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(00362) 28.11.2002 08:25
RUB-Studie: Deutsche Banken und das "japanische Fieber"
Bochum, 28.11.2002
Nr. 362
Von System- und Strukturkrisen
Deutsche Banken im „japanischen Fieber“?
RUB-Studie: Krisendiagnose, Therapievorschläge und
Prophylaxe
Unter deutschen Banken grassiert das „japanische Fieber“.
Diesen Eindruck vermittelt zumindest die stattliche Zahl
einprägsam betitelter Beiträge in der Wirtschaftspresse. In
einer aktuellen Studie dazu zeigen die RUB-Ökonomen Prof.
Dr. Stephan Paul, Dr. Andreas Horsch und Dr. Stefan Stein
(Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft), dass
Deutschlands Banken zwar eine Struktur-, Japans
Kreditwirtschaft aber eine Systemkrise zu bewältigen habe.
Sie nehmen anhand verschiedener Krisensymptome das
Krankheitsbild der deutschen Banken unter die Lupe,
vergleichen mit der Lage in Japan und leiten daraus
Forderungen ab: Über die Inhalte einer EU-Finanzaufsicht
müsse man verstärkt nachdenken, Verbundeffekte mit der
Geldpolitik nutzen und den Einfluss des Staates auf die
Kreditwirtschaft drastisch reduzieren, so die Forscher. Sie
veröffentlichen ihre Befunde in der aktuellen Ausgabe der
„Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen“ (1.12.2002).
Krisengerede ...
Die RUB-Ökonomen schicken voraus, dass sich die deutsche
Kreditwirtschaft derzeit in einem stimmungsgetragenen Umfeld
befinde: Das ständige Reden von der Krise könne zu einer
selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Im vielstimmigen
Diskurs gingen Krisen-Begrifflichkeiten ebenso munter
durcheinander wie die gezogenen Schlussfolgerungen. Die
schwierige Lage der deutschen Kreditwirtschaft werde
fahrlässig in den bedrohlichen Rang des epidemischen
Krankheitsbildes in Japan gehoben.
... und -diagnose
Die Bochumer Forscher prüfen in ihrer Studie, wie
stichhaltig die Parallele zwischen der japanischen
Bankenkrise und einer in vielen Medien postulierten
„deutschen Bankenkrise“ ist. Sie nehmen über einen
Zehnjahres-Zeitraum eine Reihe von Krisensymptomen unter die
Lupe, wie etwa Bankinsolvenzen, Eigenkapitalrenditen und
-qualitäten, Urteile von Rating-Agenturen und die Bewertung
durch die Kapitalmärkte in Deutschland und Japan. Ihr
Ergebnis: In Deutschland herrscht eine Strukturkrise, die
mit der tiefgreifenden japanischen Systemkrise nicht
vergleichbar sei.
Therapie
Ihr Therapievorschlag für Deutschland lautet: Ein striktes
Wertmanagement tut ebenso Not wie eine konsequentere
strategische Fokussierung als bisher. Die Banken und
Sparkassen hierzulande müssten zudem die knappe Ressource
Eigenkapital sorgfältiger bewirtschaften.
Krisen-Prophylaxe
Den Schlüssel zu einer effektiven Krisen-Prophylaxe sehen
sie in einer handlungsfähigen EU-Finanzaufsicht. Die
Bochumer Ökonomen beklagen, dass die deutsche und
europäische Diskussion hierzu vor allem von Strukturfragen
(Zahl der Ausschüsse, Rechte des Parlaments, Einbindung der
Notenbank usw.) dominiert sei. Paul, Horsch und Stein:
„Unseres Erachtens sollte trotz der Bedeutung dieser Themen
künftig stärker über die Inhalte einer EU-Finanzaufsicht
nachgedacht werden, ‚Substance over Form’ an Bedeutung
gewinnen.“ Die Forscher schlagen vor, Verbundeffekte zu
nutzen, die sich aus der gemeinsamen Wahrnehmung geld- und
aufsichtspolitischer Aufgaben und den dabei anfallenden
Informationen ergeben, und den staatlichen Einfluss auf die
Kreditwirtschaft drastisch zu reduzieren.
Titelaufnahme
Paul, Stephan/Horsch, Andreas/Stein. Stefan: Diagnose,
Therapie und Prophylaxe von Bankenkrisen - Herausforderungen
für Finanzaufsicht und Geldpolitik, in: Zeitschrift für das
gesamte Kreditwesen, Nr. 23, 2002, Fritz Knapp-Verlag,
Frankfurt am Main, 1. Dezember 2002, S. 1274-1280.
Weitere Informationen
Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft,
Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-25344, Fax:
0234/32-14699, E-Mail: stefan.stein@rub.de
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Mit freundlichen Gruessen
Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de
Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle
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