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TERMIN-BERICHTIGUNG - Welttag des Stotterns: 22. Oktober 1998!
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From: "Josef Koenig" <Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de>
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Date: Fri, 16 Oct 1998 15:17:37 +0100
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Bochum, 16.10.1998
Nr. 217a
TERMIN-BERICHTIGUNG
Erstmals Welttag des Stotterns - am 22. Oktober 1998!
Deutsche Forschergruppen plädieren für frühe Behandlung
Bitte, notieren Sie folgende Berichtigung: Das Datum des ersten
Welttags des Stotterns (International Stuttering Awareness Day) ist
der 22. Oktober 1998 (und nicht wie gestern irrtümlich gemeldet der
20. Oktober 1998). Dieser Tag wurde von den weltweiten Verbänden der
Betroffenen und Fachleuten gemeinsam ausgerufen, um auf die
Bedürfnisse stotternder Menschen aufmerksam zu machen. Trotz
zahlreicher negativer Konsequenzen für die Betroffenen findet diese
Störung kaum Beachtung in der Gesellschaft. Auch die drei
Forschungsgruppen aus Deutschland, darunter die an der
Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Hans-Georg Bosshardt, Fakultät für
Psychologie), die sich speziell mit dieser Störung beschäftigen,
weisen aus diesem Grunde auf dieses Ereignis hin.
800.000 allein in Deutschland betroffen
Stotternde Menschen sind in ihrer sprachlichen Kommunikation ohne
eigenes Verschulden meist schwer beeinträchtigt. In Deutschland
stottern etwa 800.000 Menschen. Die Tatsache, daß jemand stottert,
erlaubt keine Rückschlüsse auf den Charakter, die Persönlichkeit, die
Intelligenz oder die familiäre Situation des Betroffenen. Das Stottern
wirkt sich häufig negativ auf die Berufschancen, soziale Kontakte und
die persönliche Entwicklung aus.
Therapie für den Alltag
Wenn die Störung bereits in früher Kindheit kompetent behandelt wird,
so ist die Behandlung wesentlich wirksamer und weniger aufwendig als
Behandlungen, die erst später durchgeführt werden.
Sprachtherapeutische Behandlungen im Erwachsenenalter umfassen in
vielen Fällen 100, in einigen Fällen auch mehr Stunden. Gute Therapien
enthalten Übungsteile, in denen die in der Therapie vermittelten
Fertigkeiten im Alltag oder in alltagsnahen Situationen geübt werden,
und befähigen die Betroffenen auch, mit eventuellen Rückschlägen nach
Abschluß der Therapie umzugehen.
In Deutschland gibt es nur drei Forschergruppen
Seit etlichen Jahrzehnten beschäftigen sich weltweit Forscher mit dem
Stottern. Trotzdem stehen befriedigende Antworten auf viele Fragen
nach den Ursachen der Störung und den effektivsten
Behandlungsmöglichkeiten noch aus. Während die ersten
wissenschaftlichen Arbeiten zum Stottern Anfang dieses Jahrhunderts
aus Deutschland stammen, betreiben hier zur Zeit nur drei Gruppen in
Bochum, Düsseldorf und Ulm empirische Forschung zum Stottern. Im
Verhältnis zur Verbreitung des Stotterns sind diese
Forschungsbemühungen als gering anzusehen. Dies trifft insbesondere
für die Stottertherapie zu, bei der hierzulande weitgehend
Forschungsabstinenz herrscht. Es gibt zahlreiche Therapieansätze, die
als erfolgreich angesehen werden, aber kaum eine Therapie ist in ihrer
Wirkung wissenschaftlich untersucht worden.
Defizite in Forschung und klinischer Ausbildung
In Deutschland konzentriert sich die Stotterforschung im Wesentlichen
auf die Untersuchung von Einflüssen der Sprachentwicklung und der
intrafa-miliären Interaktion (Ulm), der Sprechmotorik (Düsseldorf) und
der Sprechplanung und des Gedächtnisses (Bochum). Damit werden
wesentliche Komponenten der Verursachung und Aufrechterhaltung des
Stotterns in Deutschland grundlagenwissenschaftlich untersucht. Aber
im Vergleich mit den USA und den Niederlanden sind die damit befaßten
Forschungsgruppen sehr klein, und die Anzahl der aus Deutschland
stammenden internationalen Forschungsarbeiten ist verschwindend
gering. Im Unterschied zu den genannten Ländern fehlen darüber hinaus
eine Anbindung dieser Forschungen an die therapeutische Praxis und
therapiebezogene Forschungen.
Selbsthilfegruppen organisieren sich interdisziplinär
Sowohl die Benachteiligung stotternder Menschen in unserer
Gesellschaft als auch die mangelhafte Forschungssituation bezüglich
des Stotterns sollten hierzulande größere Beachtung finden. Erstmals
hat sich eine Organisation der Betroffenen, die Bundesvereinigung
Stotterer-Selbsthilfe in Köln, dieses Problems angenommen. Es wurde
eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe aus klinisch
arbeitenden Psychologen, Ärzten, Logopäden, Pädagogen und Forschern
gebildet, die Meßinstrumente zur Bewertung von Stottertherapien
entwickelt und Therapien bewerten wird. Die Arbeit dieser Gruppe soll
eine nachhaltige Verbesserung der therapeutischen Versorgung und eine
Verbesserung des therapeutischen Standards bewirken.
Seit 1. Oktober On-line-Konferenz im Internet
Anläßlich des Welttags des Stotterns läuft seit dem 1. Oktober eine
On-line-Konferenz im Internet, bei der Betroffene und Fachleute mit 50
Beiträgen aus 14 Ländern vertreten sind. Dort besteht die Möglichkeit,
mit den Autoren zu diskutieren
(http://www.mankato.msus.edu/dept/comdis/isad/isadcon.html).
Ansprechpartner
Weitere wertvolle Hinweise zum Thema Stottern finden Sie auf den
Internetseiten der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe unter
http://www.hsp.de/bvss/.
Prof. Dr. H.-G. Bosshardt, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Psychologie, Postfach 102148 D-44780 Bochum, Tel.: 0234-7007338,
e-mail: hgb@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de, Forschungsprojekte zu den
kognitiven Determinanten des Stotterns
Prof. Dr. H.S. Johannsen, Universitätsklinikum , Sektion für
Phoniatrie und Pädaudiologie, Schillerstr. 15, 89070 Ulm, Tel:
0731-5021701, e-mail: helge.johannsen@medizin.uni-ulm.de,
Forschungsprojekt zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Stotterns,
im frühen Kindesalter
Prof. Dr. K.Th. Kalveram, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
Insitut für Allgemeine Psychologie, Universitätsstr. 1, 40225
Düsseldorf,Tel.: 0211-8112271, e-mail: kalveram@uni-duesseldorf.de,
Forschungsprojekt zur Sensomotorik des Sprechens und Stotterns
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Mit freundlichen Gruessen
Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de
Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle
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