Forschungungsprojekte

  "Soziale Informationsverarbeitung und Kultur"
Wie verstehen wir andere Personen? Welche Rolle spielen dabei kulturelle Unterschiede? Zu den komplexesten kognitiven Leistungen des Menschen gehört die Verarbeitung sozialer Information, die uns Menschen ein Leben in Gemeinschaften ermöglicht. Dies wird uns durch unsere Fähigkeit ermöglicht, uns in andere Personen „hineinzuversetzen“ und ihre innere Verfassung einzuschätzen und ihr Verhalten vorherzusagen. Eine zentrale Frage des Projekts lautet: Wie sieht eine adäquate Interpretation von Handlungen, Verständigungssignalen und sozialen Rollen in interaktiven Situationen aus, also dann, wenn wir tatsächlich und konkret mit anderen in Beziehung treten? Ein zweiter wichtiger Aspekt wird die kulturelle Dimension sein. Menschliche Kommunikation ist wesentlich in kulturelle Kontexte eingebettet und wird von ihnen geprägt; zugleich aber formt sie den kulturellen Hintergrund, dem die einzelnen Kommunikationspartner angehören. Ein Hauptziel dieses Forschungsverbundes ist es vor diesem Hintergrund, nicht nur die Rolle von kognitiven, sondern auch von kulturellen Faktoren für Selbstverstehen, Fremdverstehen und Kommunikation herauszuarbeiten. Weitere Informationen finden Sie hier.

  "Other Minds/Den Anderen verstehen"
Manchmal scheint es, als könnten wir Gedanken lesen: Wir wissen genau, was unser Gegenüber meint, sogar noch bevor er es geäußert hat. Wie funktioniert das? Müssen wir uns selbst verstehen, um Andere verstehen zu können? Kann man diese Prozesse an der Gehirnaktivität ablesen – und darf man das? Warum funktioniert das Verstehen Anderer bei manchen Krankheiten nicht? Das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) mit rund einer Million Euro geförderte Verbundprojekt „Other Minds/Den Anderen verstehen: Neurophilosophie und Neuroethik der Intersubjektivität“ soll diese Fragen beantworten.

  "Selbstbewußtsein und Begriffsbildung"   Link zur Homepage des Projekts
The main question of the research project is: "What is human self-consciousness?"

Until now, the empirical sciences have made relatively little progress in explaining one major subject of human self-conception, which is consciousness in general and especially self-consciousness. Both phenomena continue to pose an unsolved riddle. Generally, self-consciousness is claimed to be a condition for responsible action: Only if a person has consciousness of both her/his own desires and beliefs on the one hand, and the so motivated actions on the other, will she/he be able to consciously influence her/his actions. Hence, self-consciousness is a necessary condition for responsible action. Self-consciousness — as the notion is used here — is to be sharply distinguished from the notion of self-esteem: It signifies consciousness of the subject's own desires and beliefs. The aim of the project is to develop a new theory of self-consciousness so understood. The philosophical theorizing will be developed in accordance with the latest research-results in infant development of self-consiousness as well as pathological cases of adult self-consciousness. The project will be conducted in collaboration of philosophers (Philosophisches Seminar, Universität Tübingen) and neuroscientists (Priv.-Doz. Dr. Kai Vogeley, Universitätsklinik Bonn). The philosophical theory will accordingly be built on empirical insights from psychiatric research. Cases of disorders of self-consciousness such as autism and schizophrenia are especially important here. A new philosophical theory of human self-consciousness will then on the other hand provide a framework for further systematic empirical research in autism and schizophrenia. In this sense, the general aim of the project is to provide new perspectives on the investigation of the human mind through a philosophical theory of human self-consciousness.

  "Wissen und Können"  Link zur Homepage des Projekts
Wissen und Können markieren nach herkömmlicher Auffassung streng getrennte Sphären kognitiver Leistungen des Menschen. Die philosophische Erkenntnistheorie hat ihre Aufmerksamkeit ganz überwiegend auf das Wissen, und dabei besonders auf die höchste Form menschlichen Wissens, das wissenschaftliche Wissen, gerichtet. Die vielfältigen Formen des Könnens wie Klavierspielen, Fahrradfahren oder sich zielgerichtet durch eine Fußgängerzone bewegen erscheinen in der Erkenntnistheorie dagegen nur als Randnotiz. Damit geht eine bestimmte fragwürdige Annahme über den Zusammenhang von Wissen und Können einher: Wissen besitzt die Struktur von Sätzen, es liegt unabhängig von jenen Fähigkeiten vor, in denen es sich aktualisiert, und wird im Fall des Ausübens von Fähigkeiten aktiviert.

Ziel des Projekts ist es demgegenüber daher, das Können als eigenständige Sphäre zur Geltung zu bringen. Eine neue philosophische Theoriebildung wird angestrebt, indem erstens sowohl begriffliche wie nicht-begriffliche Anteile an kognitiven Fähigkeiten auf der Basis einer strukturalen Theorie der Repräsentation analysiert werden. Zweitens soll auf der Basis dieser Bestandsaufnahme eine empirisch fundierte Begriffstheorie ausgearbeitet werden, die Begriffe als mentale Repräsentationen auffasst und es unabhängig von Sprachfähigkeiten ermöglicht, Grenzen zu ziehen, und zwar einerseits zwischen vorbegrifflichen und begriffsbasierten Fähigkeiten und andererseits zwischen diesen beiden Formen von Fähigkeiten und einem propositional strukturierten Wissen.

Die methodische Grundannahme ist, dass für den Unterschied zwischen Wissen und Können verschiedene Mechanismen der internen Repräsentation ausschlaggebend sind. Um diese Annahme als fruchtbar zu erweisen, sind zwei empirische Teilprojekte aus Psychologie und Hirnforschung eine wesentliche Ergänzung zu den drei philosophischen Teilprojekten. Ein zentraler Untersuchungsgegenstand ist das räumliche Orientierungsvermögen des Menschen, weil es in allen Ausprägungen vorliegt: 1. durch eine belebte Fussgängerzone gehen (die vorbegriffliche Fähigkeit des gezielten Ausweichverhaltens), 2. sich mit Hilfe von auffälligen Objekten orientieren (die begriffsbasierte Raumorientierung mittels Landmarken) und 3. sich mit Hilfe einer Landkarte orientieren (die wissensbasierte Raumorientierung).

Das Projekt zeichnet sich durch die fruchtbare, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Philosophie, Psychologie und Hirnforschung aus:

Prof. Dr. Andreas Bartels, Philosophie, Universität Bonn
PD Dr. Mark May, Psychologie, Universität der Bundeswehr, Hamburg
Prof. Dr. Albert Newen, Philosophie, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Rainer Stuhlmann-Laeisz, Philosophie, Universität Bonn
Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley, Neurowissenschaften, Universität Köln