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Magenkrankheiten und ihr Erreger



Bochum, 06.02.1996
Nr. 34

Bevor der Magen durchbrennt
Helicobacter pylori auf der Spur
RUB-Wissenschaftler erstmals im DFG-Gerhard-Hess-Programm


Frei von Sorgen um das liebe Geld kann demnächst der erst 33jährige
Priv.-Doz. Sebastian Suerbaum (Institut für Medizinische
Mikrobiologie, Medizinische Fakultät der RUB) dem Bakterium
Helicobacter pylori, Verursacher von Magenschleimhautentzündungen,
-geschwüren und -tumo-ren, nachforschen. Als erster Wissenschaftler
der RUB erhält er zunächst für zwei Jahre und mit Aussicht auf drei
weitere Jahre Mittel aus dem Gerhard-Hess-Programm der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit diesem Programm fördert die DFG
junge, herausragende qualifizierte Wissenschaftler, die nicht älter
als 33 Jahre sein dürfen. Die Mittel können sie flexibel für ihre
Forschung einsetzen und eigene Arbeitsgruppen aufbauen.

Von der Entzündung zum Magengeschwür

PD Dr. Suerbaums Forschungsgebiet ist das Bakterium Helicobacter
pylori. Es gehört zu den am weitesten verbreiteten Krankheitserregern
beim Menschen. Eine Infektion ruft Entzündungsreaktionen der
Magenschleimhaut (chronische Gastritis) hervor und kann bei vielen
Infizierten schwere Folgeerkrankungen verursachen, insbesondere
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Außerdem begünstigt die
Infektion mit Helicobacter pylori die Entstehung von bösartigen
Tumoren des Magens wie Magenkarzinomen oder Magenlymphomen.

Damit der Erreger keine Nische findet

Welche Faktoren begünstigen eine Besiedlung des Magens durch
Helicobacter pylori? Welche Mechanismen lösen danach die Krankheiten
aus? Diese und weitere Fragen will PD Dr. Suerbaum mit
molekularbiologischen Methoden zu beantworten versuchen. Es geht ihm
einerseits darum, sogenannte Virulenzfaktoren - krankheitsauslösende
Eigenschaften des Erregers - zu identifizieren, und damit die Frage
zu beantworten, warum bei manchen Infizierten die Folgekrankheiten
entstehen und bei anderen nicht. Andererseits will er neue Wege zur
Therapie und Vorsorge dieser Infektionen beschreiten. Darüber hinaus
versprechen seine Forschungen auch neue Erkenntnisse darüber, welche
Anpassungen Bakterien entwickeln, um bestimmte ungewöhnliche
ökologische Nischen zu besiedeln.

Beweglichkeit und Orientierung klären

Für drei Themenkomplexe will PD Dr. Suerbaum die Mittel aus dem
Gerhard-Hess-Programm der DFG einsetzen: 1. sollen damit die
molekularen Grundlagen der Beweglichkeit von Helicobacter pylori
untersucht werden. Sie bewegen sich mittels eines Bündels von Geißeln
(Flagellen), die sich durch ihre Struktur und Regulation auf
vielfältige Weise an die besonderen Bedingungen des Besiedlungsorts
(Habitats) anpassen. Die Beweglichkeit ist einer der wichtigsten
Virulenzfaktoren dieses Bakteriums, weil sie ihm erlaubt, sich in der
zähen Schleimschicht der Magenschleimhaut zu etablieren, wo die
Bakterien vor der Magensäure und dem Zugriff von Abwehrmechanismen
des menschlichen Wirts weitgehend geschützt sind. 2. soll die
sogenannte Chemotaxis von Helicobacter pylori untersucht werden. Sie
ermöglicht dem Bakterium, sich aufgrund von Konzentrationsdifferenzen
chemischer Substanzen im Magen (Magenlumen) und im Magenschleim (der
Muskusschicht) zu orientieren. 3. soll die Topoisomerase I
charakterisiert werden. Dabei handelt es sich um ein essentielles
Zellprotein von Helicobacter pylori, das wahrscheinlich den Verlauf
der Infektionen (das Wirken der Virulenzfaktoren) beeinflußt.

Sebastian Suerbaum, am 9. Februar 1962 in Münster als Sohn des
Shakespeare-Spezialisten Prof. Dr. Ulrich Suerbaum (des ersten an die
RUB berufenen Professors) geboren, studierte von 1981 bis 1987
Medizin und Philosophie in Bochum, Wien und an der Harvard Medical
School. 1987 wurde er mit einer mikrobiologischen Arbeit "Der Einfluß
subinhibitorischer Konzentrationen von Antibiotika auf die
Immunogenität der äußeren Membran von Escherichia coli" zum Dr. med.
promoviert. Seit 1989 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit
1990 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Mikrobiologie und
Immunologie der RUB bei Prof. Dr. Wolfgang Opferkuch. Mit einem
Stipendium der DFG absolvierte er einen Forschungsaufenthalt am
Institut Pasteur in Paris (1991-93), nach der Habilitation 1995 wurde
er zum C2-Hochschuldozenten der Medizinischen Fakultät der RUB
ernannt.

Weitere Informationen

PD Dr. S. Suerbaum, Institut für Hygiene und Mikrobiologie,
Abteilung für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie,
Medizinische Fakultät der RUB, Tel.: 0234/700-7887, Fax:
0234/7094-197



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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