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(00063) 09.03.2001 12:21

Übelkeit und Erbrechen nach Operationen


Bochum, 09.03.2001
Nr. 64

Das „big little problem“ der Anästhesie
Übelkeit und Erbrechen nach Operationen
RUB-Studie entlarvt Risikofaktoren


Eine meist harmlose, für den Patienten aber äußerst
unangenehme Begleiterscheinung von Operationen unter
Vollnarkose sind Übelkeit und Erbrechen nach dem Aufwachen,
das sogenannte PONV (postoperative nausea and vomiting). Die
Ergebnisse der Studie „Häufigkeit und Risikofaktoren für
postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) nach
Allgemeinanästhesie bei orthopädischen,
allgemeinchirurgischen und plastisch-chirurgischen
Patienten“ von Dr. Christian Zimmer sollen Ärzten helfen,
bei Risikopatienten gezielt vorzubeugen. Ängstlichkeit vor
dem Eingriff, Reisekrankheit und früher aufgetretenes PONV
sowie weibliches Geschlecht erhöhen das Risiko für PONV. Die
RUB-Dissertation von Dr. Zimmer entstand am in der Klinik
für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im
Bergmannsheil Bochum - Klinikum der RUB (Direktor: Prof. Dr.
Michael Zenz).

Harmlos aber unangenehm

Wirklich risikoreich sind Operationen unter Vollnarkose für
den Patienten heute nicht mehr: Während noch in den 1940er
Jahren das Risiko, an den Komplikationen einer Narkose zu
sterben 1:1000 betrug, liegt es aufgrund besserer Techniken
und intensiverer Überwachung heute nur noch bei 1:250.000.
Zum vordringlichen Problem sind daher die unangenehmen
Nebenwirkungen von Narkosen geworden, vor allem
postoperative Schmerzen und PONV. Auch hier sieht es heute
besser aus als zur Zeit der Äther-Narkosen, bei denen
Übelkeit und Erbrechen mit 70-80prozentiger Häufigkeit
beinahe unvermeidlich war. Trotz neuer Medikamente beträgt
die durchschnittliche Häufigkeit heute jedoch noch immer
20-40 Prozent.

Frauen und ängstliche Menschensind Risikopatienten

Um herauszufinden, welche Patienten für PONV besonders
gefährdet sind, und sie dann zukünftig prophylaktisch
dagegen wappnen zu können, hat Dr. Zimmer 215 Patienten zu
ihrem Befinden vor und während der ersten 24 Stunden nach
der Operation befragt und beobachtet. Insgesamt traten bei
14,9 Prozent aller Patienten Übelkeit, in 4,7 Prozent der
Fälle Erbrechen auf. Frauen haben ein vier bis fünfmal
höheres Risiko als Männer. Ebenso viel höher ist das Risiko
bei Patienten, die bereits bei einer früheren Operation
darunter zu leiden hatten oder für Reisekrankheit anfällig
sind. Auch die Ängstlichkeit des Patienten spielt eine
Rolle: Von den Patienten, die auf einer Skala von Null bis
Zehn ihre Ängstlichkeit vor der Operation gering
eingeschätzt hatten, litten 9,8 Prozent unter PONV, von den
mittelmäßig Ängstlichen 26,1 Prozent und von den sehr
Ängstlichen 31,3 Prozent.

Alter und Art der Operation sind ausschlaggebend

Die Art des chirurgischen Eingriffs hat ebenfalls Einfluss
auf das PONV-Risiko in dieser Untersuchung. Am höchsten ist
es bei allgemeinchirurgischen Eingriffen, am niedrigsten bei
orthopädischen Operationen. Auch Alter und
Nichtraucherstatus spielen eine Rolle: Sehr kleine Kinder
haben wenig zu leiden, am schlimmsten trifft es Kinder
zwischen sechs und 16 Jahren. Im Seniorenalter geht das
Risiko dann wieder stark zurück. Nichtraucher haben aus
unbekannter Ursache ein höheres Risiko als Raucher. Weiß man
im Vorhinein, dass eine Person ein erhöhtes PONV-Risiko hat,
kann man durch die gezielte Auswahl der Narkose (wenn
möglich, regionale Anästhesieverfahren wie z. B.
Rückenmarksnarkose) und die prophylaktische Gabe von
Medikamenten die Häufigkeit und Schwere von Übelkeit und
Erbrechen deutlich vermindern.

Weitere Informationen

Dr. Christian Zimmer, Adlerstraße 20, 44867 Bochum, Email:
ch.zimmer@gmx.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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