pix
 

pix
 
 
AG Phänomenologie und
neuere französische Philosophie
 
      
 
Veranstaltungen
Startseite Präsentation Mitglieder Publikationen Links
Kolloquien
Frühere Kolloquien


Das nächste Kolloquium unter dem Titel "Widerstände II" findet am 28. und 29. März 2008 in Bochum statt.

Es schließt sich an die Diskussionen im März 2007 zum selben Thema an. Die Ansätze des Widerstandsbegriffs, die 2007 ausgelotet wurden, werden im diesjährigen Kolloquium weiter ausgearbeitet.

Widerstände II. Handlung – Haltung – Erfahrung

Widerstand ist eine Praxis, sie ist ein ethisches Grundrecht und wird sogar zu einer moralischen Notwendigkeit, jedes Mal wenn Grundrechte verletzt werden. In solchen Situationen muss, so heißt es, Widerstand geleistet werden; man sagt auch: es muss gehandelt werden, bevor es zu spät ist. Daher der Gedanke der Mobilisierung, die Figur des Widerstandskämpfers in Extremsituationen, des résistant im Untergrund, im maquis, aber auch der heute wieder viel diskutierten Figur des Aktivisten, dessen Kampfschauplatz schon lange nicht mehr auf die sogenannte Politik beschränkt ist, sondern Kommunikationssysteme und andere gesellschaftliche und kulturelle Räume zum Einsatzgebiet erklärt hat. Guy Debord hatte auf den Punkt gebracht, worum es bei dieser Widerstandsform geht: Das asymmetrische Kräfteverhältnis kann nur ausgeglichen werden, indem man die bloß nachträgliche Reaktion umkehrt in eine zuvorkommende Aktion, und immer schon den Ort besetzt hat, an den der Gegner erst noch gelangen muss. Es geht um ein generalisiertes Prinzip des „Ick bünn all hier“ vom Igel aus Grimms Märchen.

Neben diesem aktiven handlungstheoretischen Widerstandskonzepts umfasst der Begriff des Widerstands aber auch noch andere Aspekte: Wer widersteht, der hält Stand, er steht mit seiner Person ein, um buchstäblich den Stand zu halten. Widerstand ist dann weniger eine Handlung als eine Haltung, die einer hexis bzw. einer diathesis im aristotelischen Sinne nahe kommt. Das moralische Individuum widersteht qua moralischer Einstellung, und so wie es Versuchungen widerstehen kann, bleibt es auch in Extremsituationen integer. Eine solche diathesis oder Disposition ist nicht allein ein Werk des Willens, sie kann auch erlernt und eintrainiert werden. Ob ihm allerdings nun eine willentliche Entscheidung oder ein Einübungsprozess vorausgeht, in beiden Fällen will der Widerstand erlernt sein und er ist somit jedem möglichen Ereignis vorgängig; er bildet sozusagen einen invarianten leiblich-praktischen Schild, dessen Funktion auf die Integrität der Person hin zielt.

Es könnte aber sein, dass man in dem Versuch, die Phänomenalität des Widerstandes zu fassen, viel früher ansetzen muss, nämlich – vor jeglichem Widerstand als Handlung und als Haltung – bei dem Widerstand als Erfahrung. Wie lassen sich die Orte und Momente beschreiben, an denen wir nicht Widerstand leisten, sondern wo wir vielmehr Widerstand erfahren? In einer diskurstheoretischen Perspektive wäre dies zunächst als ein Anspruch zu charakterisieren, der auf einen Gegenanspruch stößt, wodurch ein neues Geltungsgefüge konfiguriert. Allgemeiner formuliert: Meine Handlungsfreiheit stößt dort an ihre Grenze, wo die Handlungsfreiheit des Anderen beginnt. Diese Beschreibung, die in der Philosophiegeschichte geradezu vorherrschend war und oft noch immer ist, verdeckt dabei jedoch, dass Widerstandserfahrung sich nicht auf die Erfahrung einer potentiellen oder aktuellen Handlung des Anderen beschränkt; ja unsere häufigsten Widerstandserfahrungen sind gerade Erfahrungen, die sich nicht im Rahmen einer diskursiven Vernunft zwischen Subjekten regeln lassen, weil sie bereits jeden einzelnen unserer Akte im Kern tangieren. Als horizonthaft verfasste Wesen braucht uns nicht erst eine äußere Instanz in unseren Fähigkeiten einzuschränken, unsere Beschränktheit ist uns vielmehr konstitutiv eingeschrieben. Eine Phänomenologie der Widerständigkeit als
Philosophie der Erfahrung der Widerständigkeit scheint hier angesagt. Es wäre zu beschreiben, wie der Widerstand, bevor er zu etwas wird, was ich tun oder leisten kann, etwas ist, was mir in meinem Tun widerfährt. Widerstand wäre damit zunächst die Erfahrung eines Widerfahrnisses.


