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Strassenbreite und Verkehrsfluss



Bochum, 09.08.1996
Nr. 141

Wenn zwei sich begegnen
Umweltschutz und sichere Strassen 
RUB-Studie ueber Mindestbreiten von Fahrbahnen


Die einen wollen, dass jeder Baum am Strassenrand stehen bleibt, die
anderen haetten lieber breitere Strassen, damit nichts passiert.
Dr.-Ing. Frank Weiser konnte jetzt nachweisen, dass bereits
Querschnitte von 5,50 m bei zweistreifigen Strassen einen
reibungslosen Verkehrsablauf gewaehrleisten koennen. Fuer seine
Dissertation ,Die Haeufigkeit von Begegnungen zwischen Fahrzeugen
auf zweistreifigen Strassen und ihr Einfluss auf den Verkehrsablauf"
wertete Dr. Weiser mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen aus, um
herauszufinden, wann es fuer entgegenkommende Fahrzeuge gefaehrlich
wird. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr.-Ing. Werner Brilon
(Verkehrswesen, Fakultaet fuer Bauingenieurwesen der RUB). Die
Untersuchungsergebnisse gehen zukuenftig in die Regelwerke fuer den
Strassenbau ein, die die Forschungsgesellschaft fuer Strassen- und
Verkehrswesen (FGSV) erarbeitet. 

Neue empirische Daten

Erhalt und Ausbau des Strassennetzes sind laengst nicht mehr
unumstritten. Leere Kassen und die Forderungen der Umweltschuetzer
zwingen die Strassen- und Verkehrsplaner noch sorgfaeltiger ihre
Arbeit zu begruenden. Begegnungen zwischen Fahrzeugen auf
zweistreifigen, im Gegenverkehr betriebenen Strassen spielen bei der
Bemessung von Strassenquerschnitten eine wesentliche Rolle.
Allerdings fehlte es bisher an wissenschaftlich abgesicherten
Erkenntnissen ueber die Haeufigkeit und die Auswirkungen von
Begegnungsfaellen - insbesondere zwischen Fahrzeugen des
Schwerverkehrs.

5,50 m sollten es schon sein ...

Dr. Weisers Untersuchung ergab, dass Fahrbahnmindestbreiten von 5.50
m ausreichen fuer innerstaedtische Strassen - mit einer zulaessigen
Geschwindigkeit von 50 km/h, Verkehrsstaerken bis zu 2100 Kfz/h und
einem Schwerverkehrsanteil bis zu 20%. Die entsprechenden Regelwerke
EAE 85/95 und EAHV 1993 entsprechen dem bereits. Auch fuer Strassen
mit einer zulaessigen Geschwindigkeit von 100 Km/h ist 5,50 m die
magische Zahl fuer die Fahrbahnbreite. Erst bei schmaleren Strassen
verringert sich deutlich erkennbar die Reisegeschwindigkeit.
Umgekehrt wirken sich groessere Fahrbahnbreiten nur unwesentlich auf
die Reisegeschwindigkeit aus. Auf den Landstrassen fahren die
Autofahrer gern schneller, und auch bei entgegenkommenden Fahrzeugen
steigen die wenigsten vom Gaspedal. Allerdings weichen Autofahrer
auf schmalen Strassen dann haeufig auf die Banketten aus, auf die
ebenen Bereiche des Strassenrandes. Langfristig leiden die
Strassenbelaege darunter, deren Ausbesserung entsprechende Kosten
verursacht. 

... aber 6,50 m, wo viele Brummis fahren 

Am Rande der eigentlichen Fragestellung ermittelte Dr. Weiser
Erkenntnisse zum Spurverhalten der Fahrzeuge. Dabei kam heraus, dass
insbesondere bei Strassen mit einem hohen Anteil an
Schwerverkehrsfahrzeugen die Fahrbahnbreite mindestens 6,50 m
betragen sollte. Im Hinblick auf die Sicherheit der Autofahrer ist
der bekannt positive Zusammenhang zwischen breiteren Fahrbahnen und
groesserer Sicherheit zu beruecksichtigen. Besonders wenn Autofahrer
schon laengere Zeit unterwegs sind, setzen breitere Strassen die
mentale Beanspruchung wohltuend herab.

Mit Video-Kameras und neuen Formeln

Neben der Analyse der Fahrzeugbreiten in der Bundesrepublik leitete
der Bochumer Wissenschaftler eine theoretische Formel ab, mit der
die Anzahl der Begegnungsfaelle auf einem Streckenabschnitt
vorhergesagt werden kann. Die Haeufigkeit von Begegnungen wurde
darueber hinaus mit Hilfe von stationaeren Video-Messungen an 25
verschiedenen Strassen unterschiedlicher Kategorien untersucht.
Diese Video-Messungen mit einem Umfang von ueber 50 Stunden
bestaetigten die theoretisch errechnete Zahl von Begegnungen.

Beobachtungen in Staedten und auf Landstrassen

Die Geschwindigkeitseinbussen und Wartezeiten bei
Fahrzeugbegegnungen wurden darueber hinaus durch Video-Messungen aus
fahrenden Linienbussen in zwei Ruhrgebietsstaedten ermittelt. Es
folgte eine in gleicher Weise durchgefuehrte Messreihe auf
Landstrassen im Muensterland, in deren Verlauf Begegnungsfaelle auf
Fahrbahnen von sehr geringer und mittlerer Breite erfasst wurden.
Bei diesen Messfahrten wurden die quantitativen Zusammenhaenge
zwischen den im Begegnungsfall verfuegbaren Restbreiten und den
Geschwindigkeiten der Fahrzeuge ermittelt. Mit Hilfe eines speziell
fuer diesen Zweck entwickelten Computerprogramms koennen sowohl die
Haeufigkeit der Begegnungen zwischen Fahrzeugen beliebiger Breite
als auch die daraus regulierenden Auswirkungen auf den
Verkehrsablauf auf inner- und ausseroertlichen zweistreifigen
Strassen nachgebildet werden.

Modell simuliert Verkehr

Auf der Basis der Simulationsergebnisse zur Haeufigkeit von
Begegnungsfaellen wurden leicht anwendbare Diagramme und Tabellen
entwickelt, die es erlauben, die absolute Anzahl und den
prozentualen Anteil der zu erwartenden Begegnungen zwischen
Fahrzeugen bestimmter Breiten vorherzusagen. Diese umfassende
Einbeziehung der Ergebnisse mikroskopischer Messungen in ein
makroskopisches Simulationsmodell kann als innovativ bezeichnet
werden. Das Simulationsmodell ist zukuenftig als Grundlage fuer
komplexere Modelle des Verkehrsablaufs geeignet.

Weitere Informationen

    Dr. Frank Weiser, Ruhr-Universitaet Bochum, Lehrstuhl fuer
    Verkehrswesen, 44780 Bochum, Tel.: (0234) 700-5973. 


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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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