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Rehabilitation bei Mundhoehlenkrebs



Bochum, 27.02.1996
Nr. 41

Geheilter Leib und kranke Seele
Defizite aufgedeckt: Spezifische Therapien fehlen 
Erste Studie ueber Rehabilitation nach Mundhoehlenkrebs


Selbst wenn der Krebs besiegt ist, leiden Koerper und Psyche manchmal
weiter. Nach Entfernung von Mundhoehlenkrebs muessen die Patienten
u.a. mit Kau-, Schluck- und Sprechbeschwerden sowie einer
eingeschraenkten Schulter- und Armbeweglichkeit rechnen. Doch mehr
noch kann die aeussere Entstellung das Selbstwertgefuehl der
Betroffenen und damit die Lebensqualitaet belasten. Dies ergab die
,Rehabilitationsstudie zur medizinischen und psychosozialen Situation
von Patienten nach radikalchirurgischer Therapie eines
Mundhoehlenkarzinoms", die durch Mitarbeiter der Abteilung fuer
Medizinische Psychologie der RUB (Leitung: Prof. Dr. phil. Gertrud M.
Krueskemper) und der Universitaetsklinik der RUB fuer Mund-, Kiefer-
und Gesichtschirurgie - Plastische Chirurgie - am
Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer (Leitung: Prof. Dr. med.
Dr. med. dent. Egbert Machtens) entwickelt und koordiniert wurde. Die
Studie, an der 38 Kliniken beteiligt sind, wurde im Auftrag des
Deutsch-OEsterreichisch-Schweizerischen Arbeitskreises fuer Tumoren im
Mund-Kiefer- und Gesichtsbereich (DOESAK) durchgefuehrt. Die
Ergebnisse werden vom 7. bis 10. Maerz 1996 auf der 54. Jahrestagung
der Amerikanischen Psychosomatischen Gesellschaft in Williamsburg
vorgestellt. 

Raus aus der Klinik und was dann?


Die Operation von Tumoren ist umso sicherer, je weiter im gesunden
Gewebe entfernt wird. Bei Mundhoehlenkarzinomen sind deshalb haeufig
grosse Bereiche von Gesicht und Hals durch den radikalchirurgischen
Eingriff betroffen. Neben speziellen Funktionsstoerungen leiden viele
Patienten auch unter schweren Entstellungen, die sich selbst durch
plastisch-rekonstruktive Massnahmen nur bedingt beheben lassen. Gerade
fuer diese Patienten ist fruehzeitige Hilfe noch waehrend des
Klinikaufenthalts besonders wichtig. Doch was folgt danach?
Entsprechen die weiteren Rehabilitationsangebote den Beduerfnissen der
Patienten und welche Patienten nehmen eine Anschlussbehandlung wahr?
Diese Fragen stehen nun erstmals im deutschsprachigen Raum im
Mittelpunkt einer umfassenden Studie.

19 Fragen zu Koerper und Psyche

1652 Patienten aus 38 Mund-, kiefer- und gesichtschirurgischen
Kliniken in Deutschland, OEsterreich und der Schweiz - bei denen der
Eingriff mindestens sechs Monate zurueck lag - wurden hinsichtlich des
Angebots und der Akzeptanz eines psychologischen Gespraechs vor bzw.
nach der Operation befragt. Dem diente ein 19-Punkte-Fragebogen (Teil
des BOCHUM QUESTIONAIRE on LIFEQUALITY) zur Erfassung moeglicher
Beeintraechtigungen der Patienten durch die Krankheit, bezogen sowohl
auf den Koerper (Kauen, Schlucken, Atmen, Schulter- und
Armbeweglichkeit) als auch auf die Psyche (Sprachverstaendlichkeit,
Aussehen, Selbstwertgefuehl). 

Wenn Entstellung das Selbstbewusstsein erschuettert


Von den Befragten waren 425 an einer psychologischen Beratung
interessiert, 74 Prozent lehnten ein Gepraech ab (277 Patienten ohne
Stellungnahme). Die Ergebnisse zeigen, dass das Beduerfnis nach einem
psychologischen Gespraech mit der Staerke der erlebten
Beeintraechtigung zunimmt. Dabei wurde die Rolle von Psychotherapie
und psychologischer Beratung bei Verschlechterung des koerperlichen
Erscheinungsbildes staerker bewertet als bei neuropsychologischen
Funktionsstoerungen (z.B. Sprech-Beeintraechtigung, Schmerzen).

Dringender Bedarf an spezifischen Theorien


Von den 1652 Patienten der Rehabilitationsstudie wurden nach Abschluss
der klinischen Behandlung 622 Kuren beantragt. Bei der Untersuchung
der Kurbedingungen stellte sich heraus, dass das Therapieangebot breit
gefaechert war. Es war jedoch fuer die Patienten mit ausgedehnten
Resektionen und Rekonstruktionen im Mund-, Kiefer-, Gesichts- und
Halsbereich nicht spezifisch genug. Die Ergebnisse zeigen, dass fuer
diese Patienten ein dringender Bedarf an spezifischen Therapien
besteht. 


Spezielles Training fuer Patient und Familie


25 Prozent der Patienten in Rehabilitationskliniken nehmen eine
psychologische Betreuung in Anspruch, die groesstenteils der
Entspannung und generellen Gespraechen ueber das Leben mit den
Krankheitsfolgen dient. Diese Betreuung wird von den Patienten sehr
positiv bewertet. Am Institut fuer Medizinische Psychologie der RUB
soll nun ein spezielles Training zur psychosozialen Rehabilitation
fuer Patienten mit Mundhoehlenkrebs und ihre Familien erarbeitet
werden. Dr. Kugler, Dipl.-Psych. Hallner, Medizinische Fakultaet der
RUB, Abt. fuer Medizinische Psychologie, Tel.: 0234/700-7286, -5438.


Weitere Informationen


Dr. med. Dr. dent. Gellrich, Medizinische Fakultaet der RUB,
Universitaetsklinik fuer Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie -
Plastische Chirurgie - am Knapp-schaftskrankenhaus Bochum-Langendreer,
Tel: 0234/2993500/1





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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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