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(00122) 08.05.2001 11:59

Renomierter Akustik-Preis für RUB-Kommunikationswissenschaftlerin


Bochum, 08.05.2001
Nr. 123

Geräusche und Sprachqualität analysieren ...
... mit Instrumenten aus der Semiotik
Lothar-Cremer-Preis für interdisziplinäre Arbeit


Von jenseits des Tellerrandes kam die Germanistin PD Dr.
habil. Ute Jekosch ans Institut für Kommunikationsakustik
(Leiter: Prof. Dr.-Ing. Jens Blauert, Fakultät für
Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB) und lieferte
den Ingenieuren hervorragende neue Ideen: Sie wandte z. B.
Modelle aus der Semiotik auf das technische Problem der
„Product-Sound-Quality“ an. Außerdem entwickelte sie einen
Test zur Sprachtechnologie-Evaluation. Für ihre
herausragende interdisziplinäre Arbeit wurde sie nun von der
Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) mit dem
Lothar-Cremer-Preis ausgezeichnet.

Bild im Netz

Ein Foto (Porträt von Frau Jekosch) zu dieser Presseinfo
finden Sie im Internet unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen/ (heutiges
Datum)

Assoziationen vereitelten Geräuschbeurteilung

Beim Design und der Beurteilung der Geräusche industrieller
Produkte nutzen die Ingenieure seit einigen Jahren
erfolgreich Methoden der Psychoakustik. Diese Wissenschaft
geht davon aus, dass die Hörer die Geräuschquelle nicht
kennen und das Geräusch somit unvoreingenommen beurteilen
können. An ihre Grenze stoßen die Ingenieure dabei, wenn die
Hörer den Geräuschen Bedeutungen zuordnen, die sie dann in
deren Beurteilung miteinbeziehen. An dieser Stelle setzte
Ute Jekosch an: Erstmalig übertrug sie aus den
Kommunikationswissenschaften stammende semiotische Modelle
auf das technische Problem. So hat sich etwa das Modell des
semiotischen Dreiecks, das über das bei den Ingenieuren
übliche Sender-Empfänger-Modell hinausgeht, inzwischen in
ingenieurtechnischen Aufgaben bewährt. Mehrere Bochumer
Dissertation haben schon entscheidend von dieser Neuerung
profitiert.

Warum wir synthetische Sprache schlechter verstehen

Eine Besonderheit stellt auch ihre Habilitationsschrift dar,
in der sie ein komplexes System von Komponenten und ihren
Wechselbeziehungen vorstellt, die an der Entstehung von
Sprachqualität beteiligt sind. Ihre Studie deckt z. B. auf,
dass die Ähnlichkeit von Konsonanten, die vor einem Vokal
stehen, in der natürlichen Sprache anders ist als in
synthetischer Sprache. Damit wird auch zum ersten Mal
messbar, warum das Verstehen synthetischer Sprache anders –
meistens schwieriger – ist, als das der natürlichen Sprache:
Die Schwierigkeiten beginnen bereits auf Lautebene. Nach
einer Gewöhnungsphase fällt das Verstehen meist leichter.

Qualität zeigt sich in der Anwendung

Mit der Verständlichkeit von Lauten befasst sich Ute Jekosch
schon seit längerer Zeit: Bereits 1992 entwickelte sie den
CLID-Test. Dieses Verfahren zur Messung der
Lautverstehbarkeit kann automatisiert betrieben werden. Die
Testpersonen antworten in offener Antwortform. Dadurch, dass
der Test die Auswertung nach Laut-Clustern getrennt erlaubt,
liefert er Ergebnisse mit hohem diagnostischen Wert für die
Qualitätsmessung von Sprachtechnochnologie. Die wichtigste
Schlussfolgerung aus ihrer Arbeit ist, dass sich Qualität
erst bei der Anwendung ereignet und auch erst dort messbar
ist.

Weitere Informationen

PD Dr. Ute Jekosch, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Elektrotechnik und Informationstechnik, Institut für
Kommunikationsakustik, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22493,
Fax: 0234/32-14165, Email: jekosch@ika.ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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