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(00217) 06.08.2002 13:35

RUB-Studie ergibt: Zwei Drittel aller zweit-OPs bei Krampfadern sind vermeidbar


Bochum, 06.08.2002
Nr. 218

Zur Krampfader-Operation unbedingt zum Experten
Qualitätsmängel in der Venenchirurgie
Fast zwei Drittel der Rückfälle sind vermeidbar

Warum müssen so viele Patienten, deren Krampfadern operativ entfernt
wurden, schon bald ein zweites Mal daran operiert werden? Dieser Frage
gingen Gefäßchirurgen und Phlebologen der RUB-Universitätsklinik im St.
Josef Hospital nach. Sie fanden heraus: In 64 Prozent der
Zweitoperationen war während der ersten OP nicht sachgerecht gearbeitet
worden, ein Rückfall (Rezidiv) daher unvermeidlich. Sie raten Patienten
dringend, sich in die Hände von geschulten Fachärzten zu begeben und
fordern die Einhaltung von Qualitätsstandards.

Ein Fünftel der Operationen sind Wiederholungen

Mehr als 18 Millionen Deutsche haben Krampfadern, die nicht nur unschön
sondern auch gefährlich sind. Vielen kann mit einer Operation geholfen
werden. Doch die Erleichterung währt oft nicht lange: 40 Prozent aller
Operierten bekommen wieder Krampfadern, viele von ihnen landen ein
zweites Mal im OP. Ein Fünftel aller Venenoperationen sind wegen eines
Rückfalls nötig. Die Ursachen dafür haben der Gefäßchirurg PD Dr. Achim
Mumme und die Phlebologen Prof. Dr. Peter Altmeyer und PD Dr. Markus
Stücker vom RUB-Klinikum erforscht.

Kranke Venenreste lösen neue Krampfadern aus

Sie entnahmen bei Rezidivoperationen Gewebeproben von den voroperierten
Krampfadern. Anhand spezieller Untersuchungen konnten sie feststellen,
ob bei den Voroperationen die Krampfadern ausreichend gründlich entfernt
worden waren oder nicht. Das Ergebnis: „Bei 64 Prozent aller
Rezidivoperationen war eindeutig klar, dass bei der Erstoperation die
Krampfadernvene nicht ausreichend weit – d.h. bis zu ihrer Einmündung in
die tiefe Vene – entfernt worden war. Der krankhafte Venenrest führte
zwangsläufig zur erneuten Ausbildung des Krampfadernleidens“, so (PD Dr.
A. Mumme). 24 Prozent der Rezidive waren eindeutig auf bislang
therapeutisch nicht beeinflussbare Gefäßneubildungen zurückzuführen. In
12 Prozent der Fälle gelang es trotz der Gewebeanalysen nicht, die
Rezidivursache eindeutig zu klären.

Teure Fehler bei der Operation

Vermeidbare technische Fehler sind offenbar die häufigste Ursache für
die Notwendigkeit eines Rezidiveingriffes nach vorhergehender
Krampfadernoperation. Diese Qualitätsmängeln haben wegen der Häufigkeit
von Venenerkrankungen eine enorme sozialmedizinische Bedeutung: Von den
etwa 800 Mio. DM, die im Jahr 2000 deutschlandweit allein die stationäre
chirurgische Behandlung des Krampfaderleidens kostete, dürften
schätzungsweise 160 Mio. DM auf die Beseitigung einer Rezidivkrampfader
entfallen sein. „Davon hätten 80 Mio. DM eingespart werden können, wenn
gemäß der geltenden Qualitätsstandards verfahren worden wäre“, schätzen
die Experten. Hinzu kommen noch die Kosten für die ambulanten Versorgung
von Krampfadernrezidiven.

Qualitätsstandards einhalten

Um den Mängeln in der Krampfaderchirurgie wirkungsvoll zu begegnen,
fordern die Experten, auch bei unspektakulären Operationen an
Krampfadern die geltenden Qualitätsanforderungen konsequent umzusetzen.
Dabei solle die Qualifikation der operierenden Ärzte stärker
berücksichtigt werden als bisher. Nach einer dänischen Studie hat die
Qualifikation des Operateurs einen entscheidenden Einfluss auf das
Ergebnis von Krampfadernoperationen. Die Häufigkeit technischer Fehler
betrug in dieser Studie im unspezialisierten Krankenhaus 40 Prozent und
in der unspezialisierten Praxis 43 Prozent. Mit 14 Prozent lag die
Rezidivrate bei Venenspezialisten (Gefäßchirurgen, Phlebologen)
wesentlich niedriger.

Weitere Informationen

PD Dr. Markus Stücker, Dermatologische Universitätsklinik der
Ruhr-Universität Bochum im St. Josef Hospital, Gudrunstr. 56, 44791
Bochum, Tel. 0234/509-3448, Fax: 0234/509-3445, E-Mail:
m.stuecker@derma.de



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