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(00184) 02.07.2001 12:55

Erklärung zum beginnenden AIDS-Kongress: mehr Frauen gefährdet


Bochum, 02.07.2001
Nr. 185

Mehr und mehr Frauen gefährdet
Auch Heterosexuelle zunehmend betroffen
Prof. Brockmeyers Erklärung zum beginnenden AIDS-Kongress


Weltweit leben über 36 Millionen Menschen, die das HI-Virus
in sich tragen. “ Gern übersehen wir dabei, dass mehr als
die Hälfte Frauen sind”, darauf weist Professor Dr. Norbert
Brockmeyer (Dermatologische Klinik im St. Josef Hospital,
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum) im Vorfeld des am
Mittwoch beginnenden AIDS-Kongresses in Berlin (4.-7. Juli
2001) hin. Wie der Vorsitzende der Deutschen
AIDS-Gesellschaft (DAIG) erklärt, habe die DAIG die
Arbeitsgruppe “All Around Women Special” gegründet.
Frauenspezifische Forschung, aber auch AIDS und
Schwangerschaft, sind zwei der wichtigsten Themen der
Arbeitsgruppe auf dem Deutschen AIDS-Kongress in Berlin.

20 Prozent der Aids-Infizierten sind Frauen

In Deutschland seien rund 20 Prozent aller mit dem
Aids-Virus Infizierten Frauen, so Prof. Brockmeyer. Die
Epidemie habe damit auch in Europa ein Stadium erreicht, in
dem die Krankheit alle angehe: Rund ein Fünftel der
Betroffenen seien Heterosexuelle. In Osteuropa liege der
Anteil der Frauen inzwischen schon bei 25 Prozent: “Auch der
Anteil der Heterosexuellen steigt dort weiter, er liegt bei
fast 40 Prozent”, sagte Prof. Brockmeyer. Ein Trend, der
auch in Deutschland ungebrochen ist. Im Jahr 2000 waren 25
Prozent der Neuinfizierten Frauen.

Frauen haben mehr „Viruslast“ und weniger Helferzellen

“Dies bedeutet für die gesamte Gesellschaft eine
Herausforderung”, mahnt Prof. Brockmeyer. Gleichzeitig sei
aber auch die Aidsforschung gefordert: “Frauenspezifische
Aspekte sind auch international häufig unterrepräsentiert.”
So wurde zum Beispiel bei HIV-infizierten Frauen eine höhere
“Viruslast” und niedrigere Zahl so genannter “Helferzellen”
(CD4-Zellen) nachgewiesen. Beides sind wichtige Indikatoren:
“Viruslast” bezeichnet die Anzahl der vorhandenen
Viruspartikel. Diese Zahl kann gemessen werden. Ihre Höhe
gibt Aufschluss darüber, ob die HI-Viren ausreichend von der
körpereigenen Abwehr bzw. dem für Aids typischen
individuellen Medikamenten-Cocktail unterdrückt werden.
Weiterer Indikator ist die Zahl der CD4-Zellen. Dies sind
vor allem Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen
Blutkörperchen, die auch Helferzellen genannt werden. Das
HI-Virus zielt insbesondere auf diese Zellen und kann sie
offenbar auch direkt töten. Je geringer die Zahl der
Helferzellen, desto stärker ist das menschliche Immunsystem
geschwächt.

Andere Therapieformen notwendig

Da bei Frauen beide Werte deutlich von denen der Männer
abweichen, könne man sich ausrechnen, dass dies auch Folgen
für den Fortschritt der Krankheit habe, und dass sich daraus
ebenso andere Therapieentscheidungen ergeben sollten.
Systematische Untersuchungen, die hierüber Aufschluss geben,
liegen aber nicht vor. Ebenso unklar sind die Neben- und
Wechselwirkungen der aktuellen antiretroviralen Therapien,
obwohl internationale klinische Studien Hinweise darauf
geben, dass bestimmte Medikamente bei Frauen andere
Nebenwirkungen hervorrufen als bei Männern. Mit zunehmender
Dauer der Behandlung werden sogar toxische Nebenwirkungen
der Therapien immer häufiger zum Thema. “Dies lässt nur
einen Schluss zu: Es besteht dringender Forschungsbedarf.”,
so Prof. Brockmeyer.

Frauenarbeitsgruppe schaut genau hin

Die in Bochum gegründete Arbeitsgruppe “All Around Women
Special” mit der Diplom-Psychologin Ulrike
Sonnenberg-Schwan, München, als Vorsitzender, Prof. Dr. med.
Gabriele Arendt, Düsseldorf, als Stellvertreterin und Dr.
med. Heidemarie Kremer, Herdecke, als wissenschaftliche
Beirätin hat aus diesen Gründen eine so genannte
multizentrische frauenspezifische Kohortenstudie begonnen,
mit der der Krankheitsverlauf bei Aids-Patientinnen genauer
beobachtet wird.

Erfolg: Geringeres Risiko für ungeborene Kinder

Ein wesentlicher Erfolg im Kampf gegen Aids gelang bei der
Behandlung von Schwangeren Aids-Patientinnen: “In
Deutschland wird Aids in der Schwangerschaft bei früher
Anbindung der Schwangeren an ein spezialisiertes HIV-Zentrum
quasi nicht mehr auf das ungeborene Kind übertragen”, sagt
Prof. Brockmeyer. Die Deutsche Aids-Gesellschaft hat ihre
Erfahrungen gemeinsam mit der Österreichischen
Aids-Gesellschaft (ÖAG) zu Therapieempfehlungen
ausgearbeitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie
in ihre Behandlungsempfehlungen aufgenommen (Prevention of
Mother-to-Child Transmission of HIV)

Mehr Mittel für die Aids-Forschung angemahnt

Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg dieser
“Transmissions-Prophylaxe” ist ein individuell auf die
Mutter abgestimmtes, interdisziplinär erarbeitetes
Vorsorgekonzept. Allerdings erfordert die Vorsorge eine
intensive Zusammenarbeit mit den Ärzten und unter Umständen
auch einigen finanziellen Aufwand. “Das Konzept lässt sich
deshalb nicht einfach zum Beispiel auf Afrika übertragen”,
sagt Professor Brockmeyer. Dabei wäre dies dringend
notwendig: “In einigen Ländern Afrikas sind beinahe die
Hälfte der Schwangeren HIV infiziert. Wenn Aids erfolgreich
bekämpft werden soll, benötigen wir dringend
Forschungsgelder, um an Verbesserungen und Vereinfachungen
weiterarbeiten zu können”, mahnte Professor Brockmeyer.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Dermatologische Klinik im St.
Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, 44799
Bochum, Tel. 0234/5090; E-Mail: n.brockmeyer@derma.de
Deutsch-Österreichische Empfehlungen zur HIV-Therapie in der
Schwangerschaft: http://www.daignet.de/Schwangeren.htm
Diagnostik und Behandlung HIV-diskordanter Paare mit
Kinderwunsch: http://www.daignet.de/diskorda.htm
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO): http://www.who.int





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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

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