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Noten aus der Bachzeit wiederentdeckt



Bochum, 04.081998
Nr. 158

Bereicherung für Barockkonzerte
Noten aus der Bachzeit wiederentdeckt
Musikwissenschaftlicher macht Römhildts Kantaten zugänglich


Seit Ende des II. Weltkriegs glaubte man sie verloren, nun hat Prof.
Dr. Christian Ahrens (Musikwissenschafltiches Institut der RUB) sie
wiederentdeckt: Die Kopien von ca. 120 Kantaten von Theodor Römhildt,
einem Kirchenmusiker aus der Bachzeit. Die Wiederentdeckung der Noten
ist ein großer Gewinn, zumal viele Ensembles ständig auf der Suche
nach unbekannter Musik aus der Bachzeit sind. Eine erste Aufführung
mit wiederentdeckten Werken Römhildts findet bereits im November
während der Bachwochen in Dillenburg (Hessen) statt.

In Danzig vernichtet

Theodor Römhildt (1684-1756), ein Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs
(1685-1750), war als Kantor, Komponist und Organist in Merseburg
tätig, kaum 30 km von Leipzig entfernt, wo Bach wirkte. Neben
zahlreichen Messen, Passionen und Orgelwerken schrieb er eine
unbekannte Zahl von Kantaten, von denen zu Anfang unseres Jahrhunderts
noch ca. 240 erhalten waren. Die Noten von mehr als 120 Kantaten lagen
in Danziger Kirchenarchiven sowie in Archiven früherer deutscher
Gebiete im heutigen Polen. Sie wurden Ende des Zweiten Weltkrieges
vernichtet; die restlichen Noten waren über mehrere kleine Archive
verstreut und blieben bis in die jüngste Zeit unzugänglich. Eine
wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schaffen des Komponisten
sowie Aufführungen seiner Werke waren unter diesen Bedingungen kaum
möglich, bisher liegen lediglich eine Passion sowie zwei Kantaten
gedruckt vor.

In Familienbesitz erhalten

In den 1930er Jahren hatte sich jedoch der Musikforscher Otto Dörfer
in Merseburg intensiv mit den Werken Th. Römhildts beschäftigt, um sie
gemeinsam mit Kantor Horst Langrock (Leuna) zu edieren. Im Zuge dieser
Arbeiten wurden Kopien von allen damals greifbaren Werken angefertigt.
Diese Kopien - darunter auch jene der ursprünglich in Danzig
vorhandenen Kantaten - haben sich glücklicherweise in Familienbesitz
erhalten und wurden kürzlich vom derzeitigen Besitzer, Oberstudienrat
Dr. Klaus Langrock, dem Musikwissenschaftlichen Institut der RUB zur
Verfügung gestellt.

Werkverzeichnis erstellt

Hier wurde unter der Leitung von Prof. Ahrens ein Werkverzeichnis von
Th. Römhildt erstellt, das demnächst in den "Heften zu den Bachwochen
in Dillenburg" veröffentlicht werden wird. Im Zuge der Nachforschungen
ergab sich, daß in verschiedenen Bibliotheken und Kirchenarchiven
Mitteldeutschlands noch Noten von weiteren ca. 100 Kantaten vorhanden
sind, so daß sich der derzeit verfügbare Gesamtbestand der Werke
Römhildts auf rund 230 Kantaten, 5 Messen sowie einige kleine
Orgelstücke beläuft.

Der Forschung und der Aufführungspraxis zugänglich

Das Musikwissenschaftliche Institut der RUB wird die Noten allen
interessierten Wissenschaftlern zur Auswertung zugänglich machen und
sie überdies für Aufführungen leihweise zur Verfügung stellen. Die
erste Aufführung wird bereits im November 1998 während der Bachwoche
Dillenburg stattfinden, weitere sind geplant. Da viele Ensembles für
Alte Musik ständig auf der Suche nach bisher unbekannten Kompositionen
aus der Bachzeit sind, stellen die Werke Th. Römhildts eine
willkommene Bereicherung der Konzertprogramme dar, zumal die Kantaten
hinsichtlich des Umfanges, der Besetzung und der musikalischen
Ansprüche ein breites Spektrum abdecken und somit allen Anforderungen
gerecht werden.

Kooperation mit Polen erwünscht

Es ist geplant, die Kopien der ursprünglich in Danzig vorhandenen
Kompositionen Th. Römhildts auch Ensembles in Polen zur Verfügung zu
stellen und damit eine wissenschaftlich-künstlerische Kooperation zu
ermöglichen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Ahrens, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaftliches Institut,  44780
Bochum, Tel. 0234/700-2394, Fax: 0234/7094-675



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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