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(00131) 14.05.2001 13:28

RUB-Studie zur Schallausbreitung der eigenen Stimme


Bochum, 14.05.2001
Nr. 132


Sich selbst woanders reden hören
Neues System „beamt“ einen Sprecher in virtuelle Räume
RUB-Studie zur Schallausbreitung der eigenen Stimme


Wie würde es sich für mich anhören, wenn ich vor einem
großen Hörsaal redete? Oder in einem Wohnraum? Dank eines
neuen Virtual-Realitiy Systems muss man zur Beantwortung
dieser Fragen nun nicht mehr dort hingehen, wo man sich
reden hören will, sondern kann in beliebige virtuelle Räume
hineinsprechen. Das neue System ist aus der Dissertation
„Eigenwahrnehmung der Stimme in auditiven virtuellen
Umgebungen“ von Dr.-Ing. Christoph Pörschmann (Fakultät für
Elektrotechnik und Informationstechnik, Institut für
Kommunikationsaktustik, Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Jens
Blauert) hervorgegangen.

Auf Tonband klingt man anders ...

„Mary had a little lamb” waren die ersten Worte, die der
älteste im Jahre 1877 von Thomas Edison gebaute Phonograph
wiedergab. Edison war damit der erste, der eine Tonaufnahme
seiner eigenen Stimme hören und feststellen konnte, dass
diese verglichen mit seiner Wahrnehmung während des
Sprechens fremd und verändert klang. Dies lag keineswegs nur
in der schlechten Aufnahme- und Wiedergabetechnik begründet;
auch heutzutage machen wir beim Abhören von qualitativ
hochwertigen Aufnahmen unserer eigenen Stimme dieselbe
Erfahrung.

... weil die Stimme mehrere Wege zum Ohr nimmt

Für die Eigenwahrnehmung der Stimme sind mehrere
Ausbreitungswege von Bedeutung: Die Knochenschallleitung
innerhalb des Kopfes und der Luftschall zwischen Mund und
Ohr inklusive der Reflexionen des Stimmschalls an Wänden in
der Umgebung. Während des Sprehens wird die eigene Stimme
anders als beim Hören einer Tonbandaufnahme wahrgenommen, da
eine Tonbandaufnahme nur den Luftschall, nicht aber den
Knochenschall erfasst.

In virtuelle Räume hineinsprechen

In seiner Dissertation, deren Untersuchungen von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurden,
ermittelte Pörschmann erstmals ein geschlossenes Modell der
beim Sprechen relevanten Schallausbreitungswege. Auf der
Basis seiner Ergebnisse erweiterte er ein bereits
bestehendes Virtual-Reality System so, dass es den Benutzer
in eine simulierte akustische Umgebung versetzen kann. Mit
Hilfe des Systems kann er in beliebige virtuelle Räume z.B.
in einen großen Hörsaal oder auch einen Wohnraum
„hineinsprechen“ und die eigene Stimme so hören, wie er es
in einer entsprechenden realen Umgebung tun würde.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Die Anwendungsgebiete dieser neuen Technik liegen in einer
Vielzahl von Virtual-Reality Systemen, bei denen
Sprachkommunikation erforderlich ist. So kann sie z.B. bei
zukünftigen Telekonferenzen nutzen: Wenn sich die Teilnehmer
in die virtuelle Umgebung hineinversetzt fühlen sollen, ist
es erforderlich, jedem Sprecher auch die eigene Stimme
adäquat darzubieten.

Weitere Informationen

Dr.-Ing. Christoph Pörschmann, Th.-Heuss-Str. 121, 45966
Gladbeck,  Tel. 0178/8700235, Fax 089/2443 33579, Email:
C.Poerschmann@web.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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