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Rettet die letzte Parabrahmorgel



Bochum, 12.08.1997
Nr. 143

Vom leisen Pianissimo zum donnernden Fortissimo
Einzige Parabrahmorgel soll wieder spielfähig werden
RUB-Musikwissenschaftler initiieren Projekt zur Orgel-Rettung  


Die Vorzüge von Harmonium und Orgel vereint die sogenannte
Parabrahmorgel. Dieser spätromantische Orgeltypus fiel kurz nach
seiner Entwicklung um die Jahrhundertwende der ,Orgelbewegung"
(Rückbesinnung auf barocke Klangideale) zum Opfer. Vor dem endgültigen
Zerfall steht nun das einzige erhaltene Instrument in der
Evangelischen Kirche in Eichwalde bei Berlin. Mit einem Projekt zur
Rettung der historischen Orgel wollen Studierende der
Musikwissenschaft der RUB unter Leitung von Prof. Dr. Christian Ahrens
(Fakultät für Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaftliches Institut
der RUB) mit einer Broschüre zur historischen Bedeutung der
Parabrahmorgel und weiteren Publikationen zunächst die Öffentlichkeit
auf dieses Denkmal des Orgelbaus aufmerksam machen. Schließlich soll
damit zum Erhalt und zur Restaurierung des historischen Instruments
beigetragen werden. 

Ein neues Klangideal 

Der aus dem Sanskrit (altindische Literatur- und Gelehrtensprache)
stammende Begriff ,Parabrahm" bedeutet - im übertragenen Sinn -
höchste geistige und künstlerische Vollendung. Für die
spätromantischen Orgelbauer war damit zugleich die Forderung nach
einem neuen Klang der Orgel verbunden. Ziel war die  Angleichung des
Klangs der Orgel an den des Orchesters. Mit dem neuen Orgeltyp wurde
diese Angleichung vor allem hinsichtlich der stufenlosen
Lautstärkeregelung erreicht. Die Parabrahmorgel ist eine ,normale"
Pfeifenorgel mit einem zusätzlichen Harmonium; beide Teile können
nach Belieben getrennt oder gemeinsam gespielt werden. 

Synthese von "normaler" Pfeifenorgel und Harmonium 

Expressiv sollte die Orgel klingen, das verlangten die veränderten
musikalischen Anforderungen des 19. Jahrhunderts. Die zeitgemäßen
Orgeln waren zwar obertonreich, doch in der Dynamik war der Klang
weitgehend zu statisch. Gefordert war ein Instrument, das einen
Klang erzeugen konnte, der in seiner Lautstärkenvielfalt vom
leisesten Pianissimo bis zum durchdringenden Fortissimo reichte,
wobei die Klangfarbe erhalten bleiben sollte. Mit der neuen
Konstruktion des Orgelbauers Friedrich Weigle und der
Harmoniumbaufirma J. & P. Schiedmeyer, beide in Stuttgart, konnte
diese Forderung erfüllt werden. 1908 entwickelten sie die erste
Parabrahmorgel, deren Besonderheit in der vollkommenen Synthese von
Harmonium und Pfeifenorgel bestand. 

Neuer Orgeltyp geriet schnell in Vergessenheit

Nach 1900 kamen die romantischen Ideale des Orgelbaus in Verruf, die
entsprechenden Orgeln wurden zumeist im Stile der ,Orgelbewegung"
renoviert oder erneuert, die wenigen noch unverändert vorhandenen
Instrumente gerieten in Vergessenheit. Insgesamt wurden nur drei
Parabrahmorgeln gebaut:  die in der Martin-Luther-Kirche zu
Berlin-Neukölln wurde im Krieg zerstört, das Schicksal einer
weiteren in Liegnitz/Schlesien ist ungewiß. Leider ist die dritte
und einzig erhaltene Orgel in Eichwalde, die inzwischen unter
Denkmalschutz steht, derzeit in einem schlechten Zustand und nicht
spielfähig. 

RUB-Projekt zur Rettung der Orgel

Das Musikwissenschaftliche Institut der RUB initiiert ein Projekt
zur Rettung dieser historischen Orgel. Im Rahmen einer
orgelkundlichen Exkursion erarbeiteten Studierende der
Musikwissenschaft eine Broschüre über die Parabrahmorgel (zukünftig
auch in engl. Sprache erhältl.). Sie beschreibt detailliert den
Aufbau und die historische Bedeutung der Orgel. Weitere
Publikationen in verschiedenen Fachzeitschriften werden folgen.
Damit soll auch zur Beschaffung der erforderlichen Mittel für eine
Restaurierung beigetragen werden, damit die klanglichen Eigenheiten
der Orgel (sowie spezielle Kompositionen für dieses Instrument) bald
wieder einem breiten Publikum in Konzertveranstaltungen vorgestellt
werden können. 

Weitere Informationen

Stefan Gruschka, Tel.: 0211/705751, Mail:
Stefan.A.Gruschka@rz.ruhr-uni-bochum.de; Fakultät für
Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaftliches Institut, Tel. 0234/
700-2394, -2395(Geschäftszi.), Fax 0234/7094-675



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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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