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(00081) 18.03.2002 13:51

Heiße Gase statt heißer Luft: Plasma- und Kurzzeitphysiker tagen in der RUB


Bochum, 18.03.2002
Nr. 81


Gebändigtes Plasma im Flachbildschirm
Der Standort Bochum forciert die Plasmatechnik
Heißen Gasen und ultraschnellen Reaktionen auf der Spur


Es wird heiß in Bochum, wenn sich ab heute bis zum 21. März
Plasma- und Kurzzeitphysiker im Hörsaalzentrum Ost (HZO) der
Ruhr-Universität treffen. Im Mittelpunkt der Frühjahrstagung
der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) steht ein
Aggregatzustand, den die sichtbare Materie des Universums zu
99 Prozent einnimmt: Plasma. Ultraheiß und elektrisch
leitend, bildet es die Grundlage der Plasmatechnik, einer
der Schlüssel- und Querschnittstechnologien des 21.
Jahrhunderts. Die Fakultät für Physik und Astronomie der RUB
hat die Bedeutung der Plasmaphysik frühzeitig erkannt und
als ein Hauptarbeitsgebiet eingerichtet.

Plasma- und Kurzzeitphysik im Internet ...

Ausführliche Informationen zur DPG-Frühjahrstagung der
Fachverbände Plasmaphysik und Kurzzeitphysik finden sich im
Internet unter http://dpg2002.ruhr-uni-bochum.de

... und im All

In ca. 200 Beiträgen diskutieren die Tagungsteilnehmer die
„heißen“ Themen aus der Plasmaphysik, etwa 25 Beiträge zur
Kurzzeitphysik ergänzen das Spektrum der Tagung. Neben einer
Reihe von Plenar- und Hauptvorträgen gibt es am Mittwoch,
20. März, um 19 Uhr (Hörsaal HZO 30) auch eine öffentliche
Abendveranstaltung. Uwe Konopka vom Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik berichtet über ein
deutsch-russisches Forschungsprojekt auf der Raumstation
ISS. Die Öffentlichkeit und die Medien sind herzlich
willkommen.

Gebändigte Materie

Wenn die Hersteller von Unterhaltungselektronik auf der
Cebit in Hannover neue Plasmabildschirme vorstellen, dann
stecken dahinter Erkenntnisse und Ergebnisse aus der
Grundlagenforschung. Wissenschaftlern ist es gelungen, die
heiße und ionisierte (elektrisch leitende) Materie zu
bändigen und für die Technik nutzbar zu machen. Anwendung
finden Plasmen z. B. auch in Energiesparlampen, in der
Mikroelektronik bei Halbleitern und Leistungsschaltern. Und
bei Temperaturen jenseits der 100 Millionen Grad realisieren
Plasmaphysiker bereits jetzt Kernfusionen im Labor. Sie
arbeiten an einer Energiequelle der Zukunft: Der „Sonne auf
Erden“.

Plasma ist (fast) überall

Warum Sonne? Ganz einfach, weil sie der Prototyp des Plasmas
im Universum ist – eine  riesige Kugel, die aus heißem Gas
besteht. Gewaltige Energieausbrüche auf der Sonne, so
genannte solar flares, beeinflussen unser Leben auf der
Erde: Wenn das Fernsehbild flimmert und die Telefonleitung
gestört ist, muss nicht unbedingt die Technik versagt haben.
Auch die Polarlichter sind Plasma-Erscheinungen. Über 99
Prozent der sichtbaren Materie des Universums befindet sich
im Zustand eines Plasmas, so dass dies auch als „vierter
Aggregatzustand“ (neben fest, flüssig, gasförmig) bezeichnet
wird. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet
Gebilde, Geformtes. Plasma entsteht, wenn sich feste Materie
erhitzt – sie verwandelt sich erst in eine Flüssigkeit, dann
in ein Gas. Wird dem Gas weitere Energie zugeführt, wird es
elektrisch leitend. Im Plasma liegt meist ein Gemisch aus
positiv geladenen Ionen, Elektronen und Neutralteilchen vor.

In Bochum tut sich was

Die Bedeutung des Plasmas als Schlüsseltechnologie des 21.
Jahrhunderts ist längst erkannt. Allerdings können die
deutschen Hochschulen den Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs
nicht decken. Die Fakultät für Physik und Astronomie der
Ruhr-Universität setzt mit der Plasmaphysik einen
Schwerpunkt in Lehre und Forschung. Er ist nicht nur in
Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit und in Europa
einmalig. Zwei aufeinanderfolgende Sonderforschungsbereiche
(SFB 162 „Plasmaphysik Bochum/Jülich“ bis 1989 und aktuell
SFB 191 „Physikalische Grundlagen der
Niedertemperaturplasmen“) sind Ausdruck der Exzellenz in
Bochum. Ein dritter SFB ist derzeit in Vorbereitung. Die
RUB-Physiker kooperieren eng mit den Universitäten
Düsseldorf, Essen und Wuppertal sowie mit dem
Forschungszentrum Jülich. Gemeinsam haben sie das
Graduiertenkolleg „Hochtemperatur-Plasmaphysik“ eingerichtet
unter Federführung der Uni Düsseldorf. Als koordinierendes
Organ fungiert die "Arbeitsgemeinschaft Plasmaphysik" (APP)
mit Sitz an der RUB.

Fachübergreifende Plasmatechnik

Den hohen Stellenwert der Plasmaphysik am Standort Bochum
unterstreicht die RUB, indem sie zum Wintersemester
2002/2003 den fachübergreifenden Studiengang Plasmatechnik
einrichtet. Kompetenz in Plasmatechnik erfordert fundierte
Kenntnisse in Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau und
Chemie. In Zusammenarbeit dieser  vier  in Bochum
angesiedelten Fakultäten bietet damit die RUB jungen
Menschen eine Ausbildung auf diesem zukunftsträchtigen
Sektor. Ergänzt werden diese Aktivitäten durch ein „Center
of Excellence Plasmatechnik“, das zeitnah mit dem neuen
Studiengang die Arbeit aufnehmen soll.

Dem Nachwuchs eine Chance

Dem Nachwuchs eine Chance: Dieses Motto gilt insbesondere
für die Frühjahrstagung der DPG in Bochum. Die Veranstalter
animieren Diplomanden und Doktoranden, ihre Arbeiten
öffentlich vorzustellen und damit eine wissenschaftliche
Diskussion in breitem Umfeld anzustoßen. Die Tagungsgebühren
sind gering, damit möglichst viele Studierende teilnehmen
können. Gesellige „Brezel-Postersitzungen“ schaffen eine
entspannte Atmosphäre, in der junge Leute ihre
Forschungsergebnisse präsentieren.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jörg Winter, Lehrstuhl für Experimentalphysik
(Anwendungsorientierte Plasmaphysik), Fakultät für Physik
und Astronomie der RUB, NB 5/132, Tel. 0234/32-23693, Fax:
0234/32-14171, E-Mail: jw@plasma.ep2.ruhr-uni-bochum.de,
Internet: http://dpg2002.ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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