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(00174) 20.06.2002 14:15

Basel II: Mittelstand sachgerechter behandeln


Bochum, 20. 06. 2002
Nr. 173

Banken nicht im Kreditstreik
Basel II: Mittelstand sachgerechter behandeln
IKF-Fachkongress über das Risikomanagement der Banken

Zahlreiche Mittelstandsvertreter werfen Banken in der öffentlichen
Diskussion wiederholt vor, sie würden im Vorgriff auf Basel II die
Kreditvergabe an den Mittelstand in einer ungesunden Weise einschränken.
Diesen Vorwurf an die Banken und Sparkassen will Prof. Stephan Paul
(Lehrstuhl für Finanzierung und Kreditwirtschaft der Ruhr-Universität)
so pauschal nicht gelten lassen. „Auch Banker sind Unternehmer, die auf
Veränderungen der Qualität ihrer Kunden reagieren müssen“, so Paul mit
Hinweis auf den aktuellen Pleitenrekord im Mittelstand auf dem Bochumer
Fachkongress „Basel II“ seines Instituts für Kredit- und
Finanzwirtschaft. Basel II beschleunige diesen Prozess allenfalls, in
dem die Kundenbonität auch zum Maßstab für die Bankenaufsicht erhoben
wird.

Mittelstand bevorzugt statt benachteiligt

Die immer wieder behauptete Benachteiligung des Mittelstandes beim neuen
Rating der Banken nach Basel II sei nicht zu erwarten. Im Gegenteil:
Unter dem Druck der Öffentlichkeit ist aus einer vermeintlichen
Benachteiligung deutliche Privilegierung geworden, weil Banken Kredite
an kleine und mittelgroße Unternehmen zu „Kreditkörben“ zusammenzufassen
und im Risikomanagement wie Kredite an private Kunden behandeln können.
Die in diesem Zusammenhang diskutierte drastische Absenkung der
Eigenkapitalunterlegung von Krediten um 25 Prozent und mehr gegenüber
der derzeitigen Regelung, die - so Paul - für mehr als 90 Prozent der
Unternehmen in Deutschland gelten könnte, sei wenig sachgerecht.

Eigenkapital muss für Kreditrisiken reichen

Mit Blick auf das eigentliche Ziel des Basler Prozesses, die
Eigenkapitalunterlegung für Kreditinstitute stärker an die tatsächlichen
Risiken des Kreditgeschäftes anzunähern, sei die jetzt diskutierte
pauschale Absenkung des Eigenkapitalniveaus im revidierten
Standardansatz sehr problematisch. Zwar werde aus der Bankpraxis heraus
das bisherige Niveau der Eigenkapitalanforderung oft als zu hoch
angesehen, in spektakulären Fällen von Krisen einzelner Banken sei es
aber auch deutlich zu niedrig gewesen. Paul: „Die Formulierung einer
risikoorientierten Eigenkapitalanforderung, die den Mittelstand
sachgerecht behandelt, muss gelingen. Es darf keine Benachteiligung,
aber auch keine Privilegierung geben.“

Weitere Informationen

Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft,
Ruhr-Universität Bochum, GC 4/29, Tel. 0234/32-23320, Fax:
0234/32-14699, E-Mail: ikf@ruhr-uni-bochum.de




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