In Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig veranstaltet von Birgit Sandkaulen und Walter Jaeschke am Forschungszentrum für Klassische Deutsche Philosophie / Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum.

 

Konzept

Fichte nennt Jacobi den „mit Kant gleichzeitigen Reformator in der Philosophie“. Er unterstreicht damit, dass Kant und Jacobi die beiden maßgeblichen philosophischen Schlüsselfiguren sind, die das Denken in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert von Grund auf neu bestimmen. Dabei folgt diese Neubestimmung keineswegs einem gemeinsam verabredeten Projekt. In beinahe jeder Hinsicht verfolgen Kant und Jacobi fundamental entgegengesetzte Konzepte und äußern dies auch in explizit kritischer Distanz zueinander.

Jacobi Kant Tagung Plakat-1

Exemplarisch steht dafür bei Jacobi seine bis heute diskutierte Kritik an Kants Lehre von den Dingen an sich oder umgekehrt bei Kant seine Sorge um die „Selbsterhaltung der Vernunft“.

Sieht man jedoch genauer hin, wird die Konstellation zwischen den beiden „Reformatoren in der Philosophie“ erst richtig interessant: In beinahe jeder Hinsicht, seien es Fragen der Epistemologie, der Metaphysik oder der Naturphilosophie und der Philosophie des Geistes einschließlich der Bestimmung moralischen Handelns, zeigt sich dann, dass man im Verhältnis zwischen Jacobi und Kant nicht einfach nur auf substantielle Differenzen, sondern auf eine ganz eigentümliche Verbindung von Ferne und Nähe stößt. Beide teilen eine ganze Reihe von Überzeugungen, die sie allerdings ganz unterschiedlich begründen und sich darüber wiederum voneinander entfernen. Allein schon der Briefwechsel zwischen Kant und Jacobi bietet für diese Beschreibung der Lage eine vorzügliche Quelle. Und nicht zufällig hat sich Jacobi zeitlebens, abgesehen von Spinoza, am intensivsten mit Kant auseinandergesetzt.

Die Aufarbeitung der eigentümlichen Konstellation zwischen Jacobi und Kant ist ein Desiderat der Forschung, dem die internationale Tagung anlässlich des 200. Todestages Jacobis entsprechen soll. Ziel ist es, das Bild des philosophischen Umbruchs der Moderne um 1800 historisch und systematisch zu schärfen, das sowohl bei Kant als auch bei Jacobi von der Einsicht in die Grenzen der Vernunft geprägt ist.

Die Tagung ist Teil des Akademieprojekts „Friedrich Heinrich Jacobi: Briefwechsel. Text – Kommentar – Wörterbuch Online“ an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und wird im Akademienprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

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