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Neuer SFB - "Sehen mit dem Gehirn"



Bochum, 01.02.1996
Nr. 26

Vom Auge ins Gehirn in die Hand ...
Die Faszination von Sehen und Be-Greifen
NEUROVISION - Neuer SFB ueber Sehen und Hirnfunktionen


,Eine Muenze auf der Strasse, ich buecke mich und greife danach ..."
Enorm schon hier die Koordinationsleistung von Sehen und Greifen,
fast unermesslich dann die Leistung eines Eishockeytorwarts, der
einen Puck faengt, der mit ueber 100 km/h auf ihn zugeflogen kommt.
Den weiten Bogen von den molekularen Grundlagen und der Theorie des
faszinierenden Sinnessystems Auge und Gehirn spannt der Anfang 1996
an der RUB neu eingerichtete Sonderforschungsbreich (SFB 509)
,NEUROVISION - Neuronale Mechanismen des Sehens". (Sprecher:
,Leibniz-Preistraeger 1994" Prof. Dr. Ulf Eysel, Neurophysiologie,
Medizinische Fakultaet der RUB). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) foerdert diesen einzigen deutschen SFB, der sich bewusst auf
das Sehsystem konzentriert, in den naechsten drei Jahren mit ca. 6,5
Mio DM. 

Sehen - viel erforscht, aber noch lange nicht verstanden

Wir sehen mehr mit den Gehirn als mit den Augen. Das Sehsystem von
Menschen, vielen Saeugetieren und Primaten nimmt - verglichen mit
anderen Sinnesorganen - den groessten Teil des Gehirns ein. Es ist
wegen seiner besonders guten, experimentellen Zugaenglichkeit seit
Jahren das Musterbeispiel fuer die Aufklaerung grundlegender
Prozesse der Informationsverarbeitungsmechanismen des Gehirns, die
bei weitem noch nicht verstanden sind. 

Profitieren sollen Neuroinformatik und Therapie Hirnverletzter

Der SFB 509 findet in Bochum hervorragende Voraussetzungen: Er ist
hervorgegangen aus der DFG-Forscherguppe "Neurobiologie des
visuellen Systems". Diese ist eng verzahnt mit dem
RUB-Graduiertenkolleg "KOGNET - Kognition, Gehirn und neuronale
Netze". Die Beteiligung des Instituts fuer Neuroinformatik und die
Personalunion mit dem Zentrum fuer Neuroinformatik Bochum schaffen
gute Verbindungen zum Transfer der Erkenntnise in die Wirtschaft.
Ausserdem: Von 1989 bis 1995 haben Bochumer Wissenschaftler in mehr
als 500 wissenschaftlichen Original- und Buchbeitraegen zum Thema
veroeffentlicht. Von ihren neuen Projekten versprechen sie sich
grundlegende Erkenntnisse und praktische Innovationen fuer die neuen
Gebiete der Neuroinformatik, kuenstlichen Intelligenz,
Computervision und Robotics, ebenso die Verbesserung von
Heilungschancen fuer Menschen, die an Fehlentwicklungen,
Verletzungen oder Verlust des Sehens leiden.

Von der Netzhaut bis zur Grosshirnrinde

Die Grundlagen des Sehens - "das Sehen mit dem Gehirn" - weiter
aufzuklaeren, haben sich die beteiligten Wissenschaftler aus der
Medizin, Biologie, Psychologie und Neuroinformatik, vorgenommen. In
18 Teilprojekten wollen sie u.a. die Grundprozesse des Sehens
untersuchen: ausgehend vom Lichtreiz auf der Netzhaut, dessen
Weiterleitung ueber die Sehbahn ins Zwischenhirn, die
Weiterverarbeitung von Sehinformationen auf der Grosshirnrinde bis
zu den motorischen und kognitiven Leistungen des Sehsystems. Dabei
werden sie mit modernsten molekularbiologischen,
neurophysiologischen und experimentellen Methoden arbeiten. Sie
verstehen die inter- und multidisziplinaere Arbeit als einmalige
Chance der integrativen Untersuchung eines gesamten Sinnessystems
mit seinen Schnittstellen zur Wahrnehmung und Motorik. Wesentlicher
Teil des SFB-Konzeptes ist die Verbindung von experimentellen
Befunden mit Modellbildungen und theoretischen Betrachtungen.

Grundprozesse der Informationsverarbeitung

Im Teilbereich "Subkortikal-kortikale Grundlagen des Sehens" geht es
mit sieben Projekten um die grundlegenden Mechanismen der
Informationsverarbeitung im Sehsytem. Hier arbeiten die
Wissenschaftler auf der Ebene der Rezeptoren, der Membran- und
Zellphysiologie und der Transmitterwirkungen. Es geht um
Schaltkreise von der Netzhaut zur Grosshirnrinde und ihre
Abhaengikeit voneinander: um das subkortikale System des Thalamus
und die kortikalen Netzwerke mit ihren jeweiligen auf- und
absteigenden und seitlichen Verschaltungen sowie um hemmende und
erregende Reizuebertragungen.

Von der Wahrnehmung zur Handlung

Ziel der sechs Projekte des Teilbereichs "Hoehere visuelle und
visuomotorische Hirnfunktionen" ist es zu verstehen, wie ein
Organismus auf der Grundlage einer sensorischen Wahrnehmung eine
zielgerichtete Handlung ausfuehren kann. Dafuer muessen nicht nur
die Strukturen von Sensorik und Motorik bekannt sein, sondern auch
die Funktionsprinzipien der dazwischenliegenden Schnittstellen
("Interfaces"). Die Wissenschaftler wollen hier erkennen und
erklaeren, wie ganze Populationen von Neuronen (Nervenzellen)
verschiedener Hirnbereiche in Millisekunden zusammenwirken. 

,Lernen durch Gebrauch

Schliesslich die sechs Projekte des Teilbereichs "Entwicklung und
Reorganisation des Sehsystems". In ihnen geht es darum, wie bei
Verletzungen und Ausfaellen im Gehirn andere Areale die Arbeit fuer
die ausgefallenen Bereiche uebernehmen. Untersucht werden hier durch
Laesionen ausgeloeste Wachstumsprozesse sowie experimentelle und
theoretische Ansaetze des "Lernens durch Gebrauch".

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ulf Eysel, Ruhr-Universitaet Bochum, Medizinische
Fakultaet, 44780 Bochum, Tel. 0234/700-3849, Fax: 0234/7094-192;
e-mail: eysel@neurop.ruhr-uni-bochum.de






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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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