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Liebe und gl^nckliche Beziehungen



Bochum, 21.05.1996
Nr. 90

Die Farben der Liebe
Ein Leitfaden fuer glueckliche Beziehungen
RUB-Dissertation zum Thema Partnerschaft


Frauen mit hohem Bildungsabschluss neigen verstaerkt zu einer
spielerischen Form von Liebe und Partnerschaft, Frauen mit
Hauptschulabschluss hingegen bevorzugen romantische Liebe oder eine
Partnerschaft, in der sie sich selber aufopfern und die Wuensche des
Partners in den Vordergrund stellen koennen. Zu diesen interessanten
Feststellungen gelangte Dr. Gertrud Katharina Pietsch in ihrer
Studie ,Die Farben der Liebe". Fuer die von Prof. Dr. Hans-Werner
Bierhoff (Fakultaet fuer Psychologie der RUB) betreute Dissertation
befragte Dr. Pietsch insgesamt 120 Frauen zwischen 21 und 59 zu
deren Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft.

Fruehlingsgefuehle

Der Mai ist gekommen, mit ihm zwar (noch) nicht der Fruehling, aber
hier und da zumindest die sprichwoertlichen Fruehlingsgefuehle. Vom
Winterschlaf erwachte Singles halten ploetzlich wieder Ausschau nach
Gefaehrten fuer das Leben. Aber partnerschaftliche Beziehungen
bergen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken fuer das individuelle
Wohlbefinden. Insbesondere Frauen sind immer weniger bereit, diese
Risiken zu tragen. Sie trennen sich und/oder suchen professionelle
Unterstuetzung, sprich begeben sich in Therapie.

Eigene Therapie als Initialzuendung

So konnte auch die Psychotherapeutin Gertrud Katharina Pietsch im
Vorfeld ihrer Promotion beobachten, dass es ,ueberwiegend Frauen
sind, die eine Paartherapie initiieren und Partnerschaftsprobleme
thematisieren". In der therapeutischen Arbeit selbst war sie
beeindruckt von der Unterschiedlichkeit dessen, was Klientinnen und
Klienten unter ,Liebe" verstehen: die Vielfalt der Einstellungen,
Gefuehle, Verhaltensweisen und damit verknuepft, die Erwartungen und
Wuensche an den jeweiligen Partner. Aufgrund dieser Beobachtungen
entstand die Idee zu einer empirischen Studie zum Thema Liebe und
Partnerschaft.

Stichprobe

Insgesamt wurden 120 Frauen im Alter zwischen 21 und 59 Jahren
befragt. 60 der Befragten befanden sich zur Versuchszeit in
Therapie. Alle 120 steckten in einer heterosexuellen Partnerschaft,
die zwischen ein und 38 Jahren bestand. Die Zahl vergangener enger
Beziehungen lag zwischen 0 und 15, die Zahl der
Eine-Nacht-Beziehungen zwischen 0 und 40 (Mittelwert 2,5). Das
Spektrum der Ausbildungen reichte von Hauptschul- bis
Universitaetsabschluss, die Bandbreite der Berufstaetigkeiten
erstreckte sich entsprechend von angelernten bis hin zu akademischen
Taetigkeiten.

Fragebogen

Der Fragebogen enthielt u.a. Fragen zu Beziehungsqualitaeten
(Streitverhalten, Zaertlichkeit, Kommunikation), zur Einschaetzung
des eigenen Gluecks und zu insgesamt 17 sog. Problembereichen
(beispielsweise Haushaltsfuehrung, Kindererziehung,
Freizeitgestaltung, Vertrauen, Eifersucht oder Verwandte). Anhand
dieser und zahlreicher anderer Fragen versuchte Dr. Pietsch auch
herauszufinden, ob sich in Therapie befindliche Frauen hinsichtlich
der Einstellung zu Liebe und Partnerschaft von Frauen unterscheiden,
die derzeit weder Therapieanliegen noch -erfahrung aufweisen.

The Colors of Love

Eine der Grundlagen fuer Pietschs Studie war das Marburger
Einstellungs-Inventar fuer Liebesstile (MEIL), welches Einstellungen
zu Liebe und Partnerschaft wissenschaftlich erfasst und das die
vielfaeltigen Variationen von Liebe in wertneutraler Weise
systematisiert und auf sechs grundlegende Dimensionen reduziert:


Eros: romantische Liebe, unmittelbare Anziehung durch den Partner,
sexuelles Interesse; 

Ludus: spielerische Liebe, manchmal mit mehreren Partnern, Gefuehle
werden nicht allzu ernst genommen; 

Storge: freundschaftliche Liebe, keine intensiven Gefuehle, viele
gemeinsamen Interessen oder Erfahrungen;

Mania: besitzergreifende Liebe, eifersuechtig und fordernd; 

Pragma: pragmatische Liebe, die Partner muessen zueinander passen; 

Agape: altruistische Liebe, die Beduerfnisse des Partners stehen im
Mittelpunkt. 

Analog zum Farbenspektrum koennen aus diesen ,Grundfarben der Liebe"
unzaehlige Mischfarben, unterschiedliche Variationen von
Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft entstehen. Die individuelle
,Lieblingsfarbe" kann sich ueber die Zeit und/oder abhaengig vom
jeweiligen Partner veraendern.

Weitere Ergebnisse

Neben den bereits oben skizzierten Ergebnissen fand Dr. Pietsch
heraus, dass die gluecklichsten Beziehungen sich durch eine
UEbereinstimmung der Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft
auszeichnen. Unabhaengig vom Lebensalter der Paare stehen in fruehen
Phasen von Liebesbeziehungen romantische Einstellungen und in
langfristigen Partnerschaften pragmatische Einstellungen in engem
Zusammenhang mit dem eingeschaetzten Glueck. Die Wahrnehmung von
Intimitaet und Vertrauen/Vertrautheit in der Partnerschaft stellt
eine wichtige Grundlage fuer glueckliche, konfliktarme Beziehungen
dar. Wesentliche Voraussetzung hierfuer ist der offene und
kontinuierliche Austausch ueber die jeweiligen Einstellungen,
Wuensche und Erwartungen der Partner.

Mehr Austausch erwuenscht

Insgesamt moechte Dr. Pietsch mit ihrer Arbeit zu einem besseren
Verstaendnis beitragen, wie sich Frauen Liebe und Partnerschaft
wuenschen, und wie beide Partner zu einer gluecklichen Partnerschaft
beitragen koennen. Folgende Zielgruppen sind von daher angesprochen:
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Psychologie, Psychotherapie,
Sozialpaedagogik und Beratungswesen, aber auch interessierte Laien
als Expertinnen und Experten fuer ihre persoenlichen Beziehungen.

Titelaufnahme

Dr. Gertrud Katharina Pietsch, Die Farben der Liebe, Deutscher
Studienverlag Weinheim, 1996, DM 48,-.



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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

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