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(00234) 14.08.2001 13:45

Buchveröffentlichung: Patientenverfügung als Entscheidungshilfe


Bochum, 14.08.2001
Nr. 233

Selbstbestimmung in der Nähe des Todes
Patientenverfügung als Entscheidungshilfe
Jetzt erhältlich: Arbeitsbuch zur Vorbereitung

Mit ihrem jetzt erhältlichen Buch „Patientenverfügung und
Betreuungsvollmacht“ wollen Prof. Dr. Rita Kielstein
(Universität Magdeburg) und Prof. Dr. Hans-Martin Sass
(Zentrum für Medizinische Ethik, Ruhr-Universität Bochum)
allen, die beruflich mit Kranken und Sterbenden zu tun
haben, und vor allem medizinischen Laien eine Hilfe im
Umgang mit Sterben und Tod an die Hand geben. Die Autoren
referieren kritisch die deutsche und internationale
Diskussion um die Patientenverfügung und bieten
Vorbereitungsmaterial und Formularentwürfe an. Wieder
verfügbar ist auch das Buch „Die persönliche
Patientenverfügung. Ein Arbeitsbuch zur Vorbereitung mit
Bausteinen und Modellen“ in 2. überarbeiteter Auflage.

Mehr Angst vorm Sterben als vorm Tod

Viele Menschen fürchten den Prozess des Sterbens mehr als
den Tod. Sie wünschen sich menschliche, medizinische und
pflegerische Nähe in dieser Zeit. Sie fürchten vor allem,
dass Mediziner in den natürlichen Sterbeprozess eingreifen
und ihn unnötig verlängern. Die persönliche
Patientenverfügung kann Sicherheit geben: Sie sorgt dafür,
dass die Wünsche des Patienten auch in Situationen, in denen
er sich nicht selbst äußern kann, z. B. bei Unfall, Koma
oder unheilbarer Krankheit, respektiert werden. Einer
Meinungsumfrage der Deutschen Hospizstiftung zufolge wollen
80 Prozent der Bundesbürger eine solche Verfügung abfassen –
tatsächlich sind es aber nur sehr wenige, die es getan
haben. Krankheit, Sterben und Tod sind in unserer
Gesellschaft ein Tabu.

Laien behutsam ans Problem führen

Prof. Kielstein und Prof. Sass setzen sich in ihrer
Forschungsarbeit seit zehn Jahren bewusst mit diesem Tabu
auseinander. Mit ihren Veröffentlichungen wollen sie
medizinische Laien behutsam an die Problematik des Leidens
und Sterbens heranführen. In ihrem neuesten Buch legen sie
das Ergebnis ihrer medizinethischen und
patientenorientierten Forschungen vor. Sie referieren nicht
nur kritisch den aktuellen Stand der Diskussion sondern
stellen auch Vorbereitungsmaterial und Formularentwürfe vor.
Dabei berücksichtigen sie die neuen Richtlinien und
Handreichungen der Bundesärztekammer und die Gutachten und
Empfehlungen des Deutschen Juristentages 2000.

Vergriffenes Buch wieder erhältlich

Nachdem die erste Auflage von April 2001 schnell vergriffen
war, ist jetzt auch das Arbeitsbuch „Die persönliche
Patientenverfügung“ in 2. überarbeiteter Auflage wieder
erhältlich. Sieben Geschichten von Krankheit, Sterben und
persönlichen und ärztlichen Entscheidungskonflikten fordern
den Leser zur eigenen, fundierten Stellungnahme auf
(Beispiel siehe unten).

Menschlichkeit im Zeitalter der Apparatemedizin

Prof. Kielstein ist als Internistin und Nephrologin der
Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität in
Magdeburg auch Mitglied der dortigen Ethikkommission. Prof.
Sass ist Philosoph und Medizinethiker an der RUB und Senior
Research Scholar am Kennedy Institute of Ethics der
Georgetown Universität in Washington. Beide lehnen die
aktive Euthanasie ab, weil sie das Vertrauensverhältnis
zwischen Arzt und Bürger gefährden kann und leicht zu
Missbrauch führt. Sie fordern stattdessen eine verbesserte
Schmerz- und Leidensbehandlung – was auch eine Änderung der
Ausbildung von Medizinern und Pflegepersonal mit sich
bringen muss. Sie plädieren für eine menschliche Medizin für
das Zeitalter der Apparatemedizin.

Titelaufnahmen

Sass, Hans-Martin; Kielstein, Rita: Patientenverfügung und
Betreuungsvollmacht. Lit-Verlag Münster, Hamburg, London
2001, ISBN 3-8258-4986-4, 160 S.
Kielstein, Rita; Sass, Hans-Martin: Die persönliche
Patientenverfügung. Ein Arbeitsbuch zur Vorbereitung mit
Bausteinen und Modellen. 2. überarbeitete Auflage,
Lit-Verlag, Münster, Hamburg, London 2001, ISBN
3-8258-5427-2, 24 S.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Martin Sass, Zentrum für Medizinische Ethik,
Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-22750/-22749, Fax: 0234/32-14598, Email:
med.ethics@ruhr-uni-bochum.de oder über den Lit-Verlag,
Grevener Straße 179, 48159 Münster, Fax: 0251/231972

Beispielgeschichte

„Herr B. ist 79 Jahre alt und benötigt für alle
Verrichtungen des täglichen Lebens die Hilfe anderer. Er
kann zunehmend schlechter hören und sehen, er hat keine
Interessen mehr und ist häufig geistig verwirrt. Weil er
früher starker Raucher war, ist die Durchblutung seiner
Beine gestört; er kann nur wenige Meter ohne Schmerzen
laufen. Durch eine Gefäßoperation im Bauchraum könnten die
Schmerzen beim Gehen behoben werden. Herr B. ist nicht in
der Lage, sich zu den Vorteilen und Risiken des Eingriffs
sinnvoll zu äußern. Seine Kinder halten den geplanten
Eingriff für problematisch und neigen dazu, ihrem Vater die
Operation zu ersparen, da sie meinen, dass seine
Lebensqualität dadurch nur unwesentlich verbessert werden
würde. Herr B. selbst hat sich früher, als er noch
Situationen klar verstehen und auch in ihnen entscheiden
konnte, nie zu Fragen künftiger medizinischer Behandlungen
geäußert.“
1. Wenn Sie einmal in einer vergleichbaren Situation nicht
mehr entscheidungsfähig sind, wer soll stellvertretend für
Sie entscheiden? Der Arzt, Ihre Kinder, Ihr Partner, oder
eine andere Person? Wen möchten Sie nicht mit dieser
Verantwortung belasten?
2. Wenn jemand an „gesunden Tagen“ erklärt, dass er
bestimmte Behandlungen in bestimmten Situationen ablehnen
oder vorziehen würde, sollten Ärzte und Familie sich Ihrer
Meinung nach auch in „schlechten Tagen“ daran halten?
3. Wenn Sie in Herrn B’s Situation wären, wie sollte man für
Sie entscheiden?
Versetzen Sie sich in die Geschichte von Herrn B. und
schreiben Sie sie so um, dass die Behandlung Ihren Wünschen
und Vorstellungen entspricht!


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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