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(00340) 29.11.2000 13:50

RUBIN 2/00: Biopsychologen übten sich als Vogeleltern


Bochum, 29.11.2000
Nr. 337

Von der Schlauheit der „diebischen Elster“
Vögel erkennen sich selbst im Spiegel
RUBIN 2/00: Biopsychologen übten sich als Vogeleltern


Von der sprichwörtlichen Klugheit der Elstern überzeugten
sich die Bochumer Biopsychologen (Dr. Helmut Prior am
Lehrstuhl von Prof. Dr. Onur Güntürkün). Die Forscher wurden
für acht kleine Elstern zu Zieheltern. Ihr
Rund-um-die-Uhr-Einsatz für die Brut wurde durch
außergewöhnliche Ergebnisse belohnt: Die schlauen Vögel
können nicht nur schon sehr früh gezielt nach Gegenständen
suchen, die man vor ihnen versteckt – was außer ihnen nur
Menschen, Menschenaffen und Hunde vermögen – sie erkennen
sich auch selbst im Spiegel. Über die Ergebnisse dieser
Forschungen berichtet RUBIN 2/2000 - Wissenschaftsmagazin
der RUB, das in den nächsten Tagen erscheint und ab Montag
versandt wird.

Fotos im Netz

Zu dieser Presseinformation gibt es drei Bilder, die Sie
unten finden und herunterladen können

Schon früh meisterhaft im Wiederfinden

Ihren Ruf als lernfähiger, schlauer und diebischer Vogel hat
die Elster zu recht: Ihr Gehirn zählt zu den
höchstentwickelten unter den Singvögeln. Eine
vielversprechende Voraussetzung für die Experimente der
Biopsychologen. Sie brauchten nur vor die Tür ihres Labors
zu gehen um Elsternnester zu finden. Mit behördlicher
Genehmigung wählten sie acht Junge aus zwei Nestern aus und
zogen sie selbst groß – eine anstrengende Angelegenheit,
denn acht kleine Vögel haben immer Hunger. Schon in den
Kinderschuhen bewiesen die Kleinen ihre besonderen
Fähigkeiten: Schneller als andere Vögel besaßen sie die
sogenannte Objektpermanenz, d.h. sie suchten gezielt
Gegenstände, die man vor ihnen versteckt hatte, selbst dann,
wenn der Gegenstand von einem Versteck in ein anderes
befördert worden war, ohne auf dem Weg dorthin sichtbar zu
sein. Diese Fähigkeit brauchen die Elstern dringend zum
Überleben, denn sie horten Futter für den Winter in
Verstecken und müssen es dort wiederfinden. Nach zehn
Lebenswochen, wenn sie ein eigenständiges Leben beginnen,
sind sie Meister darin.

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Diese Leistungen der Elstern, und ihre Fähigkeit,
Artgenossen individuell zu erkennen, brachte die Forscher
auf die Idee, dass Elstern möglicherweise sogar eine
Vorstellung von sich selbst haben könnten. Das
herauszufinden ist nicht einfach, denn die Kommunikation mit
Tieren ist sehr eingeschränkt. Mit Hilfe ausgeklügelter
Experimente gelang es jedoch, das Verhältnis der Vögel zu
ihrem Spiegelbild näher zu bestimmen. Anders als z. B.
Wellensittiche, die auch nach Jahren einen Spiegel in ihrem
Käfig noch als Artgenossen behandeln, zeigten die Elstern
ein eher neugieriges, erkundendes Verhalten. Sie gingen vor
dem Spiegel auf und ab, präsentierten sich davor mit
Gegenständen und wagten einen Blick hinter das Bild.
Gegenstände, die nur im Spiegel für sie sichtbar waren,
erkannten sie gut. Spiegelte sich eine Schachtel mit Futter,
gingen sie hin, war die Schachtel im Spiegel leer,
ignorierten sie sie zumeist. Aufschlussreich war schließlich
auch der „Markierungstest“, bei dem die Elstern mit einem
roten bzw. zum Vergleich mit einem (auf schwarzen Federn
unsichtbaren) schwarzen Fleck unter dem Schnabel markiert
wurden, den sie nur im Spiegel sehen konnten. Die rot
markierten Elstern begannen sich nach einem Blick in den
Spiegel häufig zu putzen. Zeigte man ihnen zur Kontrolle
Bilder, ausgestopfte oder lebende markierte oder nicht
markierte Elstern hinter einer Glasscheibe anstatt des
Spiegelbildes, reagierten sie nicht.

Außerdem in RUBIN 2/00
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 2/00, wo Sie
außerdem folgende Themen finden: Wenn der Whisky ins Glas
rieselt – na dann prost!; Netzwerksicherheit – (k)ein Thema
für Sozialwissenschaftler; Geographie des Protestantismus:
Zahlen versus Mythen; Den alten Hüttenleuten auf die Finger
geschaut; Antibiotikaresistenz: „Fünf vor zwölf“ für neue
Strategien. RUBIN ist bei der Pressestelle für 5,-
erhältlich und steht im Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm

Weitere Informationen

Dr. Helmut Prior, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Psychologie, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26804, Fax:
0234/32-14377, E-Mail: helmut.prior@ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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