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(00222) 01.08.2001 14:19

MedRUBIN: Rückenschmerz muss nicht chronisch werden


Bochum, 01.08.2001
Nr. 223

Rückenschmerz muss nicht chronisch werden
Risikopatienten erkennen und behandeln
MedRUBIN: Zweites Sonderheft erschienen

Ob Rückenschmerzen chronisch werden oder nicht, hängt stark
von psychologischen Risikofaktoren ab: Depressive Stimmung,
Alltagsstress und ungünstige Schmerzbewältigung können dazu
beitragen. Ein am Institut für Medizinische Psychologie
(Prof. Dr. Monika Hasenbring) entwickeltes PC-gestütztes
Instrumentarium ermöglicht es Ärzten nun, Risikopatienten
frühzeitig zu ermitteln und entsprechend zu behandeln, damit
die Schmerzen nicht chronisch werden. Derart therapierte
Risikopatienten haben Studien zufolge eine dreimal höhere
Chance, langfristig wieder schmerzfrei zu werden.

Beitrag und Bilder im Netz

Beitrag und Bilder zum Herunterladen im Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/medrubin/artikel-fotos/medpsych.htm

Psychische Faktoren machen den Schmerz chronisch

„Mir geht’s nicht gut, ich hab’s im Kreuz“ – wer kennt das
nicht: Rückenschmerzen kommen und gehen wie eine Grippe. Zu
Anfang sind sie meist ein orthopädisches Problem. Jedoch
werden sie in etwa einem Drittel der Fälle chronisch, d. h.
sie dauern über drei Monate an. Beim Übergang vom akuten zum
chronischen Schmerz spielen psychologische Risikofaktoren
eine große Rolle. Depressive Stimmungen verringern z. B. die
Ausschüttung körpereigener Opiate, was den Patienten
schmerzempfindlicher macht. Anhaltender Stress erhöht
Studien zufolge die Aktivität der Rückenmuskeln im
Lendenbereich.

Gleich schlechte Extreme: Ängstlichkeit und Durchhalten

Ausschlaggebend ist auch, wie ein Patient Schmerzen
individuell bewältigt. Patienten, die sich ängstlich
schonen, vermeiden häufig möglichst körperliche und soziale
Aktivitäten. Das führt langfristig zu Muskelschwäche und
dadurch zu vorschnellen Schmerzen. Der Kreis schließt sich,
wenn Betroffene durch ihre selbstgewählte Isolation in
depressive Stimmung verfallen. Genauso schädlich ist ein
übertriebenes Durchhaltevermögen. Betroffene unterdrücken
den Schmerz in Gedanken und Verhalten und können keine
Entspannungspausen machen. Entweder haben sie dies nie
gelernt, oder sie haben Barrieren, deren Wurzeln in der
frühen Kindheit liegen: Wer immer zu hören bekommen hat,
dass „faul herumzuliegen unanständig ist“, der wird Probleme
haben sich zu entspannen.

Pause machen kann man lernen

Um Risikopatienten frühzeitig erkennen zu können, haben die
Psychologen nun ein Telemedizinisches
Patienten-Diagnose-System (TPDS) entwickelt. Es erlaubt
Ärzten in ihren Praxen, Rückenschmerzen zu diagnostizieren
und sich für die richtige Behandlung zu entscheiden. Besteht
das Risiko, durch vorübergehenden Stress am Arbeitsplatz
chronische Rückenschmerzen zu bekommen, kann schon eine
eingehende Beratung helfen. Bei lerngeschichtlichen Faktoren
wie einem ungünstigen Schmerzverarbeitungsverhalten ist eine
individuelle, verhaltenstherapeutische Behandlung notwendig.
In Einzel- oder Gruppengesprächen mit Schmerztherapeuten
können Patienten lernen, wie sie ihre Schmerzen im Alltag
besser bewältigen. Sie lernen z. B. muskuläre und mentale
Tiefenentspannung und wie sie effektive Pausen einlegen
können. Studien belegen bereits den Erfolg dieses Konzepts:
Während von einer Gruppe Risikopatienten ohne
Verhaltenstherapie 34 Prozent einen Antrag auf Frührente
gestellt hatten, waren es in einer Risikogruppe mit
Verhaltenstherapie nur acht Prozent.

MedRUBIN erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben
anderen Themen: Und immer ist der Arzt dabei (Chirurgie);
Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren
(Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie);
Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit
Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin);
Parkinsongenetik: Schutz und Vorsorge im Blick (Neurologie);
Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz);
„Hauptsache gesund“ (Humangenetik); Dicht am Herzschlag
(Biomedizinische Technik); Reparaturstrategien des Gehirns:
Schaden macht jung (Neurophysiologie); In der Bäckerhefe
Erbkrankheiten auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist
für 9 DM im Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich
(Tel. 0234/32-24960).

Weitere Informationen

Prof. Dr. Monika Hasenbring, Institut für Medizinische
Psychologie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-25439, Fax: 0234/32-14203, Email:
monika.hasenbring@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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