Mesotheliomtherapie
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Mesotheliomtherapie

Zur Therapie von Mesotheliomerkrankungen stehen derzeit chirurgische Eingriffe, Chemotherapien, Bestrahlungen und Pleurodesen zur Verfügung. Basierend auf den Ergebnissen von klinischen Studien werden derzeit multimodale Therapieansätze favorisiert. Die Chemotherapie kann neoadjuvant (präoperativ) oder adjuvant (postoperativ) erfolgen.
Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen kann oft nur noch eine palliative - vielfach chemotherapeutische - Behandlung erfolgen.

Pleuramesotheliom:

Chirurgische Eingriffe:

I. Thorakoskopie zur Probengewinnung
II. Thorakoskopie zur Pleurodese
III. Pleurektomie und Dekortikation
IV. Extrapleurale Pleuropneumektomie

Diagnostisch:

  • Thorakoskopie mit Probengewinnung: (VATS = Video assistierte Thorakoskopie): Eingriff zur Entnahme von Tumorgewebe für die pathologisch anatomische Diagnostik

Palliativ:

  • Thorakoskopie mit Pleurodese: (Verklebung von Lungen- und Rippenfell) zur Kontrolle symptomatischer Pleuraergüsse (z.B. mit Talkum oder Tetracyklin, Bleomycin)

Kurativer Ansatz:

  • Extrapleurale Pleuropneumektomie (EPP = Pleurektomie und Pneumektomie einschließlich Resektion von Perikard und Diaphragma)
  • Pleurektomie / Dekortikation: Resektion der Tumorbefallenden Pleuraanteile)

Die Pleurektomie / Dekortikation stellt den weniger massiven operativen Eingriff mit einer geringeren Mortalität und einer schnelleren Erholungszeit dar. Allerdings besteht ein erhöhtes Risiko für lokale Rezidive.

Angestrebt wird beim einen chirurgischen Eingriff die vollständige makroskopische Tumorentfernung. Bei dem meist diffusen Wachstum der Mesotheliomerkrankung ist eine komplette Entfernung des Tumors leider in der Regel nicht möglich. Es verbleiben residuale - teils nur mikroskopisch - nachweisbare Tumoranteile. Eine adjuvante Therapie - hier ist in erster Linie die Chemotherapie zu nennen - hat das Ziel alle residualen Tumoranteile auszulöschen.



Bestrahlung (Radiatio):

Eine Radiatio bei Mesotheliom ist nur im beschränkten Maße wirksam. Die Bestrahlung wird zur Schmerzreduktion oder im Bereich von Stichkanälen - zur Verhinderung des Einwachsen von Tumorgewebe - eingesetzt.

Chemotherapie:

Bei einer Chemotherapie werden Zytostatika (pharmokologische Substanzen) eingesetzt. Diese Mittel wirken zytotoxisch (Zell abtötend) auf sich teilende Zellen (Tumorzellen). Unterschiedlichen Tumorarten reagieren unterschiedlich sensibel auf die diversen Zytostatika. Je nach Primärtumor und histologischem Subtyp werden unterschiedliche Zytostatika eingesetzt. Die Wirkstoffe werden oft auch in Kombination miteinander verwandt. Es finden sowohl Polychemotherapien als auch Monotherapie Verwendung.

Multimodale Therapie:

Durch die Kombination von adjuvanten und neoadjuvanten systemischen Chemotherapien, Operationen und ggf. einer Radiatio wird eine Optimierung der Therapie hin zu einem kurativen Ansatz versucht.

Peritonealmesotheliom:

Diagnostische Operationen:

Zur Gewinnung von Tumorgewebe wird eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) oder Laparotomie (Bauchschnitt) durchgeführt:

Die heutigen Therapieansätze sind zumeist multimodal angelegt. Zur Behandlung werden adjuvante oder neoadjuvante Chemotherapien entsprechend der Therapieformen beim Pleuramesotheliom verwendet. Weiterhin werden chirurgische Eingriffe zur Tumorreduktion (Tumordebulking) oder eine Zytoreduktion (zytoreductive surgery (CRS) = vollständige Entfernung von makroskopisch sichtbaren Tumoranteilen) eingesetzt. Diese Therapien werden häufig in Kombination mit einer Chemotherapie verwendet.
Weiterhin wird auch in Kombination mit der zytoreduktiven Chirurgie eine intraperitoneale Chemotherapien ggf. in Kombination mit einer Hyperthermie eingesetzt. Dieser Behandlung kann eine systemische Chemotherapie folgen. Das seltene Auftreten der peritonealen Mesotheliome erschwert die Durchführung klinischer Studien zur Therapie. Um zukünftige Studien zu neuen Behandlungsmethoden zu ermöglichen sollten vor dem Hintergrund der Seltenheit dieser Erkrankung Patienten mit peritonealen Mesotheliomen spezialisierten Zentren zugewiesen werden.

Perikardmesotheliome und Mesotheliome der Tunica vaginalis testis:
Je nach Tumorausbreitung werden chirurgische Eingriffe und / oder eine Chemotherapie durchgeführt. Aufgrund des oft fortgeschrittenen Krankheitsbildes bei Perikardmesotheliomerkrankungen ist eine chirurgische Therapie unter kurative Ausrichtung nur selten möglich.
Beim Mesotheliom der Tunica vaginalis testis ist eine diffuse peritoneale oder ein abdomineller Lymphknotenbefall möglich. Zunächst wird eine chirurgische vollständige Entfernung angestrebt. Je nach Ausbreitung des Tumors folgt dann eine Chemotherapie in Anlehnung an die bei Pleuramesotheliom angewandten Schemata.

Neue therapeutische Ansätze:

Neue Therapieansätze zur Behandlung von Mesotheliomerkrankungen werden in klinischen Studien überprüft. In der Erprobung befinden sich derzeit spezifisch gegen Zelloberflächen der Mesotheliomzellen gerichtete Immunotoxine und Antikörper zur gezielten Therapie der Erkrankung. Dabei werden Wirkstoffe die sich im Labor (präklinische Studien) als Erfolg versprechend erwiesen haben am Menschen überprüft. Die klinischen Studien werden in die Phasen I bis IV unterteilt.