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Zwei RUB-Publikationen zu C. A. Kortum



Bochum, 10.11.1996
Nr. 206

Der 'unbekannte' Kortum in Zeitschriften seiner Zeit 
Quellen zum Leben im Revier vor der Industrialisierung
Zwei Buecher zu Bochums bekanntestem Dichter und Arzt


Aufklaerung im Gewand der Satire wie in seiner ,Jobsiade" und Themen
z.B. ,ueber den diaetetischen Nutzen der Salate", ,ueber Spitzbuben"
oder die in ,Bochum errichtete Erziehungsanstalt fuer junge
Frauenzimmer" waren die Sache des Bochumer Arztes und
Schriftstellers Dr. Carl Arnold Kortum, des grossen Sohns dieser
Stadt. Viele seiner seiner bisher verschuetteten und unbekannten
Aufsaetze erblicken jetzt wieder das Licht der OEffentlichkeit.

Aufklaerung im Revier

Gehoben und herausgegeben hat diesen Schatz  Prof. em. Dr. Dr. h.c.
Klaus Schaller  (Institut fuer Paedagogik der RUB) in dem Band ,Die
Sache endlich auf's Reine bringen - Carl Arnold Kortum in
Zeitschriften seiner Zeit. Eine Dokumentation". Zugleich hat Prof.
Schaller zusammen mit der Pressestelle der RUB und der Evangelischen
Stadtakademie Bochum unter dem Titel ,... dir zum weitern Nachdenken
- Carl Arnold Kortum zum 250. Geburtstag" sieben Vortraege
herausgegeben, die das Wirken und die Wirkung Kortums als Satiriker
und Arzt in Bochum und weit ueber Bochum hinaus beleuchten: von dem
Historiker Dr. Dieter Scheeler, dem Leiter der Evangelischen
Stadtakademie, Dr. Manfred Keller, dem Germanisten Prof. Dr.
Joerg-Ulrich Fechner, der Medizinhistorikerin Prof. Dr. Irmgard
Mueller, dem Theologen Siegfried Buelow und dem Kunstdidaktiker
Prof. Gerhard Grimme.  Mit diesen beiden Buechern stellt die RUB
weithin unbekannte Materialien zur Verfuegung, erschliesst
verschuettete Quellen und legt der kuenftigen Forschung einige
Fragen und Antwortversuche nahe: Am Fall Kortum laesst sich die
Ausbreitung des aufgeklaerten Geistes um die Wende vom 18. zum 19.
Jahrhundert - nicht nur in dieser Region - exemplarisch studieren. 

Schriftsteller von universellem Interesse

Als Arzt ist Kortum ueber Generationen hin den Bochumern in guter
Erinnerung geblieben. Die Stadt verdankt ihm eine Stadtgeschichte.
Daneben aber war er ein eifriger Schriftsteller von universellem
Interesse. Unter den von ihm veroeffentlichten Titeln machen die
fachmedizinischen Arbeiten nur einen geringen Teil aus. Er selbst
schreibt: ,Die Schriftstellerei war von jeher meine
Lieblingsneigung; vorzueglich in den eigentlich nicht aerztlichen
Faechern: Ich habe manche verdriessliche und traurige Vorfaelle
erlebt, und da war mir immer jene Arbeit ein wohltaetiges
Palliativ."

Toleranz und die Idee des Weltbuergertums

Kortum war kein Universalgelehrter - wie etwa Leibniz -, aber ein
vielseitig Interessierter. Er gehoerte zwar nicht zur ersten Garde
der Aufklaerer im spaeten 18. Jahrhundert, wie etwa Lessing, dessen 
Botschaft nur von den oberen, den ,gebildeten" Schichten vernommen
wurde. Dafuer ist aber Kortum zu verdanken, dass der Geist der
Aufklaerung in die Breite wirkte, dass die Einmahnung von Toleranz,
die Verdraengung des Aberglaubens, die Idee des Weltbuergertums,
eines neuen Humanismus auch vom breiteren, des Lesens kundigen
Publikum wahrgenommen wurde.

Vom Nutzen der Luftschiffe und der Fixierung von Pastellgemaelden
Unter diesem Aspekt ist die Schriftstellerei Kortums nicht mehr nur
ein Privatvergnuegen. Sie erhaelt eine oeffentliche Funktion.
OEffentlich sind auch die Medien, derer sie sich zur Verbreitung
einer neuen Sicht des haeuslichen und des gesellschaftlichen Lebens
bedient. Es sind die Zeitschriften, die in jenen Jahren in Duisburg,
Wesel und Dortmund, oder ueberregional wie der ,Reichsanzeiger" in
Gotha, erschienen sind. Die Themen reichen weit: Vom diaetetischen
Nutzen der Salate, ueber einige Haushaltungskuenste, die Anleitung
Pastellgemaelde zu fixieren usw. bis zum Ursprung und Nutzen der
Luftschiffe. In diesen Arbeiten findet Kortum zu einer
Darstellungsform, die ihn aus dem Kreis aehnlich gesinnter und von
aehnlicher Absicht geleiteter Aufklaerer heraushebt. Vom
altvaeterlichen Moralgerede der ,moralischen Wochenschriften" ist
hier nichts mehr zu spueren. Die aufklaererische Absicht wird in der
literarischen Form der Satire versteckt - und bei schmunzelnder
Lektuere paedagogisch umso wirksamer. Auch Kortums beruehmte
,Jobsiade" ist Satire.

Alchemie und die ,Ethik der Wissenschaft"

Von aufklaererischer Absicht ist auch Kortums Beschaeftigung mit der
Alchemie geleitet. Da wird nicht den fragwuerdigen Existenzen, die
in  ihren Alchemistenkuechen Blei in Gold verwandeln wollten und die
nach dem ,Stein der Weisen" suchten, neuer Mut gemacht. Es gilt, die
Sache der Alchemie endlich ,ins Reine zu bringen". Da geht es um die
Philosophie der Alchemie, die ,Hermetik". Diese ist ein
wissenschaftskritisches Vorhaben, vergleichbar unseren Bemuehungen
um eine ,Ethik der Wissenschaft".

Titelaufnamen
 Klaus Schaller: ,'Die Sache endlich auf's Reine
    bringen' - Carl Arnold Kortum in den Zeitschriften seiner
    Zeit. Eine Dokumentation", Klartext-Verlag Essen, 1996, DM
    58,- (ISBN 3-88474-470-4)

,'... dir zum weiteren Nachdenken' - Carl Arnold Kortum zum 250.
    Geburtstag", Herausgegeben von Klaus Schaller in Verbindung
    mit der Pressestelle der Ruhr-Universitaet Bochum und der
    Evangelischen Stadtakademie Bochum, Klartext-Verlag Essen,
    1996, DM 29,80 (ISBN 3-88474-471-2)



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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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