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Hans Mommsen emeritiert



Bochum, 01.02.1996
Nr. 28

Hans Mommsen wird emeritiert 
Fuehrender deutscher Zeithistoriker
Brillanter Analytiker und streitbarer Geist 


Einer der in der OEffentlichkeit wie auch in der Wissenschaftswelt
bekanntesten Professoren der RUB, der Neuhistoriker Prof. Dr. Hans
Mommsen, wird zum Ende des Wintersemesters emeritiert. Die Fakultaet
fuer Geschichtswissenschaft der RUB laedt zu seiner offiziellen
Verabschiedung am 7. Februar 1996, 10 Uhr, Hoersaal H-GA 10, ein.
Nach der Begruessung durch Rektor Prof. Dr. Manfred Bormann und der
Laudatio durch Dekan Prof. Dr. Lucian Hoelscher haelt Prof. Dr. Ian
Kershaw (Sheffield) den Festvortrag ueber ,Der Nationalsozialismus -
eine Herausforderung an die Geschichtswissenschaft seit dem 2.
Weltkrieg". Die Medien und die OEffentlichkeit sind herzlich
eingeladen.  

Historiker als politischer Paedagoge 

Mommsen gilt als  einer der fuehrenden deutschen  Zeithistoriker.
Das hohe  Mass seiner Wertschaetzung in der Zunft, in der seine
Streitbarkeit fast sprichwoertlich ist, laesst die 760 Seiten
umfassende  Festschrift zu seinem 65. Geburtstag erkennen, die
Beitraege nicht nur seiner Schueler,  sondern auch zahlreicher
deutscher und auslaendischer Fachkollegen vereinigt. Ihr  Titel ,Die
Aufgabe der Freiheit" deutet auf Mommsens UEberzeugung  hin, der
Historiker habe die Aufgabe politischer Paedagogik wahrzunehmen -
gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts.

Seit 1968 an der RUB

1968 auf den neueingerichteten Lehrstuhl Neuere Geschichte  II
berufen, hat Mommsen inzwischen mehr als zweieinhalb  Jahrzehnte in
Bochum gelehrt. Eine Reihe von Gastprofessuren und
Forschungsaufenthalten fuehrten ihn in dieser Zeit u.a. an die
Harvard University, nach Princeton, Berkeley und Jerusalem. 

Historiker-Familie mit Tradition

Mommsen entstammt einer Historiker-Familie. Er wurde 1930 mit seinem
Zwillingsbruder Wolfgang - ebenfalls ein Historiker und Professor an
der Universitaet Duesseldorf - als Sohn des Historikers  Wilhelm
Mommsen und Urenkel des Althistorikers Theodor Mommsen in Marburg
geboren. In Marburg und Tuebingen studierte er Geschichte,
Germanistik und Politikwissenschaft, legte die wissenschaftliche
Staatspruefung ab und promovierte 1959 bei Hans Rothfels, dessen
letzter  Assistent er war, mit einer Arbeit  ueber ,Die
Sozialdemokratie  und die Nationalitaetenfrage im Habsburger
Vielvoelkerstaat 1867- 1907". Von 1960 bis 1963 arbeitete Mommsen
als Referent am Institut fuer Zeitgeschichte in Muenchen, von 1963
bis 1967 als Wissenschaftlicher Assistent bei Werner Conze in
Heidelberg, wo er sich 1967 habilitierte.

Aufbauarbeit in Fakultaet und Institut

Hans Mommsen gehoert der Gruendergeneration der RUB an. Er  baute
die Abteilung fuer Geschichtswissenschaft mit auf und betrieb mit
Energie in den fruehen siebziger Jahren die Errichtung des Instituts
zur Geschichte der Arbeiterbewegung, dessen Direktor er von 1977 bis
1983 war. In den Selbstverwaltungsgremien, in Berufungskommissionen
usw. engagiert, scheute er Konflikte nicht - auch nicht mit der
Verwaltung.

Mehr als 40 Doktoranden

Obgleich als anspruchsvoll und schwierig geltend, hat er auf  die
Studierenden eine grosse Anziehungskraft ausgeuebt - ueber 40
Dissertationen und zahlreiche Magister- und Staatsarbeiten wurden
von ihm engagiert betreut. In seinen Vorlesungen und Seminaren stand
die mitteleuropaeische Geschichte des 20. Jahrhunderts im
Vordergrund. Seine Hauptarbeitsgebiete waren und sind die Geschichte
der Arbeiterbewegung, der Weimarer Republik und des
Nationalsozialismus. Insbesondere seine haeufig pointierten
Beitraege zur Weimarer Zeit und zum Nationalsozialismus haben die
Diskussion ungemein angeregt. Aus seinem  umfassenden Werk ragen
seine Geschichte der Weimarer Republik und die  Aufsatzsammlungen
"Arbeiterbewegung und nationale Frage" und "Der Nationalsozialismus
und die deutsche Gesellschaft" heraus.

Von der Geschichte des Volkswagenwerks und der des Dritten Reichs

Dennoch bleibt zunaechst "alles beim alten". Fuer ein weiteres
Semester wird  Prof. Mommsen  die Geschaefte des Lehrstuhls fuer
Neuere Geschichte II fortfuehren, das Projekt "Die Geschichte des
Volkswagenwerkes von 1933-1948"  steht vor der Veroeffentlichung,
ebenso der politische Nachlass von Carl Goerdeler und zunehmend 
werden die Stimmen  lauter, dass die "Geschichte des Dritten
Reiches" nun erst recht veroeffentlicht werden muss (nach Erscheinen
einer anderen in der Propylaeen-Reihe).




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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
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