Lehrstuhl für Ethik und Ästhetik

(mit besonderer Berücksichtigung der Philosophie der Neuzeit)

Prof. Dr. Maria-Sibylla Lotter

 

„Philosophy [...] has no call to create a world of „reality“ de novo, not to delve into secrets of Being hidden from common sense and science.… Philosophy as a critical organ becomes in fact a messenger, a liaison officer, making reciprocally intelligible voices speaking provincial tongues, and thereby enlarging as well as rectifying the meanings with which they are charged.” (John Dewey, Experience and Nature)

Im Mittelpunkt unserer Lehr- und Forschungstätigkeit steht die kritische Untersuchung unserer moralischen und ethischen Lebensform - mit anderen Worten, des moralischen Klimas, in dem wir leben und durch das unsere Identität und unser Lebensgefühl geprägt ist. Sie besteht in unseren selbstverständlichen, oft gar nicht bewussten Gewohnheiten des ethischen und moralischen Wahrnehmens, Fühlens und Denkens: Wie (un) aufmerksam sind wir zueinander, worauf achten wir? Auf welche Menschen nehmen wir überhaupt Rücksicht, auf welche nicht? Für wen fühlen wir uns wie verantwortlich? Wann schämen wir uns oder werden zornig? Welche Lügen empfinden wir als verzeihbar und welche nicht? Was finden wir noch akzeptabel und was nicht? Wofür sind wir dankbar, worüber empört? Und in welchem Maße sind wir in unserem Alltagsleben überhaupt als moralische Personen präsent – wie weit wird es durch bewusste Überlegungen und Entscheidungen, wie weit durch technische Abläufe, ökonomische und bürokratische Sachzwänge bestimmt?

Dabei gehen wir mehrgleisig vor. Der Schwerpunkt insbesondere in der Lehre liegt auf der Aufarbeitung der philosophischen Tradition der Neuzeit bis zur Gegenwart, die wir einerseits als normative Grundlage der Kritik einsetzen, indem wir gegenwärtige Praktiken im Rückgriff auf Positionen der modernen Ethik hinterfragen, etwa mit Blick auf die Fragen, was richtig und was falsch, gut oder schlecht ist, was ein lebenswertes Leben ausmacht, für was wir Verantwortung tragen und was es eigentlich bedeutet, verantwortlich zu sein. Andererseits unterziehen wir die Philosophie der Neuzeit selbst einer Kritik mit Blick auf ihre Eignung für eine Ethik des Alltagslebens. Um philosophische Positionen nicht nur auf ihre interne Konsistenz und Kohärenz, sondern auch ihre Adäquatheit überprüfen zu können, benötigen wir externe normative Gesichtspunkte, die wir teilweise durch die Auseinandersetzung mit antiken und nichteuropäischen Denktraditionen gewinnen. Wir befassen uns aber auch mit den ethischen Reflexionsmöglichkeiten, die sich in den verschiedenen Bereichen der Kunst, insbesondere des Films, mit Blick auf eine Ethik des Alltagslebens entwickelt haben. Der Lehrstuhl für Ethik und Ästhetik ist daher schon von seiner Methodik her auf die Zusammenarbeit mit den anderen Geistes- und Kulturwissenschaften ausgerichtet. Er versteht seine philosophische Tätigkeit im Sinne John Deweys als eine konstruktive Reflexion und Vermittlung zwischen den Wissenschaften und den Künsten.

Aktuelle Veröffentlichungen



Besser geht’s nur in der Komödie

Eike Brock, Maria-Sibylla Lotter (Hg.): Besser geht’s nur in der Komödie. Cavell über die moralischen Register von Literatur und Film (= Kulturphilosophische Studien 2).
Wird erscheinen bei: Verlag Karl Alber, 1. Auflage 2019.

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Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft

Josef Früchtl, Philipp Theisohn (Hg.): Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 1/2018. Mit Beiträgen von Maria-Sibylla Lotter.

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Die Lüge

Maria-Sibylla Lotter (hrsg.): Die Lüge. Texte von der Antike bis in die Gegenwart, Frankfurt am Main 2017.

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Scham, Schuld, Verantwortung

Scham, Schuld, Verantwortung

Maria-Sibylla Lotter: Scham, Schuld, Verantwortung - Über die kulturellen Grundlagen der Moral, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 2016.

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