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(00205) 25.07.2002 13:06

"Kreatin" hilft gegen Sauerstoffmangel bei der Geburt


Bochum, 25.07.2002
Nr. 206


Dem Hirnschaden keine Chance
Kreatin hilft gegen Sauerstoffmangel bei der Geburt
Wissenschaftspreis für RUB-Forscher Johannes Middelanis


Sauerstoffmangel bei der Geburt kann schwerwiegende Folgen
für die Kinder haben – bis hin zur Hirnschädigung mit einer
Lähmung der Arme und Beine. Die Lösung des Problems heißt
„Kreatin“ und ist sowohl ein Nahrungsersatzmittel für
Leistungssportler als auch eine körpereigene Säure. Kreatin
schützt das kindliche Gehirn während der Geburt, fand
Johannes Middelanis heraus. Middelanis ist Assistenzarzt an
der Frauenklinik des Knappschaftskrankenhauses,
Universitätsklinik der RUB (Direktor: Prof. Dr. Arne
Jensen). Für seine Forschungsergebnisse zeichnete ihn die
Niederrheinisch-Westfälische Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe auf ihrer 201. Tagung mit dem ersten
Wissenschaftspreis für Geburtshilfe aus.

Kreatin bildet Energiespeicher

Johannes Middelanis hat experimentell untersucht, wie sich
Sauerstoffmangel während der Geburt bekämpfen lässt. Er
konnte zeigen, dass die körpereigene Säure Kreatin
Hirnschädigungen vermindert: Kreatin sorgt dafür, dass der
Körper Energiespeicher bildet, auf die er in
Belastungssituationen, z. B. bei Sauerstoffmangel,
zurückgreifen kann. Wird Kreatin zusätzlich verabreicht, z.
B. oral, erweitern sich diese Energiespeicher. Dazu kann
entweder die Mutter Kreatin vor der Geburt mit dem Essen zu
sich nehmen, oder die Neugeborenen erhalten es unmittelbar
nach der Geburt. Weitere Studien müssen prüfen, inwiefern
diese Erkenntnisse in der klinischen Praxis anwendbar sind.

1.000 betroffene Kinder pro Jahr

Jahr für Jahr erleiden in Deutschland ca. 1.000 Kinder einen
Hirnschaden während oder unmittelbar nach der Geburt. Weder
sind die Ursachen bisher ausreichend erforscht, noch können
Ärzte die Schäden effektiv behandeln. Daher hat die
Universitätsfrauenklinik Bochum im Knappschaftskrankenhaus
eine Forschungsgruppe unter Leitung von PD Dr. Richard
Berger und Prof. Dr. Arne Jensen eingerichtet, in der
Johannes Middelanis mitarbeitet. Das Team entwickelt neue
therapeutische Strategien, um das kindliche Gehirn vor
Schäden bei der Geburt zu bewahren.

500 Mio. Euro an Folgekosten

Die Forscher beziffern die Kosten, die der
Solidargemeinschaft hierbei pro Geburtenjahrgang entstehen,
auf ca. 500 Mio. Euro. Neben schweren Formen der
Hirnschädigung, die mit einer Lähmung der Arme und Beine
einhergehen, identifiziert die Forschungsgruppe auch
leichtere Formen der Störung, die jedoch weitreichende
Folgen für die motorische und geistig-seelische Entwicklung
von Kindern haben: Dazu gehören z. B. feinmotorische
Koordinationsstörungen oder Konzentrationsschwächen. Zudem
kann die kindliche Impulskontrolle beeinträchtigt sein, was
im Erwachsenenalter eine geringere geistige
Leistungsfähigkeit, innerfamiliäre Beziehungsstörungen,
Ängste, Depressionen, straffälliges Verhalten,
Drogenmissbrauch oder Schwierigkeiten in der beruflichen
Anpassung verursachen kann.

Weitere Informationen

Johannes Middelanis, Klinik für Gynäkologie und
Geburtshilfe, Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer,
Universitätsklinik der RUB, In der Schornau 23 – 25, 44892
Bochum, Tel. 0234/299-3970, Fax: 0234/299-3309, E-Mail:
CJMiddelanis@t-online.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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