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(00155) 06.06.2002 16:00
RUB-Ökonom zur Bankenkrise: Fusionen kein "Königsweg"
Bochum, 06.06.2002
Nr. 154
Banken: Fusionen kein „Königsweg“
Mehrwert bei Zusammengehen von Sparkassen und Volksbanken
RUB-Ökonom über die Krise der deutschen Banken
„Fusionen sind kein Königsweg für die deutschen Banken“,
analysierte Prof. Stephan Paul, Inhaber des Lehrstuhls für
Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität
Bochum, auf dem 25. Symposium des Instituts für
bankhistorische Forschung, das heute im Hause der DZ BANK AG
in Frankfurt am Main stattfand. Deutsche Kreditinstitute
hätten in den letzten Jahren Leerkapazitäten aufgebaut, so
Paul. Diese auszulasten oder zu kappen, lasse sich nicht
allein durch Fusionen bewältigen. Das Fazit des
RUB-Ökonomen: „Entscheidend ist in den nächsten Jahren eine
stärkere Profilierung deutscher Kreditinstitute durch
stärker zugespitzte strategische Konzepte und deren
konsistente Umsetzung.“
Kein Zwang zur Größe
Befunde für die USA und Europa zeigten, dass bei Fusionen
ganz überwiegend Wertsteigerungen bei den Zielunternehmen
auftraten, bei der bietenden Unternehmung aber Wert
vernichtet wurde. Wenn Aktionäre des Bieters dennoch
profitierten, dann wiesen die beiden Unternehmen einen sehr
ähnlichen Produkt- und geographischen Fokus auf und das
Zielunternehmen sei meist kleiner als der Bieter. Nur in
diesen Fällen sei der Aktienmarkt offenbar zuversichtlich,
so Paul. Internationalen Großfusionen mit dem Ziel des
Risikoausgleichs stehe der Markt hingegen skeptisch
gegenüber. Die Frage nach dem Zwang zur Größe müsse für die
Hauptgruppen der Bankindustrie differenziert beantwortet
werden.
Überkapazitäten schreien nach Auslastung
Deutsche Kreditinstitute hätten in den letzten Jahren vor
allem im standardisierten Privatkundengeschäft - getrieben
durch die rasante Entwicklung des Internets - umfangreiche
Kapazitäten für den elektronischen Vertrieb aufgebaut, den
filialgestützten Absatz aber nicht in gleichem Maße
zurückgefahren und dadurch ihre Fixkostenlast erhöht. Es
zeigten sich Überkapazitäten, „die nach Auslastung oder aber
Kappung schreien“. Ob Fusionen hierfür tatsächlich die
richtige Lösung liefern, ist nach Meinung des Bochumer
Ökonomen fraglich.
Zusammenschlüsse von Sparkassen und Kreditgenossenschaften
kein Tabu
Die bisherigen Fusionsergebnisse in Europa und den USA
rückten - heute noch mit verbund- und verbandspolitischen
Denk-Tabus belegte - Banksektoren übergreifende Fusionen der
mittelständischen Kreditwirtschaft ins Blickfeld.
Zusammenschlüsse namentlich zwischen den heute noch über 500
Sparkassen und den mehr als 1800 Kreditgenossenschaften
böten, so Paul, die Chance auf Synergieeffekte. Gerade in
diesen Sektoren seien positive Effekte zu vermuten, weil die
angebotenen Bankleistungen ähnlich seien und die
Marktgebiete zusammenfielen. Begünstigt würden diese
Verbundwirkungen durch eine verbesserte Auslastung, mehr
Ansatzpunkte für ein „Cross Selling“ sowie
Marktmachtvorteile auf der Absatz- und Beschaffungsseite der
Institute
Kernkompetenzen stärken
Sparkassen und Kreditgenossenschaften könnten von den
derzeitigen Schwierigkeiten der Großbanken im
Privatkundengeschäft profitieren, wenn sie ihre
Kernkompetenzen - den umfassenden und persönlichen Service
vor Ort - ausbauen. Dies sei auch das Erfolgsrezept der
kleinen und mittelgroßen Banken in den USA für ihren
Wiederaufstieg nach der schweren Bankenkrise gewesen. Für
deutsche Institute würde das jedoch bedeuten, sich auf
ausgewählte Geschäftsfelder zu beschränken und Skaleneffekte
mindestens durch stärkere Kooperationen innerhalb der
bestehenden Verbünde zu realisieren.
Großbanken: Profitabilität im Privatkundengeschäft durch
größere Einheiten
Für die Großbanken rückten hingegen komplexe,
beratungsintensive Leistungen in den Vordergrund. Die
Unternehmensgröße zu erhöhen, ist nach Ansicht Pauls primär
für das Privatkundengeschäft relevant, dies lasse sich
allerdings auch durch Kooperationen bzw. strategische
Allianzen auf einzelnen Geschäftsfeldern realisieren.
Weitere Informationen
Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft,
Ruhr-Universität Bochum, Telefon: 0234-32 25344, Fax:
0234-3214699, E-Mail: stefan.stein@ruhr-uni-bochum.de
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Mit freundlichen Gruessen
Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de
Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle
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