Freitag, 28. März, 13-20 h

13h: Empfang
Widerstände des Politischen

13h30 - 14h20 Jens Bonnemann: Revolte und Revolution bei Sartre
14h30 - 15h20 Massimo Ulivari: Philosophische Betrachtung der Erfahrung des Widerstandkrieges in Italien (1943-45)
15h30 - 16h20 Tobias Klass: "Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand" (M. Foucault)
Widerstandsphänomene

17h00 - 17h50 Stefano Micali: Die gehemmte Zeit. Phänomenologie der Melancholie
18h00 - 18h50 Meike Siegfried: Vom Ausfall der Schrift. Über Hemmungen und Widerfahrnisse beim Schreiben
19h00 - 19h50 Kathrin Busch: Widerstand und Widerfahrnis. Ansätze für eine Theorie des Pathischen

Samstag, 29. März, 9 h 30 - 14 h 00

Widerständigkeit der Kunst

9h30 - 10h20 Marco A. Sorace: Kunst als Widerstand. Zur Unterscheidung lebendiger und weltlicher Widerstände
10h30 - 11h20 Christian Grüny: Die Frage nach der Materialität in der Kunst

11h30 - 12h20 Thomas Keller: Die Widerständigkeit der Materialität als Grundlage des Kompositorischen - Ästhetisch-phänomenologische Erörterungen zu immersiven Räumen Bildender Kunst
12h30 - 13h20 Judith Siegmund: Materialität und Evidenz: Künstlerintention und Alterität des Kunstwerks
13h30 - 14h00 Abschlußdiskussion und weitere Planung

 


 

 

Ort

Bochum, Ruhr-Universität, Comenius-Raum des Instituts für Pädagogik (GA 2/41)
Lageplan des Gebäudes GA hier.

Zeit

Freitag, 28. März 08, 13-20
Samstag, 29. März 08, 9.30-14

Modus

 

Widerstände I
(WIntersemester 2006/07)

Repräsentation: Politik - Zeichen - Ästhetik
(Sommersemester 2005)

Phänomenologie der Affekte II
(Sommersemester 2003)

Phänomenologie der Affekte I
(Wintersemester 2002/03)

Leib und Leben II: Klinische und technische Aspekte der Bioethikdebatte und deren Kritik (Sommersemester 2002)

Leib und Leben I: Epistemische Konzeptionen in den den aktuellen Diskussionen über Biotechnik und Bioethik
(Wintersemester 2001/02)

Lüge (Sommersemster 2001)
Levinas: Kunst und Sprache / Wissen und Wahrheit / Gerechtigkeit und der Dritte / Christliches und jüdisches Denken
(Wintersemester 2000/01)

Foucault und Deleuze
(Sommersemseter 2000)

Philosophie als Sprachkritik. Lektüre-Seminar zu Wittgenstein
(Wintersemester 1999/2000)

Phänomenologie des Politischen (M. Merleau-Ponty, C. Castoriadis, C. Lefort)

(Sommersemester 1999)
Das Fortwirken von Hegels Phänomenologie des Geistes im Umkreis der deutschen und französischen Phänomenologie
(Wintersemester 1998/99)

Hegels Phänomenologie des Geistes
(Sommersemester 1998)

Husserl: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie (Sommersemester 1997)

Intentionalität (Wintersemester 1996/1997)

Phänomenologie von Gabe und Tausch (Sommersemeter 1996)

Versprechen (Sommersemester 1995)

 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang
Letzte Änderung: 12.02.2008  | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik