[ vorherige ] [ nächste ] [ Übersicht nach Zeit ][ alphabetische Übersicht ]

(00176) 26.06.2001 14:19

Großangelegte Akupunkturstudie startet


Bochum, 26.06.2001
Nr. 177


500.000 Patienten lassen sich piesacken
Hilfe bei Kopf-, Rücken- und Arthroseschmerzen
Großangelegte Akupunkturstudie läuft an


Sie ist zwar eine der ältesten und verbreitetsten
Therapieformen überhaupt und mittlerweile auch hierzulande
gut akzeptiert, jedoch haftet der Akupunktur immer noch kein
einwandfreier Ruf an – jetzt kommt sie auf den Prüfstand. Ob
sie wirklich gegen chronische Schmerzen hilft,
möglicherweise sogar besser als Standardmethoden wie
Schmerzmittel, und welche der zahlreichen Akupunkturmethoden
am besten wirkt, wollen Mediziner mit Hilfe einer
großangelegten Studie herausfinden. Im März 2001 ist
„GERAC“, die German Acupuncture Trial angelaufen (Leitung
und zentrale Koordination: Abteilung Medizinische
Informatik, Biometrie und Epidemiologie, wissenschaftliche
Begleitung: Dr. med. Dipl.-Chem. Heinz Endres). In drei
Jahren sollen die ersten Ergebnisse von etwa 500.000
Patienten vorliegen.

Dauerhaftes Leiden ist häufig und teuer

Obwohl in Deutschland über 20.000 Ärzte verschiedene Formen
der Akupunktur anwenden und die Krankenkassen ca. 600 Mio.
DM jährlich an Kosten dafür übernehmen, fehlen gesicherte
Erkenntnisse aus ausreichend großen klinischen Studien zur
Wirksamkeit der Nadeln. Durch eine Kombination mehrerer
Einzelstudien wollen die Wissenschaftler nun Klarheit
schaffen. 500.000 Akupunkturpatienten aus ganz Deutschland
werden über drei Jahre hinweg mittels Meldebogen
registriert. Diese große Zahl ist vor allem wegen der
geringen Wahrscheinlichkeit ernsthafterer Nebenwirkungen
(ca. 1:20.000) notwendig. Alle Patienten leiden an
chronischen Schmerzen, d.h. ihre Beschwerden halten seit
mindestens sechs Monaten an. Chronische Schmerzzustände sind
das Hauptanwendungsgebiet der Akupunktur in der westlichen
Welt. Zugelassene Diagnosen sind neben fortdauernden
Kopfschmerzen (Migräne oder Spannungskopfschmerz) chronische
Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen durch Arthrose
(Gelenkverschleiß). Die Arthrose ist die teuerste Erkrankung
überhaupt, Lendenwirbelsäulenbeschwerden die häufigste.

Fragebögen geben Aufschluss

Eine bereits im Frühjahr angelaufene Studie soll Basisdaten
zur Anwendung der Akupunktur in Deutschland liefern: wie
häufig die Akupunktur bei welcher Diagnose zum Einsatz
kommt, die Geschlechts- und Altersverteilung der Patienten,
der Erfolg der Akupunkturbehandlung und wie häufig welche
Nebenwirkungen vorkommen. Jeder Patient erhält zehn
Akupunktursitzungen über einen Behandlungszeitraum von fünf
bis sechs Wochen. Direkt nach Abschluss der letzten
Akupunktursitzung füllt der Arzt einen Fragebogen aus, in
dem der Erfolg der Akupunktur und eventuelle Nebenwirkungen
dokumentiert sind. Zufällig ausgewählte zehn Prozent der
Patienten erhalten sechs Monate nach Beginn der Behandlung
noch einen zusätzlichen Fragebogen per Post, in dem sie ihre
eigene Einschätzung der Akupunktur und ihres Erfolges
angeben.

Vergleich: Standard oder Nadeln

Eine darin eingebettete zweite Studie mit 3600 Patienten
vergleicht die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer
Scheinakupunktur bei allen zugelassenen Diagnosen. Die
Akupunkturpunkte sowohl für die reguläre Akupunktur als auch
für die Scheinakupunktur wurden von verschiedenen
Akupunkturgesellschaften in Deutschland übereinstimmend
festgelegt. Für einen zusätzlichen Vergleich mit einer
etablierten Standardtherapie wird eine Gruppe von Patienten
ganz ohne Akupunktur nur mit Standardmitteln behandelt
werden. Patientinnen und Patienten, die an dieser zweiten
Studie teilnehmen, erhalten zufällig („randomisiert“) eine
der drei möglichen Behandlungen. Auch die randomisierten
Studie setzt auf Fragebögen; für den Arzt direkt nach Ende
der Behandlung und für den Patienten vor der Behandlung
sowie sechs Monate danach. Mit ersten aussagefähigen
Resultaten rechnen die Forscher für März 2004.

Weitere Informationen

Dr. med. Dipl.-Chem. Heinz Endres, Abteilung Medizinische
Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische
Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-26564, Fax: 0234/32-06564, Email:
heinz.endres@ruhr-uni-bochum.de, Internet:
http://www.gerac.de

--
RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB



zurück zur Übersicht nach Zeit | alphabetisch