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(00115) 02.05.2001 12:10

Chinas erster Luftbildatlas


Bochum, 02.05.2001
Nr. 116

Chinas erster Luftbildatlas
Schutz des archäologischen Erbes
RUB-Archäologen werteten 650 Luftbilder aus


Archäologen der Ruhr-Universität Bochum haben einen
archäologischen Meilenstein gesetzt: Als Ergebnis eines
Forschungsprojekts des Instituts für Ur- und Frühgeschichte
(Prof. Dr. Volker Pingel, Fakultät für
Geschichtswissenschaft der RUB) sind ein prachtvoller
Luftbildatlas und ein umfassendes Handbuch zur
Luftbildarchäologie Chinas erschienen. Die Forscher werteten
dafür etwa 650 Luftbilder aus mithilfe eines EDV-Verfahrens,
das sie in Bochum entwickelt haben. Die VolkswagenStiftung
unterstützte das Projekt für mehrere Jahre mit erheblichen
Mitteln.

Fotos im Internet

Zwei Fotobeispiele aus dem Atlas stehen im Internet zum
Herunterladen bereit unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen/ (heutiges
Datum). Das Luftbild von 1975 zeigt den Doppelgrabhügel
“Zwei Könige” bei Linzi, Provinz Shandong, das Foto aus dem
Jahr 1999 belegt, dass dieser Grabhügel noch gut erhalten
ist.

500 km2 unter der Lupe

Zusammen mit dem Archäologischen Institut der Provinz
Shandong haben die RUB-Forscher Ende letzten Jahres den
umfangreichen und großformatigen Atlas fertig gestellt. Er
erfasst exemplarisch das Gebiet um die alte Hauptstadt des
Qi-Staates (9. bis 3. Jahrhundert vor Christi)), heute
Linzi, mit einer Fläche von ca. 500 km2. Etwa 650 alte,
teils militärische Luftbilder von 1928 bis 1938 sowie
Vermessungsluftbilder von 1975 haben die Wissenschaftler
zusammengetragen. Mit einem EDV-Verfahren, das an der RUB
entwickelt wurde, haben sie diese Bilder bearbeitet,
vereinheitlicht und angeglichen. So entstanden 150 genormte
Luftbildpläne mit den dazugehörigen Kartenauswertungen.

Erstaunliche Ergebnisse

Die Auswertung der Daten brachte ein erstaunliches Ergebnis:
1938 waren noch fast 2.900 archäologische Geländeobjekte auf
den Bildern sichtbar, wobei es sich neben einigen alten
Stadtbefestigungen hauptsächlich um Grabhügel handelte. Auf
den Fotos von 1975 sind nur noch 445 davon erkennbar. Eine
Überprüfung des Geländes im Jahr 1999 ergab, dass insgesamt
nur noch knapp 150 Anlagen erhalten sind. Im Verlauf der
letzten 60 Jahre sind fast 95 Prozent der Monumente
verschwunden. Als Ursachen sehen die Forscher Überackerung,
Materialentnahme und Überbauung.

Schutz des Erbes

Alle 2.900 Fundstellen von 1938 konnten die Forscher auf
ihren aktuellen Karten lokalisieren. Probeuntersuchungen
haben 1999 zudem gezeigt, dass bei einem Großteil davon die
unterirdisch angelegten Grabkammern und deren Ausstattungen
noch erhalten sind. Der Luftbildatlas ermöglicht, jede
dieser Fundstellen ganz konkret zu schützen vor weiteren
Beschädigungen und eventuell wissenschaftlich zu
untersuchen. Der Atlas ist somit ein Anfang, um das
reichhaltige archäologische Erbe Chinas zu bewahren. Die
Forscher hoffen, dass das Werk die zuständigen chinesischen
Stellen animiert, möglichst viele Nachfolgeatlanten zu
erstellen.

Archäologische Grundlagen gelegt

Die Voraussetzungen dazu hat das Bochumer Projekt
geschaffen. Die Forscher haben modern ausgestattete Labors
für Luftbildarchäologie eingerichtet, sowohl in Peking wie
auch in der Provinz Shandong. Und sie haben junge
chinesische Archäologen in Theorie und Praxis geschult der
Luftbildarchäologie geschult – damit der erste Luftbildatlas
Chinas nicht der Einzige bleibt.

Titelaufnahme

Li Chuanrong u. Volker Pingel, (Hrsg.), The Archaeological
Aerial Photo-Atlas of Linzi, China. The Topographical
Publishing House of Shandong Province, Jinan 2000.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Volker Pingel, Fakultät für Geschichtswissenschaft
der RUB, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte, GA 6/56, Tel.
0234/32-28546, Fax: 0234/32-14240, eMail:
volker.pingel@ruhr-uni-bochum.de




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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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