Nora Kassan

Nora Kassan, M.A.





Lebenslauf

  • seit November 2013: Promotion im Fach Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, betreut von Prof. Dr. C. Mieth
  • seit SoSe 2008: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für mittelalterliche Philosophie (Prof. Dr. T. Kobusch), dann wissenschaftliche Hilfskraft beim Archiv für Geschichte der Philosophie und Tutorentätigkeit am Lehrstuhl für Antike und Praktische Philosophie (Prof. Dr. C. Horn) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2006-2013: Studium der Philosophie (und Vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaften) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Dissertationsprojekt: Praktische Vernunft fühlen: Die Debatte um Kants Achtung

Der rationalistische Moralist sagt: Auf Gefühle kann man nicht bauen. Sie werden in uns ausgelöst, ob wir wollen oder nicht. I. Kant, obwohl bekannt für seinen Vernunft-Rigorismus, hat aber eine Theorie der Achtung vertreten. Mit diesem rein Vernunft-gewirkten Gefühl setzt sich Kant in seinen Schriften wiederholt und mit dem Anschein einer systematischen Relevanz auseinander. Inwiefern aber kann ein moralisches Gefühl für den Rationalisten überhaupt philosophisch relevant sein? Oder geht es dabei vielmehr um Psychologie, um ein Eingeständnis gegenüber Humes Handlungstheorie und der These, dass es auch zum moralischen Handeln eine motivierende Triebfeder braucht? Motiviert uns hiernach die Achtung verlässlich und ausschließlich zum guten Handeln? Oder fühlt man Achtung vor dem Gesetz auch dann, wenn man dagegen verstößt?

Viele dieser Fragen stellen sich, weil Kant „Achtung“ mehrdeutig verwendet und keine ausgearbeitete Theorie vorgelegt hat. Die Beiträge der Interpreten konzentrieren sich häufig bloß auf Teil-Aspekte des Problems und weichen stark voneinander ab. Zur Klärung setzt die Dissertation metatheoretisch an: zum einen an der mittlerweile etablierten Analyse von R. McCarty (1993), der den Streit als einen solchen zwischen „Affektionisten“ und „Intellektualisten“ versteht; zum anderen an eine wenig bekannte Analyse von K. L. Reinhold (1789), die als Kontrast zu McCarty`s affektionistisch pointierter Darstellung ausschließlich zwei intellektualistische Deutungsansätze würdigt und damit zur Neubewertung der aktuellen Diskussion anregt.

Der darin angedeutete Ansatz zu einer intellektualistischen Theorie der Achtung wurde bislang nicht beachtet. Im Zuge einer Abkehr vom Humeanischen Dogma der Handlungstheorie wirft er die Frage nach den performativen Voraussetzungen einer wirklichen ‚Handlung aus Pflicht‘ auf. Wie kann der Rationalist aufrichtig gut handeln, wenn er aufgrund seiner vernünftigen Einsicht nie von der wirklichen Moralität seiner Handlung überzeugt sein kann?