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(00289) 22.11.1999 12:54

Zwei RUB-Wissenschaftler mit BioFuture-Preis ausgezeichnet


Bochum, 22.11.1999
Nr. 280

Tumorsuppressorgen auf der Spur 
Mit Computern Bewegungen und Handlungen erkennen 
Zwei RUB-Wissenschaftler mit BioFuture-Preis ausgezeichnet


Gleich zwei RUB-Wissenschaftler befanden sich unter den 23
Preisträgern (aus mehr als 600 Bewerbungen), die in der
vergangenen Woche beim BioFuture-Wettbewerb für
Nachwuchswissenschaftler des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung (BMBF) ausgezeichnet wurden:  Dr. Markus Lappe
(Neuro-biolo-ge, Fakultät für Biologie der RUB) hat sich mit
seinem Preisgeld von knapp 3 Mio. DM das Ziel vorgenommen,
ein Computermodell zu entwickeln, das menschliche Bewegung
und Handlung erkennen kann. Der Mediziner Dr. Stephan Hahn
(Medizinische Klinik im Knappschaftskrankenhaus
Bochum-Lan-gendreer - Klinikum der RUB) macht sich mit
seinen 2,7 Mio. DM daran, diejenigen Gene bzw. Eiweißstoffe
zu identifizieren, die vom Tumorsuppressor-gen-DPC4
reguliert werden. Dieses Gen ist am Entstehen von Tumoren
der Bauchspeicheldrüse und des Dickdarms beteiligt. 

Krebs früher erkennen und besser therapieren

Der Bochumer Mediziner Dr. Stephan Hahn (Mitarbeiter von
Prof. Dr. Wolff-Helmut Schmiegel, Direktor der Medizinischen
Klinik im Knappschaftskranken-haus Bochum-Langendreer -
Klinikum der RUB) hat kürzlich das Tumorsuppres-sorgen DPC4
identifiziert. Es ist besonders an der Entwicklung von
Tumoren der Bauchspeicheldrüse und des Dickdarms beteiligt.
In diesen Tumoren scheint der Funk-tionsverlust des
DPC4-Gens insbesondere die Fähigkeit der Tumorzelle zu
steigern, in benachbarte Organe einzudringen bzw. Metastasen
zu bilden. Das Gen ist aber auch an anderen zentralen
biologischen Prozessen, z.B. der Embryonalentwicklung, der
Immunantwort und der Skelettbildung beteiligt. In einem
Labor der Bochumer Klinik hat Dr. Hahn mit seiner Kollegin
Dr. Irmgard Schwarte-Waldhoff ein spezielles
Zellkultursystem etabliert, mit dem sie in bestimmten
Krebszellen die fehlende DPC4-Funktion wieder herstellen
konnten. Nun will er mit dem Preisgeld eine Forschergruppe
aufbauen, die mit Hilfe dieses Systems diejenigen Gene und
Eiweißstoffe identifizieren soll, die durch das
Tumorsuppres-sorgen-DPC4 reguliert werden. Aus diesen
Arbeiten könnten ein frühzeitiger Nachweis von Krebszellen
aber auch pharmakologische Ansätze für Tumorthe-rapien
hervorgehen. 

Computer sollen menschliche Bewegungen erkennen können

Maschinen werden immer schlauer, Computer können sehen,
Gesichter erkennen und Fingerabdrücke lesen. Bald sollen sie
auch erkennen, was eine Person tut oder wohin sie gerade
geht. Daraufhin arbeitet der Bochumer Neurobiologe Dr. Lappe
(Mitarbeiter von Prof. Klaus-Peter Hoffmann, Fakultät für
Biologie der RUB). Bis dahin ist es allerdings noch ein
langer Weg. Gehirne von Menschen und Tieren haben unter dem
Druck der Evolution - etwa, um Feinde oder Beute rechtzeitig
zu erkennen -, äußerst leistungstungfähige Mechanismen
entwickelt, um die Bewegung anderer Lebewesen schnell und
sicher zu bestimmen. Für die Computer sind diese Bewegungen
noch zu kompliziert. Dr. Lappe macht sich nun mit dem
Preisgeld daran, diese Bewegungsmuster genauer zu
analysieren und neue Algorithmen für das Computersehen zu
finden. Sein Ziel ist ein Computermodell, das nach
neurobiologischen Prinzipien funktioniert und Bewegungen
sowie Handlungen identifiziert. Ein solches System bietet
ausgezeichnete Perspektiven für technologische Anwendungen,
z.B. für intelligentere Mensch-Maschine-Schnittstellen,
automatische Kontrollsysteme etwa in Parkhäusern oder Banken
und für medizinische Trainings- und Rehabilitationsmaßnahmen
bei motorischen Störungen. Übrigens: Über seine Arbeit
berichtete Dr. Lappe in RUBIN, Wissenschaftsmagazin der  der
Ruhr-Universität (2/97, Ausgabe November 1997, siehe:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_97/rubin4.htm ).

Aus der BMBF-Info

In zwei Ausschreibungsrunden hat die unabhängige und auch
international besetzte Jury aus über 600 Bewerbungen
insgesamt 23 Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt,
die interdisziplinäre Forschungsvorhaben in einer eigenen
Arbeitsgruppe für die Dauer von 5 Jahren durchführen. Die
Bewerberinnen und Bewerber mussten bereits über
Vorerfahrungen in der Leitung einer Arbeitsgruppe verfügen.
Bevorzugt wurden Vorhaben an den Schnittstellen der Biologie
zu ihren Nachbardisziplinen gefördert. Der
Nachwuchswettbewerb löste eine beeindruckende Resonanz im
In- und Ausland aus. Unter den über 800 Bewerbungen aus drei
Ausschreibungsrunden wurden 123 Projektskizzen von deutschen
Forscherinnen und Forschern eingesandt, die zum Zeitpunkt
der Antragstellung im Ausland tätig waren. Darüber hinaus
zog der Wettbewerb auch ausländische Bewerberinnen und
Bewerber an: von 72 eingesandten Projektskizzen durch
ausländische Bewerber wurden 7 zur Antragstellung
aufgefordert; drei Forscherinnen und Forscher aus dem
Ausland wurden am Ende des Verfahrens ausgezeichnet, also
ca. 10 % der Preisträger.

Weitere Informationen

Dr. Stephan Hahn, Medizinische Klinik im
Knappschaftskranken-haus Bochum-Langendreer - Klinikum der
RUB, 0234/299-3463, -3401

Dr. Markus Lappe, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Biologie, 0234/32-24350, -24363 Fax: 32-14185, E-Mail:
Lappe@neurobiologie.ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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