbesprechung über
Hochschulkontakte zwischen Russland und NRW, die im November 2001
stattgefunden hat. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigen die
Ergebnisse, die jetzt im Sammelband „Vom Sinn und Unsinn westlicher
Förderung in Russland“ zusammengefasst sind. Herausgeber sind die
RUB-Slawisten Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Eimermacher und Dr. Ursula Justus.
Prof. Eimermacher ist seit 1993 NRW-Beauftragter für Hochschulkontakte
zwischen Hochschulen in NRW und der GUS. Er gehört zu den führenden
Slawisten in Deutschland.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

Nach der Auflösung der Sowjetunion, kam es in Russland zu einer
grundlegenden Neuorientierung in Wissenschaft und Forschung. Ziel der
Reformen war es, das vorhandene Bildungssystem für den
wissenschaftlichen Wettbewerb mit dem Westen konkurrenzfähig zu machen.
Der Westen half dabei, um die Folgen des Kalten Krieges zwischen West
und Ost auch in der Wissenschaft zu beseitigen. Ob diese Hilfe sinnvoll
angelegt und effizient durchgeführt wurde, darüber gibt jetzt der neu
erschienene Sammelband Auskunft. Darin ziehen deutsche und russische
Wissenschaftler eine kritische Zwischenbilanz der deutsch-russischen
Wissenschaftsbeziehungen. Darüber hinaus schlagen sie Wege für eine
verbesserte Zusammenarbeit vor.

Von Devisen ...

Zwar hat sich die westliche Hilfe als segensreich erwiesen, weil sie den
Reformprozess in den GUS-Staaten beschleunigte; Lehre und Forschung
modernisieren half. Allerdings sei die westliche Hilfe bei der
Umstrukturierung der russischen Hochschulen nicht konfliktfrei
verlaufen. So schreibt Eimermacher in seinem Eingangsbeitrag „Von
Geldern und Menschen“: „Die deutschen/westlichen
Kooperationsenthusiasten wurden nicht selten von cleveren, schnell
lernenden Russen für Eigeninteressen benutzt. Sobald dann keine Devisen
von westlicher Seite mehr zur Verfügung standen, fungierte das verfolgte
Projekt für den russischen Partner nicht mehr als Anstoß für weitere
Eigeninitiativen, sondern war nur noch eine folgenlose
‚Maßnahme’(‚meroprijatie’).“ Es ist auch vorgekommen, dass beide Seiten
in ihren Beziehungen ausschließlich von persönlichen Vorteilen geleitet
wurden. Bei einem Großteil der Projekte haben jedoch Deutsche wie Russen
versucht, das Beste für das gemeinsame Projekt zu erreichen und sich mit
voller Kraft eingebracht.

... und nachhaltigen Projekten

Prof. Eimermacher kritisiert aber auch die Förderpraxis westlicher
Institutionen. Die EU vergibt nur dann Geld, wenn mindestens drei
Partner gleichberechtigt an dem Projekt beteiligt sind. Dies verursacht
hohe Koordinationskosten. Auch hat sich die nur dreijährige Förderdauer
nicht bewährt. Eine Konsequenz, die aus den Beiträgen der
Veröffentlichung gezogen werden kann, ist daher, dass Förderung nur dann
sinnvoll ist, wenn sie die Nachhaltigkeit der Projekte sicherstellt und
bestehende Projekte besser vernetzt.

Weiteren Themen

In weiteren Beiträgen gehen die beteiligten Wissenschaftler detailliert
auf die deutsch-russische Zusammenarbeit ein und analysieren sehr offen
die Stärken und Schwächen der westlichen Förderung in Russland. So
hinterfragt Manfred Heinemann die Hochschulreform in der
postkommunistischen Gesellschaft, Galina Paramei untersucht die Rolle
russischsprachiger Veröffentlichungen in der internationalen Szene, der
RUB-Osteuropaexperte Prof. Dr. Bernd Bonwetsch fasst acht Jahre
Kooperationserfahrung zwischen der RUB und der russischen
Staatsuniversität Kemerovo zusammen, seine Kollegin Svetlana Kibardina
weist in ihrem Beitrag den Weg zu einer erfolgreichen Kooperation
russischer und deutscher Hochschulen.

Titelaufnahme

Karl Eimermacher, Ursula Justus (HG.): Vom Sinn und Unsinn westlicher
Förderung in Russland, Ruhr-Universität Bochum, Bochum 2002, ISBN:
3-932382-18-8

Weitere Informationen

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Eimermacher, Dr. Ursula Justus, Lotman-Institut
für russische und sowjetische Kultur der Ruhr-Universität Bochum, 44780
Bochum, Tel. 0234/32-23370/-25157; E-Mail:
Karl.Eimermacher@ruhr-uni-bochum.de; Ursula.Justus@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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