Projekte

Projekte am Lehrstuhl



Zum Sommersemester 2010 wurde der Lehrstuhl für praktische Philosophie neu besetzt. Es haben sich bereits einige Forschungsschwerpunkte und entsprechende Projekte herausgebildet, die hier kurz vorgestellt werden.

 

Der Begriff der Verantwortung

Lange Zeit stand der Begriff der Pflicht im Zentrum vieler Bereiche der praktischen Philosophie. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass dieser Begriff mit bestimmten Mängeln belastet ist. Beispielsweise ist oft nicht klar, wem welche positive Pflicht zu helfen zukommt, wenn es mehrere potentielle Pflichtenträger gibt. Oder es ist nicht klar, was daraus folgt, dass jemand seiner oder ihrer Pflicht nicht nachkommt. Der Begriff der Verantwortung verspricht, diese Lücken zu schließen.

Aus diesem Grund gewinnt der Begriff der Verantwortung zunehmend an Bedeutung in Bereichen wie der angewandten Ethik oder politischen Philosophie. Darüber hinaus verspricht der Begriff der Verantwortung durch seine Breite den Zusammenhang zwischen verschiedenen philosophischen Arbeitsfeldern aufzuklären. Denn Verantwortung steht in Verbindung mit so verschiedenen Themen wie Willensfreiheit, mentaler Verursachung, Handlungsfähigkeit, kollektivem Handeln, sozialen Zuschreibungsprozessen, Schuld und Strafe, Sorge usw.

Trotz oder gerade wegen dieser Breite steht eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Begriff der Verantwortung in all seinen Dimensionen noch aus. Doch nur, wenn der Begriff weit verstanden wird, verspricht er bei praktischen Themen wie Zukunftsverantwortung, Unternehmensverantwortung oder globaler Verantwortung auch wirklich eine fruchtbare Ergänzung des Pflichtbegriffs. Diese zugleich grundsätzliche und anwendungsbezogene Auseinandersetzung mit dem Begriff der Verantwortung bildet einen zentralen Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für praktische Philosophie. Auftakt dazu bildet die sich in Arbeit befindende Herausgabe eines Sammelbandes mit grundlegenden Texten zum Begriff der Verantwortung.

 

Ethik, Ökonomie und Politik

Ökonomische und politische Akteure sehen sich regelmäßig mit gravierenden ethischen Problemen konfrontiert. Wann sind Gewinne ein notwendiger und legitimer Teil wirtschaftlicher Aktivitäten und wann wird Gewinnmaximierung fragwürdig? Wie lässt sich am Markt Kooperation und Vertrauen erreichen und geht das eigentlich? Wann ist ein Krieg möglicherweise – wenn überhaupt – gerechtfertigt oder sogar gefordert und wann dient er bloß äußerst zweifelhaften Interessen? Wie lässt sich mehr Gerechtigkeit im Bildungswesen erreichen?

Von der philosophischen Ethik erwarten sich politische und ökonomische Akteure bei derartigen Fragen zwar keine abschließenden Antworten, aber häufig eine gewisse Hilfestellung. Leider wird diese Erwartung nur allzu oft enttäuscht, weil Philosophen auch in der Ethik stark mit entweder philosophiehistorischen oder metaethischen Überlegungen beschäftigt sind. Es kommt demgegenüber darauf an, philosophische Expertise mit den praktischen Erfahrungen politischer und ökonomischer Akteure zu verbinden.

Denn zwar können Philosophen allgemeine Theorien und wichtige begriffliche Unterscheidungen bereitstellen. Die Lösung der praktischen ethischen Probleme muss jedoch aus einer genauen Kenntnis der praktischen Verhältnisse erfolgen und kann daher letztlich nur von den politischen und ökonomischen Akteuren selbst geleistet werden. Die Frage danach, wie diese Verbindung von philosophischer Ethik und praktischen ethischen Problemen gelingen kann, und die Durchführung entsprechender Projekte, bilden einen zweiten Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für praktische Philosophie. Zum Auftakt wurde das Berliner Forum für Wirtschafts- und Unternehmensethik am 05. und 06. November 2010 nach Bochum eingeladen.